Wie der Vater, so der Sohn – als Mike Hezemans 1991 einen neuen Einsatzwagen für den Porsche Carrera Cup Deutschland erhielt, war dieser wie selbstverständlich rot lackiert. Schon der Herr Papa war mit einem gleichfarbigen Rennelfer unterwegs, so zum Beispiel 1976 im 934 turbo von Georg Loos. Dennoch gelang es US-amerikansichen Experten, den roten Faden der Unternehmerfamilie aus Eindhoven in den Niederlanden später zu verwischen. Aus dem roten Cup-964er wurde ein blauer – und inzwischen wieder ein Restaurationsobjekt in der Werks-Originalfarbe. Dafür haben, wie schon so oft, Spezialisten aus Göttingen gesorgt.

1991 geht der Porsche Carrera Cup Deutschland in das zweite Jahr. Nachdem mehr als 90 Bewerbungen auf einen der 40 Startplätze eingegangen sind und 120 Neufahrzeuge gebaut worden sind, erwächst dem Manager-Duo Herbert Linge und Jost Capito ein Luxusproblem. Flugs kreieren sie neben dem Carrera Cup eine Liga für Einsteiger und klassische Amateure, die Carrera Trophäe. Darüber hinaus dürfen Cup-Fahrzeuge im Veedol-Langstreckenpokal sowie bei den 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring und in Spa-Francorchamps antreten. Die 40 Vorjahreswagen kommen ebenfalls auf den Markt, obwohl sie universell verwendet werden können. Diesem Phänomen liegt eine schlichte Erkenntnis zugrunde, die die Spitzenfahrer unisono vertreten: Nach einer Saison können selbst unfallfreie Wagen drei, vier Zehntelsekunden auf einer Runde langsamer geworden sein. Diese Differenz kann Rennen entscheiden – bei den Profis notabene, nicht im Lager der Edel-Hobbyisten. Die Teilnehmer an den GTP-Clubsport-Weekends präsentieren die ersten Gebrauchten aus dem Carrera Cup voller Stolz. Später wird dieser Trend über den Großen Teich hinüber nach Amerika  schwappen, um im Bild zu bleiben. Freilich unterscheiden sich die Mentalitäten der US-Abnehmer von denen der Deutschen oft maßgeblich, und verwischt im Laufe der Jahre so manche Spur. Davon ist am 4. März 1991 nicht unbedingt auszugehen, als in Weissach der ONS-Wagenpass mit der Registriernummer 16259/91 ausgestellt wird. Der Cup-Carrera, der im Dokument beschrieben wird, ist anhand der Fahrgestellnummer WPO ZZZ 96 ZMS 40 9037 dem Modelljahr 1991 zuzuordnen, im Vorjahr hat der betreffende Kennbuchstabe noch L gelautet. Am 30. März 1991 wird der „indisch“-rote Neuwagen im belgischen Zolder offiziell in Betrieb genommen. An seinem Volant dreht ein junger Niederländer: Mike Hezemans, Aufsteiger aus dem Kartsport und Sohn eines ehemaligen Profi-Rennfahrers.

