16.7.1989: III. Int. KEMORA 500-Midnight Sun Race in Veteli (SF)

Ralf Kelleners bleibt das Pech treu: Bei seiner internationalen Tourenwagenpremiere am Steuer eines Porsche 911 Carrera RSR verhinderte ein kapitaler Motorschaden den Start beim größten Rundstreckenrennen in Skandinavien.

Vorausgegangen waren hektische Last-Minute-Verhandlungen mit den finnischen Veranstaltern, die trotz dünnem Budget den Start eines deutschen Fahrzeuges aus der Special Tourenwagen Trophy (STT) ermöglichen wollten. Carsten Krome war aufgrund der 1988 geknüpften Verbindungen nach Nordeuropa schließlich der Einzige, dem finanzielle Zugeständisse eingeräumt werden sollten.

Einen interessierten Partner fand man im Düsseldorfer Hobby-Rennfahrer Michael Beilke, Initiator eines privaten Porsche-Rennstalles.
In Zusammenarbeit mit dem Hauptsponsor, einer renommierten Brauerei, organisiert Micky Beilke jährlich ein Dutzend Fahrerlehrgänge mit Le Mans-Legende Jacky Ickx als Intruktor und bestreitet ausgewählte Rennen für Gruppe H-Tourenwagen.
1988 erreichte das von Beilke und seinem Düsseldorfer Grund Gerhard Holup eingesetzte »RSR Racing Team« mit dem Sieg beim 24-Stunden-Rennen Nürburgring den größten Erfolg in der noch jungen Team-Historie.

Angesichts der 1989 erfolgten Aussperrung der attraktiven Gruppe H-Boliden vom Nürburgring-Marathon war Michael Beilke über die Startgelegenheit in Finnland hocherfreut.
Spontan eröffnete er Ralf Kelleners die Möglichkeit, auf dem Rund 370PS starken Porsche Carrera als Copilot zu fungieren.
Ralf Kelleners im Cockpit jenes Fahrzeugtypes, mit dem sein routinierter Vater schon vor 15 Jahren an den Stasrt rollte – eine brisante Konstellation, die dem einheimischen Publikum viel Freude bereitete.

Die Schlagkräftigkeit dieser Kombination stellte sich gleich an beiden freien Testtagen unter Beweis, als der »Stade’s Leicht-RSR« als einziges Auto unter 1:14 Minuten fuhr.
Angesichts der starken skandinavischen Konkurrenz war dies keinesfalls zu erwarten gewesen, denn vier BMW M3 Gruppe A und drei bullige »Special Saloon«-Boliden konterten konsequent.

Besonders stark war der von dp-Schweden-Importeur Josef Zirkelbach eingesetzte Porsche 935 turbo einzuschätzen, der von Per Boström/ Börje Skinnar und Altmeister Kurt Simonsen gefahren wurde.
Eine Woche zuvor war dieses für die amerikanische IMSA GTO-Serie vorgesehene Auto n och ein Wrack gewesen, als Per Boström b ei einem nationalen Rennen in Valkenberg (S) mit der Corvette von Ingvar Sand kollidierte und für Tag- und Nachtschichten sorgte.

Stammfahrer Boström bedankte sich im samstäglichen Qualifying mit der Bestzeit, gefolgt von Ture Tiholt auf einem Ford Escort mit Volvo-Turbo-Triebwerk und Ralf Kelleners auf dem deutschen Porsche 911.
Auf den weiteren Plätzen wurden Vorjahressieger Nicke Wiik (BMW M3) und Milan Knecevic im mächtigen Manta-Chevrolet notiert.
Jener Manta-Chevy sorgte noch im Vorjahr mit BMW M1-Motor und Helge Snabb am Steuer für aufgeregte Gesichter, der sich nun mit Annsi Rantanenauf einem BMW M3 abwechselte.
Der BMW M1-Motor von Helge Snabb, Sieger der ersten Auflage 1987, ist inzwischen an Onni Kreivi verkauft, sein Sauber-M1 lief in Kemora zum letzten Male mit Volvo-Turbotriebwerk und bescherte seinem Besitzer einen Nichtstart.
Gleiches wiederfuhr jedoch auf Ralf Kelleners und Michael Beilke. Porsche-Novize Ralf Kelleners erlebte beim Versuch, in die erste Startreihe vorzustoßen, einen seltenen wie nachhaltigen Motorschaden, bei dem ein Pleuel mit großer Ölfahne den Weg ins Freie fand.
An einen Start war nicht mehr zu denken, zumal der Ersatzmotor in der Werkstatt in düsseldorf zurückgeblieben war.
Dieses Triebwerk war bisher nie zum Einsatz gekommen, weil die vom Münchener Herwig Roitmayer präparierten Kraftpakete ein Muster an Zuverlässigkeit sind.
Nicht umsonst steht in der Erfolgsliste vom Stade’s Leicht-RSR-Racing-Team der Gesamtsieg beim Eröffnungslauf zum Veedol-Langstreckenpokal 1989 und Platz neun in der Gesamtwertung des 24-Stunden-Rennens am Nürburgring.

