29-März-1987-Hockenheimring-AVD-Sportwagen-Festival-DTM-Harald-Grohs-Vogelsang-BMW-M3

© Carsten Krome Netzwerkeins

Das legendäre Tourenwagen-Rennteam der Vogelsang Automobil GmbH & Co. KG erfährt eine unerwartete Wiederbelebung: Nicht nur authentische Einsatzwagen aus der DTM, der Deutschen Tourenwagen-Meisterschaft, sind reaktiviert worden, sondern auch damalige Originalfahrer.

Die Schlagzeilen:

Comeback des Querlenkers: Olaf Manthey (63) kehrt 32 Jahre nach dem letzten Einsatz in den BMW 325i der Vogelsang Automobil GmbH zurück. Herzhafte Drifts des Rheinländers sind garantiert.

Grohs-Betrieb: Auch jenseits der 70 Lenze ist die Essener Rennsport-Legende Harald “Nippel” Grohs ein Garant für stilsichere, nicht immer ganz jugendfreie Unterhaltung auf und abseits der Piste.

Heger, der schrecklich Nette: Kurz nach dem 60. Geburtstag knüpft auch Altfrid Heger aus Essen an seine Zeit im Team Vogelsang an, Initiator Ralph Bahr agiert als vierter und jüngster Teamfahrer.

Mit einer handfesten Sensation meldet sich die Vogelsang Automobil GmbH, eine der Institutionen im Tourenwagen-Rennsport der achtziger und neunziger Jahre, zurück. Der BMW-Vertragshändler aus dem Vest feiert ein Revival des einstigen Rennstalls – mit zwei originalen Einsatzwagen und drei ehemaligen Vertragsfahrern. Damit nicht genug: Das Revival Team Vogelsang nimmt an ernsthaften Rennen teil, mehrmals sogar im Rahmenprogramm der heutigen DTM, der Deutschen Tourenwagen-Meisterschaft.

Möglich wird das Revival durch Ralph Bahr, Erfinder und Mitveranstalter der Tourenwagen Classics, kurz TWC. Die 2015 gegründete Kult-Rennserie für klassische Renntourenwagen sieht ihrer dritten Spielzeit entgegen. Im vergangenen Jahr gastierte das Feld der Legenden vor ganz großer Kulisse, so zum Beispiel vor annähernd 100.000 Zuschauern auf dem Nürnberger Norisring. Der sprunghafte Zulauf blieb den einstigen DTM-Helden nicht verborgen. So absolvierten mit Olaf Manthey, Harald Grohs und Alfrid Heger gleich drei ehemalige Vogelsang-Piloten erste Testeinsätze. Harald Grohs saß zum Beispiel in jenem schwarzen Vogelsang-BMW M3 der Baureihe E30, mit dem er den Auftaktsieg der DTM-Saison 1987 auf dem Kleinen Kurs des Hockenheimrings eingefahren hatte – ein Geniestreich zu dieser Zeit. Denn der ehemalige Taxifahrer aus Essen schlug dabei den arrivierten Werkswagen von BMW ein Schnippchen.

Es war der erste offizielle Rennsieg eines M3 überhaupt. Dieses wertvolle Sammlerstück ist inzwischen im Besitz von Ralph Bahr, der damit bei den Tourenwagen Classics 2017 bis zum AvD-Oldtimer-Grand-Prix auf dem Nürburgring nicht nur mitmischte. Beim Classic Race in den Straßen der dänischen Stadt Aarhus sicherte sich Bahr wie 1987 den Auftaktsieg – exakt 30 Jahre nach dem Triumph auf dem Hockenheimring wiederholte sich die Geschichte.

Technisch vorbereitet wird der schwarze Vogelsang-M3 beim Traditionsrennstall Derichs Rennwagen aus Mayen in der Eifel. Ursprünglich lag die Verantwortung in den Händen von Gotthard “Harry” Valier aus dem Münchner Umland. Damals fungierten Rolf Vogelsang und Hans-Joachim Wietheger, dessen Generalbevollmächtigter, als Teamchefs. Sie zogen auch in der Interessengemeinschaft Tourenwagen Rennen, kurz ITR e.V., die Fäden. Geschicktbestimmten sie die strategische und sportpolitische Ausrichtung der neuen deutschen Tourenwagen-Bundesliga mit. Und so waren auch halboffizielle Rennställe zumindest 1987 noch in der Lage, Gesamtsiege über die hochfavorisierten Werkswagen zu erzielen. Harald Grohs, dem dieses Husarenstück im Vogelsang-Auftrag gelang, wird 31 Jahre später mit seinem früheren Dienstwagen an der Seite von Ralph Bahr an diese Zeit erinnern.

