Das kleine Schwarze – ich besitze es bis heute: ein kleines, schwarzes Antibeschlagtuch mit kleinen, aufgedruckten Hubschraubern im Gelb des ADAC. Geschenkt hatte es mir ein Fotografenkollege an einem denkwürdigen Samstag bei der DTM auf dem Nürburgring. Mit mitleidiger Miene hatte er dabei zugesehen, wie ich verzweifelt versuchte, meine nagelneue Nikon df vor dem Eifelregen zu schützen. Es war erst das dritte Fotoshooting mit meiner Vollformat-SLR im Retro-Design der alten Nikon FM2 und mein erster Einsatz bei einem Rennen mit dem europaweit drittletzten Gehäuse dieser exklusiven Baureihe. Eigentlich hätte ich sie gleich in die Vitrine legen sollen, aber ich wollte ja unbedingt „meine“ Tourenwagen-Klassiker damit einfangen. Außerdem wusste ich nicht, ob Body und 2001 neu erworbene 300-Millimeter-Festbrennweite aus gleichem Hause überhaupt zueinander passen würden. Das galt es, unter Beweis zu stellen. Na ja – und einen Redaktionsauftrag hatte ich auch nicht, sieht man einmal von einem Kurzauftritt als Streckensprecher-Aushilfe in den frühen Morgenstunden ab. Kurzum: Die Nummer war für nix gut, und gerade deshalb musste sie sein. Aber gleich die ganze Kamera deswegen ruinieren? Das war auch kein guter Plan, und mit dem herannahenden Starterfeld in den Ohren schwante mir dies. Einfach einpacken, aus dem Nass flüchten, die Ausrüstung ins Trockene bringen? Nö, das war keine Option, die alte Begeisterung für den Rennsport, die war noch immer da! Der Kollege neben mir schien sich in mein Dilemma hineinversetzen zu können, er reichte mir das rettende Tuch und fügte noch ein „kannste behalten!“ hinzu. Ich war sprachlos, obwohl ich um 8.40 Uhr in der Frühe noch eben diese bunten Altwagen angesagt hatte. Ich bedankte mich artig und wandte mich begeistert dem zu, was ich mir seit der Saison 1980 selbst beigebracht hatte: Rennwagen knipsen. Ich war zweifach glücklich in diesem Moment, und blieb noch bis zum Porsche Carrera Cup. In den folgenden Jahren hatte ich nicht mehr die Gelegenheit, mit der Kamera am Streckenrand zu stehen und meine Begeisterung ins rechte Licht zu rücken. Filmen würde ich die alten Renner auch allzu gerne, vielleicht geht das ja bald (wieder).

Verantwortlich für den Inhalt: Carsten Krome Netzwerkeins