Hier stand ein seriennaher Carrera Clubsport zur Verfügung, der in der Gruppe NGT eingestuft ist und bei den hauseigenen Fahrerlehrgängen als Schulungsmobil für die Rennsport-Eleven läuft.
Trotz der großen Enttäuschung wird Michael Beilke seinem alten Freund Jacky Ickx für das nächstjährige KEMORA 500 in Finnland eine Reaktivierung vorschlagen.
Vom Publikum enthusiastisch verabschiedet, wurde das deutsche Privatteam Zeuge des vierfachen Sieges der BMW M3, angeführt von Harri Toivonen/ Tarmo Laine und Per Gunnar Andersson / Tuisku Urpiala / Nicke Wiik. »Ich glaube, wir hätten hier ganz gut ausgesehen« – lautete schließlich auch der Kommentar des Trainingsdritten Ralf Kelleners, der nun wieder in der Formel 3 nach Erfolg greift.

Rennbericht Kemora 500

Grosses Erstaunen beim skandinavischen Rennpublikum: in Finnland, dem ehemaligen Reservat der bulligen Gruppe 5-Boliden, dominierten erstmals moderne Gurppe A-Fahrzeuge.
Vier angetretende BMW M3, allesamt aus den Beständen deutscher Tourenwagen-Teams, sorgten für einen eindrucksvollen Erfolg des bayrischen Fabrikates.

Nach über vier Stunden Renndistanz beanspruchte die einheimische BMW-Delgation geschlossen die ersten vier Ränge, angeführt von Harri Toivonen/Tarmo Laine. In der zweiten Rennhälfte lieferte sich das erstmals zusammen angetretene Duo eine spannende Schlacht mit Peggan Andersson/Tuisku Urpiala und Vorjahressieger Nicke Wiik, die am Schluss eine Runde zurück lagen.

Heikki Salmenautio/Jukka Jalonen und Helge Snabb/Anssi Rantanen komplettierten den Gruppe A-Triumph, der von der Bürgstädterin Beate Nodes auf einem Ford Sierra XDSR 4 ti komplettiert wurde.
Nach langer Rennpause hatte die Deutsche erstmals in dieser Saison Gelegenheit, ihr Können zu demonstrieren.
Trotz Trainingsrückstandes absolvierte sie auf dem 87er DTM-Auto von Manuel Reuter einen Doppelturn und trug erheblich zum fünften Gesamtrang bei.

Ein anderes deutsches Team hatte da weniger Fortune. Trotz vollmundiger Ankündigungen waren der Düsseldorfer Michael Beilke und der junge Moerser Ralf Kelleners mit einem Porsche 911 Carrera RSR der einzige Vertreter aus der deutschen Spezial Tourenwagen Trophy (STT).
Erst in letzter Minute war dieser Einsatz zustande gekommen, was Ralf Kelleners nicht von einer tadellosen Vorstellung bei seiner Porsche-Premiere abhielt. Auf dem ungewohnten, rund 380PS starken Auto war das Stade’s Leicht Team an beiden Testtagen eindeutig an der Spitze, beim samstäglichen Qualifikationstraining reichte es zu Platz drei.
Beim Versuch, diese Zeit noch zu verbessern, gab der im Winter revidierte 3,5 Liter-Motor jedoch den Geist auf, weshalb an einen Start nicht mehr zu denken war.
Ralf Kelleners, in der deutschen Formel 3 Meistersahft momentan nicht unbedingt vom Glück verfolgt, kam so wiederum zu keinem Erfolgserlebnis, ebenso Teambesitzer Michael Beilke.
Trotzdem konnte das deutsche Privatteam die Heimreise mit einem guten Gefühl antreten, hatte das Publikum die Pechvögel doch mit grossem Enthusiasmus verabschiedet.
»Im nächsten Jahr kommen wir wieder, dann werden wir die deutschen Motorsportler würdig vertreten« – kommentierte Micky Beilke den enttäuschenden Ausgang der Skandinavien-Reise.
Wiederkommen werden auch die in diesem Jahr düpierten »Special Saloon« Teams. Der bestplatzierte Vertreter dieser Klasse landete im Ziel hinter einem Gruppe N-Mercedes 190 2,3 – 16 an enttäuschender siebter Stelle.
Nach einer arbeitsreichen Woche, bedingt durch einen schweren Unfall bei einem nationalen Rennen in Valkenberg, sicherte sich der von dp Motorsport aufgebaute Porsche 935 turbo diese Position.
Per Boström/Börje Skinnar und Altmeister Kurt Simonsen wurden von einem klemmenden Waste-Gate behindert, nachdem mit 1.12. 28 Minuten die Pole-Position gefeiert werden konnte.
Startfahrer Simonsen lieferte sich zu Beginn des Rennens ein begeisterndes Gefecht mit einem Volvo-Power fahrenden Ford Escort und einem Opel Manta mit sonorem Chevy-Triebwerk.
Unzähliche Male wechselte die Führung, bis einsetzender Regen die BMW M3 nach vorne spülte.
John-Eric Öberg im Volvo-Escort und Milan Knezevic mit dem Manta-Chevy segenete wenig später das Zeitliche, einzig der schwedische dp-Porsche hielt sich in der Spitzengruppe.

