Das Sportwagentreffen #MyHeavenEleven, Volume 1 am Pfingstsamstag 2015 wird nicht zuletzt an den 31. Mai 1971 erinnern – fast auf den Tag genau 44 Jahre nach dem letzten Flugplatzrennen Neuhausen ob Eck (zwischen Tuttlingen und dem Bodensee gelegen). Die Konsequenzen sind vielfältig. So wird der 23. Mai 2015 nicht nur der damaligen Epoche des Motorsports gewidmet sein, sondern auch jenem beliebten Porsche-Klassiker, der die Zahl 44 in der Modellbezeichnung trägt. Die Cup-Ausführung des 944 turbo – von 1986 bis 1989 im Sporteinsatz – wird neben den „Legenden von Neuhausen“ zum Ankerpunkt einer zweiten Sonderausstellung im „take-off GewerbePark“.

Wer sind die Legenden von Neuhausen?
Sporthistorische Sonderausstellung im „take-off GewerbePark“ soll an die drei Flugplatzrennen Neuhausen ob Eck von 1969 bis 1971 erinnern.

In den Jahren 1969 bis 1971 richtete der Schwarzwälder Automobilclub Villingen-Schwenningen (kurz: SAC) drei bedeutende Flugplatzrennen auf dem Heeresflieger-Flugplatz in Neuhausen ob Eck aus. Gefahren wurde in der zweiten und dritten Auflage auch um Punkte für die Deutsche Automobil Rundstrecken Meisterschaft (kurz DARM), dem Vorläufer der legendären Deutschen Automobil-Rennsportmeisterschaft (kurz DRM). Inzwischen wird die 1972 eingeleitete Ära der DRM als die „Geile Zeit“ verehrt. Als Mitglied des Ford-Werksteams trug sich der spätere Formel-1-Star Jochen Mass aus Bad Dürkheim auf Ford Capri RS 2.600 in die Siegerlisten ein. Im selben Jahr – 1971 – gewann er auch die Deutsche Automobil Rundstrecken Meisterschaft, ehe er keine zwei Jahre später – 1973 – in den Grand-Prix-Zirkus aufstieg. Ebenfalls auf Capri RS 2.600 am Start: Klaus Fritzinger aus Kaiserslautern, der noch in den auslaufenden achtziger Jahren im nationalen Rallyesport anzutreffen war. Er belegte den dritten Platz hinter Dieter „Porky“ Fröhlich aus Essen mit dem Steinmetz-Opel Commodore GS 2.800. Aber auch lokale Größen gaben sich in Neuhausen ob Eck die Ehre, teilweise auf heute kaum noch bekannten Eigenbauten wie dem Porsche 907 Spyder.

Die Gilde der Porsche-Haudegen auf den Derivaten des 911 führten 1970/7 Helmut Henzler und der Münchner Hotelierssohn Reinhart Stenzel an. Letzterer bezog ein Serienauto über den Porsche-Händler Mahag, der seinerzeit – ganz im Stil der Gegenwart – als ein Sportwagen Zentrum firmierte. Die Umrüstung zu einer Rennversion erfolgte im Nachgang an die Original-Werksauslieferung. Historische Foto-Dokumente belegen, dass Reinhart Stenzel mit den nun entstandenen Porsche 911 S/T auch in Neuhausen ob Eck angetreten ist. Das an sich wäre nicht viel mehr als eine Randnotiz wert, würde nicht im Großraum München eine haargenaue Replika – eine Nachfertigung – des Stenzel-Porsche existieren. Diese gab ursprünglich Matthias Wetzel beim Oberhachiger Mechaniker-Urgestein Herwig Roitmayer in Auftrag, der schon 1971 in die Motorsport-Betreuung Stenzels eingebunden war. Inzwischen ging der periodenspezifische Aufbau in den Besitz eines Zahnarztes aus der bayerischen Landeshauptstadt über. Dieser wird beim Sportwagentreffen am Pfingstsamstag 2015 gern mit seinem 1971er Porsche 911 S 2.2 zugegen sein, um die Legende des Flugplatzrennens Neuhausen ob Eck von 1969 bis 1971 aufleben zu lassen – als statische Präsentation, nicht als Fahrvorführung.