Sein Vater Toine Hezemans, geboren am 14. April 1943, wird in Deutschland als Vertragspilot des Kölnern Rennstallbesitzers Georg Loos bekannt. 1976 ist er einer der wenigen, die einen neuen 934 turbo (mit der Chassisnummer 930 670 0175) in der Deutschen Automobil-Rennsportmeisterschaft an den Start bringen dürfen. Ein Jahr später steigt der Holländer, der schon zu dieser Zeit als Diamantenhändler aktiv ist, in einen der 935 turbo von Georg Loos um. Obwohl thermisch hochsensibel, ist der Einzellader für Siege in der Marken-Weltmeisterschaft gut – so zum Beispiel im Mai 1977 beim 1.000-Kilometer-Rennen auf dem Nürburgring. 1978 kehrt Toine Hezemans mit einer neuen Doppellader-Version (Chassisnummer 930 980 0020) für Georg Loos in die Deutsche Rennsportmeisterschaft zurück. Doch der Versuch, den 1977 durch Rolf Stommelen ins Team geholten Titel zu verteidigen, schlägt fehl. Es kommt zur Trennung, und 1979 lässt Toine Hezemans seine Profi-Karriere in einem Ford Capri von Erich Zakowski ausklingen. Bevor er eine Karriere als Unternehmer in der Immobilienbranche beginnt, kehrt er noch einmal zu den Ursprüngen seiner Rennfahrer-Laufbahn zurück. Eins haben seine Porsche-Jahre jedoch gemeinsam: Er hat fast immer in roten Rennelfern gesessen. An diese Familientradition knüpft Mike Hezemans 1991 an, als er mit einem Porsche und Team in den Carrera Cup einstiegt. Dass die Trauben in jeder Hinsicht hoch hängen, bekommt er auf Anhieb zu spüren. Er muss sich gegen einen Seriensieger Roland Asch durchbeißen, gegen dessen gelben Strähle-Porsche kein Kraut gewachsen ist. Somit ist die Saison für Mike Hezemans ein hartes Lehrjahr. Seine Wurzeln im Kartsport dokumentieren nicht nur dominante Aufkleber des Kart-Herstellers Rotax auf der Carrera-Karosserie, sondern auch eine etwas auffällige Kopfhaltung – Andenken an einen alten Rennunfall. 1992 kehrt Hezemans beim Eifelrennen Nürburgring noch einmal in den Carrera Cup zurück, doch auch im Eifel-Regen kommt er über eine Mittelfeld-Platzierung nicht hinaus. Vater und Sohn erkennen, dass sie sich einem größeren Team anschließen müssen, 1993 gehen sie beim Leverkusener Brüderpaar Fabian und Michael Roock an Bord. Von nun kommt Mike Hezemans immer besser mit dem schwierig zu fahrenden Coupé zurecht. Er erreicht Podium-Platzierungen, 1996 springt er auf Lotus Esprit V8 in die boomende GT-BPR-Rennserie ab.

Sein inzwischen fünf Jahre alter Cup-Carrera ist zu dieser Zeit in den Händen eines Privatteams im Veedol-Langstreckenpokal unterwegs. Der ONS-Wagenpass ist lückenlos durchgestempelt mit all den einschlägig bekannten Veranstalter-Einträgen der VLN. Erst am 26. Juli 1996 reißt die Einsatzhistorie mit dem Reinoldusrennen auf dem Nürburgring ab. Anschließend muss die Ausfuhr in die Vereinigten Staaten erfolgt sein. Vor mehr als einem Jahr entdeckt Thomas Nater es dort eher zufällig, was der Farbe zuzuschreiben ist. Ursprünglich in „Indischrot“ ausgeliefert, findet der Göttinger Intimkenner der Cup-Materie das Originalfahrzeug in „Maritimblau“ vor. Aufgrund der guten Grundsubstanz lasst er es dennoch zurück nach Deutschland exportieren. Dort angekommen, wird bis auf das nackte Blech zerlegt, entlackt und gerichtet. Selbstverständlich erfolgt der erneute Lackaufbau in der Original-Werksauslieferungsfarbe, und Kompromisse bei den Komponenten sind ohnehin tabu. 1991 ist noch mit den 17-Zoll-Rädern gefahren worden, die dreiteiligen 18-Zöller des Porsche-Lieferanten Speedline sind erst ab 1992 Cup-Standard. Mike Hezemans ist diese Felgen am rot-weißen Roock-Carrera gefahren. Unterdessen hat die Remontage bei AP Car Design längst begonnen. Und die Zeit läuft, denn am 27. April 2016 steht ein besonderes Jubiläum ins Haus: 30 Jahre Porsche-Markenpokale, angefangen hat alles am 27. April 1986 mit der Weltpremiere des Porsche 944 turbo Cups beim 48. Internationalen ADAC-Eifelrennen auf dem Nürburgring, übrigens auch Tag eins des Sport auto Supercups der Gruppe C.

Verantwortlich für den Inhalt: Carsten Krome Netzwerkeins

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