Der Vorläufer des schwarzen BMW M3 E30 im DTM-Rennstall von Rolf Vogelsang war der 1986 in ienst gestellte 325i E30 mit der Fahrgestellnummer RA1-13, auch “Liesal”genannt. Olaf Manthey steuerte das Leichtgewicht ein ganzes Jahr lang. 32 Jahre später kehrt der Rheinländer an seinen alten Arbeitsplatz zurück. Dass es sich auch mit 245 PS herzhaft driften lässt, hat der heute 63-jährige Bonner immer wieder bewiesen. 2015 nahm er eine erste Sitzprobe im Vogelsang-BMW 325i, den Steffan Irmler aus Drebber restaurierte. Inzwischen gehört auch dieser mobile Zeitzeuge zum Fundus von Ralph Bahr, der ein enthusiastischer Privatsammler authentischer Renntourenwagen von BMW ist.

Besondere Bedeutung kommt dem Auftritt der Tourenwagen Classics im Juni auf der Nürburgring-Nordschleife zu. Olaf Manthey gilt dort seit den siebziger Jahren als Großmeister, insbesondere auf regennassem Asphalt. Dasselbe gilt freilich auch für Harald Grohs – und für Altfrid Heger. Der 60-jährige Essener gewann auf der anspruchsvollsten Rennstrecke der Welt mehrmals das 24-Stunden-Rennen, nicht zuletzt auf BMW M3. 1990 gehörte der gelernte Baumschulist aus Essen-Stadtwald auch zum (erweiterten) Vogelsang-Kader. Erweitert deshalb, weil Heger für das Kabelschutzwerk der Familie Vogelsang warb und nicht mehr Valier der Einsatzpartner war, sondern der Allgäuer Ludwig “Luggi” Linder. Statt des BMW M3 E30 2.3 kam nun der um weitere 200 ccm aufgebohrte M3 2.5 Sport Evolution zum Einsatz – nach dem 325i und dem M3 der ersten Generation die dritte DTM-Waffe aus Recklinghausen. Das BMW 635 CSi Coupé startete 1984 mit Harald Grohs in der Deutschen Produktionswagen-Meisterschaft, der DPM.

An den dritten und letzten Zeitabschnitt wird Altfrid Heger erinnern, der im Juli des vergangenen Jahres auf dem Norisring bereits Gesamtzweiter bei den Tourenwagen Classics war und großen Gefallen am neu geschaffenen Umfeld gefunden hat. Für das bevorstehende Rennjahr 2018 hat Ralph Bahr ein klares Ziel definiert: “Unser Revival Team Vogelsang fährt in der Gruppe-A-Wertung um die Meisterschaft. Wir nehmen mit beiden Autos an allen sieben Läufen der Tourenwagen Classics teil – auch bei den großen DTM-Events, auch auf der Nürburgring-Nordschleife.” Der Wertungslauf auf dem Eifelkurs wird für Schlachtenbummler aus der Region die wohl beste Gelegenheit sein, den Helden von einst bei ihrer Lenkrad-Arbeit zuzuschauen. Die genaue Zuordnung, wann welcher Fahrer zum Einsatz kommen wird, ist noch nicht zu hundert Prozent festgelegt. “Natürlich haben die laufenden Verpflichtungen unserer Originalfahrer stets Vorrang”, weiß Ralph Bahr zu berichten, “alle drei sind nach wie vor sehr gefragt.” Fazit: Das Revival Team Vogelsang erinnert nicht nur an eine Ära des Motorsports, es belebt die eigene Geschichte neu und fügt ihr weiteres Kapitel hinzu. Die Saison startet am 21. und 22. April 2018 auf dem Hockenheimring.

Verantwortlich für den Inhalt: Carsten Krome (05. März 2018)

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Revival-Team-Vogelsang-Recklinghausen-BMW-325i-Harald-Grohs-Olaf-MantheyRevival Team Vogelsang 2018: drei Generationen Tourenwagen-Rennsport zu neuem Leben erweckt – Playlist.

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