Ende der sechziger und Anfang der siebziger Jahre war es üblich, dass parallel zu den Automobilsport-Wettbewerben gleichentags auch Motorradrennen zur Austragung kamen. An diese Tradition knüpfte der Schwarzwälder Automobilclub Villingen-Schwenningen 2004 mit einem Sportfahrertraining für Motorrad-Besitzerinnen und Besitzer auf dem zehn Jahre zuvor von der Bundesluftwaffe zurückgelassenen Gelände an. Reguläre Rennen haben dort oben, in 804 Metern luftiger Meereshöhe, nach dem 31. Mai 1971 allerdings keine mehr stattgefunden, und dabei wird es ohne bauliche Maßnahmen bleiben müssen. „Wir haben recherchiert, dass es am 31. Mai 1971 zu einem tragischen Unglück gekommen ist, in das der Österreicher Franz Albert mit einem Chevrolet Camaro verwickelt gewesen ist. Drei anwesende Soldaten haben damals den Tod gefunden. Es ist nicht unbedingt unser Ziel, ein Revival des 1971 eingestellten Flugplatzrennens Neuhausen ob Eck zu initiieren – auch wenn wir damit im Zeitgeist liegen würden“, erläutert Sebastian „Baschdi“ Sommer. Der Steinmetz aus der benachbarten Stadt Tuttlingen, dem Weltzentrum der Medizintechnik, vertritt eine Gruppe, die sich für ein Sportwagentreffen im „take-off GewerbePark“ auf dem weitläufigen Gelände des ehemaligen Militärflughafens stark gemacht hat. Die Planungen und Vorbereitungen begannen am 13. Juli des vergangenen Jahres. Und obwohl Sommer selbst an Rennen teilnimmt, noch dazu auf einer seinerzeit in Neuhausen ob Eck zum Beispiel von Reinhart Stenzel pilotierten Sportausführung des Porsche 911 S 2.2, schließt er eine Neuauflage des Flugplatzrennens vorläufig aus. „Wir fangen mal klein an“, stellt er fest, „und veranstalten ein Treffen für Sportwagen, in erster Linie für solche der Marke Porsche. Aber auch Zweisitzer anderer Premium-Fabrikate sind mit ihren enthusiastischen Fahrerinnen und Fahrern sehr gerne gesehen!“

Stattfinden wird das Großereignis am Pfingstsamstag, dem 23. Mai 2015, ab 9.06 Uhr. „Dies ist eine Anspielung auf den Porsche-Typ 906 oder auch Carrera 6, der in Neuhausen ob Eck zum Einsatz gebracht worden ist – genau wie zur selben Zeit auch in Wien-Aspern, wo Jochen Rindt und Niki Lauda die Szenerie beherrschten.“ Diesen und anderen lebenden Legenden der drei Renntage Ende der sechziger bis Anfang der siebziger Jahre soll eine sporthistorische Sonderausstellung gewidmet sein. Diese wendet sich aber nicht zwingend an Originalfahrzeuge aus alter Zeit, sondern darüber hinaus in gleichem Maße an Replikate, Nachbauten. „Wir freuen uns auf Porsche, Ford Capri, De Tomaso Pantera, Chevrolet Camaro, Opel Steinmetz Commodore und alles, was die Zeit der ‚Neuhausen-Legenden‘ prägte!“, begeistert sich Sommer. Seinen eigenen Porsche, zuletzt beim AvD-Oldtimer-Grand-Prix auf dem Nürburgring im August 2014 gefahren, stellt der 32-Jährige als ein zeitgenössisches Ausstellungsstück zur Verfügung.

Aus der Tatsache, dass das vorerst letzte Flugplatzrennen Neuhausen ob Eck am 31. Mai 1971 – und damit fast auf den Tag genau vor 44 Jahren – stattgefunden hat, wird beim Sportwagentreffen „#myHEAVENeleven, Volume 1“ am 23. Mai (Pfingstsamstag) 2015 zu einer allzu leicht nachvollziehbaren Konsequenz führen: Jenem Porsche-Klassiker, der die Ziffer 44 bereits in seiner Modellbezeichnung führt, wird eine weitere Sonderausstellung gewidmet sein – allerdings keine ganz und gar unspezifische, sondern eine Zusammenführung von Besitzerinnen und Besitzern eines originalen Porsche 944 turbo in Cup-Ausführung (Modelljahre 1986 bis 1989). Eigens dazu ist im sozialen Netzwerk „Facebook“ eine Fangruppe als virtuelle Anlaufstelle und Sammelbecken eingerichtet worden, die „#group44 | Porsche 944 turbo by Carsten Krome“. Deren Namensgeber und Initiator war Augenzeuge der Premiere des legendären Porsche-Markenpokals am 27. April 1986 auf dem Nürburgring. Anschließend begleitete Carsten Krome Akteure der ersten Stunde, Jörg van Ommen aus Moers zum Beispiel oder Uwe Eickwinkel aus Bottrop. Auch zum Essener Harald Grohs baute sich ein bis heute bestehender Kontakt auf. Noch beim AvD-Oldtimer-Grand-Prix auf dem Nürburgring im August 2014 begegnete „der Nippel“, heute 71-jährig, einem originalen 944 turbo Cup aus der Eröffnungssaison 1986. Daraus ergab sich die Idee, möglichst viele Eigentümerinnen und Eigentümer einer solchen, jahrzehntelang unterschätzten Sportausführung zu versammeln. Die Wahl fiel auf Neuhausen ob Eck, da Carsten Krome, Chefredakteur des Premium-Sportwagen-Printmagazins werk1 und Sebastian „Baschdi“ Sommer seit 2004 befreundet sind. „Wir probieren es ganz einfach!“, beschreibt Carsten Krome seine Motivation, „auf 804 Metern Meereshöhe den Porsche 944 turbo Cup zu präsentieren. Ein Traum wäre ein komplettes Cup-Starterfeld, aber wir wollen nicht unrealistisch werden!“