Trotz der einsetzenden Probleme gab es auch im dp-Schweden-Lager zufriedener Gesichter, denn hier war das Kemora 500 insbesondere als Testfahrt für ein Engagement in der nächstjährigen IMSA GTO-Serie vorgesehen.

Robert Lappalainen, 1988 noch rennfahrender Manager dieser exotischen Veranstaltung, glänzte indes durch Abwesenheit.
Trotz des fehlenden internationalen Charakters war das Kemora 500 Midnight Sun Race dennoch eine sehenswerte Veranstaltung.

Ergebnisse

Auto Nro Nimi Auto Kerho Kierr Aika

17 H Toivonen/T Laine BMW M3 SF 185 4:12:53
1 T Urpiala/P G Andersson/N Wiik BMW M3 SF / S 184 -1 Kierr
13 H Salmenautio/J Jalonen BMW M3 SF 182 -3 Kierr
11 A Rantanen/H Snabb BMW M3 SF 182 -3 Kierr
6 K Sarlin/J Karhumäki/B Nodes Ford Sierra SF/D 175 -10 Kierr
XR4 Ti
7 H Salme’n/A Mäkinen Mercedes Benz SF 165 -20 Kierr
190 E
2 P Boström/B Skinnar/K Simonson Porsche DP 925 S 162 -23 Kierr

Veteli. Das größte in Skandinavien ausgetragene Rundstreckenrennen auf der 2,6 Kilometer langen Strecke von Kemora im Nordwesten Finnland erhält nach verschiedensten Spekulationen nach einer last-minute-Aktion doch noch Zuwachs aus deutschen Landen.
Beim »Midnight Sun Race«, das am Sonntag, den 16. Juli in Veteli gestartet wird, nimmt auch ein deutscher Porsche 911 Carrera RSR die 500km- Distanz unter die Räder.

Michael Beilke, routinierter Porsche-Spezi aus Düsseldorf und Gaststartet in der Spezial Tourenwagen Trophy (STT), bringt seinen in der Winterpause neuaufgebauten Porsche nach Nordeuropa.
Bei Tuner Roitmayr in München wurden zwei 3,5 Liter-Triebwerke mit rund 370 PS in Auftrag gegeben, die auf der kurvenreichen »Kartbahn« von KEMORA für genügen Vortrieb sorgen dürften.

Als zweiter Fahrer im RSR-Cockpit erlebt der 21jährige Moerser Ralf Kelleners seine internationale Tourenwagen Premiere. Nach hervorragenden Testfahrten im DTM-Ford Sierra RS 500 Cosworth hatte sich der Deutsche Formel Ford 2000-Meister von 1987 dringend für einen solchen Einsatz empfohlen.
Kelleners, als Eufra-Werksfahrer in der Deutschen Formel 3-Meisterschaft auf einem der vielzitierten »Tark-Aleko-Spiess« unterwegs, deutete beim zweiten Lauf zum Veedol-Langstreckenpokal 1989 seine ausgezeichnete Endurance-Tauglichkeit an.
Zusammen mit dem Journalisten Bernd Ostmann steuerte der Sohn des dreifachen Toruenwagen-Europameisters Helmut Kelleners einen Wolf-Sierra Cosworth Gruppe N und brillierte mit ordentlichen Zeiten.

Der ONS-Nachwuchsmann des Vorjahres freut sich besonders über den außerordentlichen Sportgeist von Micky Beilke, der sich spontan zu diesem exotischen Einsatz entschloss.
»Ich glaube, dass wir mit einer konstanten Leistung sehr gute Aussichten auf eine vordere Platzierung haben werden«, schätzt Ralf Kelleners die Situation richtig ein.
Von den im Vorjahr teuer eingekauften Gaststartern fehlt heuer in Finnland jede Spur, dafür treten rund 25 skandinavische Teams zur Vier-Stunden-Schlacht an.
Ein schwedischer Porsche 935 dp turbo dürfte hierbei herausragende Chancen haben: Per Boström/ Börje Skinnar/ Kurt Simonsen steuern das von Josef Zirkelbach 1989 neuaufgebaute, 680PS starke Exemplar, das in der Testphase auf fast jeder schwedischen Rennstrecke neue Rekorde aufstellte.
Für Kelleners/ Beilke udn Boström/ Skinnar/ Simonsen ist dies die erste Reihe beim KEMORA 500. Nächste Woche werden wir mehr wissen!