Die zarte Andeutung einer solchen Rennsport Reunion, der Wiedervereinigung alter Rennporsche mit ihren einstigen Volanteuren, ergab sich beim AvD-Oldtimer-Grand-Prix 2014 auf dem Nürburgring, als Uwe Eickwinkel in exakt jenem 944 turbo Cup über die Nürburgring-Nordschleife fuhr, mit dem er 1986 zur Erstbesetzung gehörte. „Man sollte nie vergessen“, gibt Carsten Krome, der als Sporthistoriker von 1993 bis 2015 insgesamt fünf Fachbücher herausgegeben hat, zu bedenken, „dass alle Mitspielerinnen und Mitspieler aus dem Fliegenden Klassenzimmer von 1986 nicht mehr am Leben sind, Annette Meeuvissen oder Edgar Dören zum Beispiel fehlen uns. Daher ist es sehr wichtig, Zeitzeugen den ihnen gebührenden Raum einzuräumen und ihre Eindrücke in Würde zu bewahren!“ Ein Beitrag dazu soll die Abendveranstaltung „Legends Diner“ am Vortag des Sportwagentreffens Neuhausen ob Eck sein. Diese findet, vom Veranstaltungsgelände wenige Kilometer entfernt, im Légère Hotel im Herzen der Stadt Tuttlingen statt. Geplant ist ein durch Carsten Krome bei Bedarf gerne auch mehrsprachig moderierter Legenden-Talk, an dem sich alte Sportfahrer-Recken aus der Region beteiligen werden. „Wir haben die eine andere Überraschung im Gepäck“, offenbart Carsten Krome, der sich darüber hinaus freut, das erwähnte Replikat des Porsche 911 S von Reinhart Stenzel vorstellen zu dürfen. „Wir arbeiten zurzeit mit einem Schwarz-Weiss-Bild dieses Wagens, unsere Besucher werden sich in Farbe einen Eindruck verschaffen können. Wir hoffen so, den guten Geist des 31. Mai 1971 zu erwecken. Vor den tragischen Ereignissen verneigen wir uns mit Respekt!“ Das Gesamtbild werden der Porsche 930 turbo des Berg-Europameisterschafts-Piloten Karl-Heinz Linnig und viele weitere spannende Exponate aus Privatsammlungen abrunden.

„‚Baschdi‘ Sommer und ich haben uns tatsächlich am 13. Juli 2014 erstmals im takeOff-Gewerbepark umgesehen, der nach der Übergabe durch die Bundesluftwaffe in Neuhausen ob Eck entstanden ist“, fasst Carsten Krome seine Eindrücke vor Ort zusammen. „Ich habe überrascht festgestellt, dass sich dort oben, in luftiger Höhe, sehr interessante Produktionsbetriebe angesiedelt haben. So werden die Porsche-Bremsscheiben, so sie denn aus Stahl hergestellt sind, zum überwiegenden Teil bei SHW in Neuhausen produziert.“ 30 neue werk1-Abonnentinnen und Abonnenten werden die Gelegenheit erhalten, Einblicke in die Porsche-Bremsscheiben-Fertigung bei SHW zu nehmen. Sie müssen dazu an unserer Sonderaktion teilnehmen, die wir auf der dritten Umschlagseite der hiermit vorliegenden werk1-Ausgabe Mai/Juni 2015 ausführlich beschreiben – einschließlich einer hochkarätigen Gewinnchance!

Weitere Informationen werden fortlaufend aktualisiert und online bereitgehalten.