Wie groß ist Ihr Fernweh heute?
Ich habe da etwas für Sie: einen Auszug aus meinem Tourenbuch.

Einkehrschwung nach Westen: Der Riedbergpass eröffnet neue Perspektiven – um den Allgäuer Hauptkamm in den Bregenzerwald und weiter über den Hochtannbergpass ins Lechtal (92 Kilometer)

Hochkrumbach mit dem Großen Widderstein im österreichischen Bundesland Vorarlberg. © Carsten Krome Netzwerkeins

© Carsten Krome Netzwerkeins 06/2003

Wie ein Sperrriegel steht der Allgäuer Alpen-Hauptkamm hinter Oberstdorf am Horizont. Weit über 2.500 Meter ragen die Felstürme der Bergriesen in den Himmel auf. Der Heilbronner Weg verbindet sie miteinander. Dieser kühn angelegte, hochalpine Pfad – er wird im weiteren Verlauf dieses Tourenbuchs noch eine Rolle spielen – führt bis in die unmittelbare Nähe von Trettachspitze und Mädelegabel, den Wahrzeichen der Region. Beide Erhebungen mögen nicht die allerhöchsten sein – der Große Krottenkopf hat ein paar Höhenmeter mehr zu bieten. Dennoch sind sie so etwas wie zu Stein gewordene Diven: wunderschön, anziehend und abweisend zugleich. Wer auf ihren Gipfeln stehen will, muss ein konditions- und willensstarker Berggeher sein. Wem es wichtiger ist, ihre Aura mit gebotener Distanz zu erleben, kann sie ganz einfach mit dem eigenen (Sport-)Wagen umfahren – über eine geschwungene, an Kilometern nicht ausufernde Autostraße. Diese führt gleich hinter Sonthofen auf 1.420 Meter Meereshöhe. Bevor sich mit dem Riedbergpass ein Eldorado besonders leidensfähiger Radsportler eröffnet, geht es zunächst beschaulich zu. Nach zwei Kilometern ist der Ortsausgang Sonthofens erreicht, nach weiteren 5,5 Kilometern (oder insgesamt elf Minuten) führt der Weg durch die Gemeinde Fischen. Es ist eine liebliche Sommerfrische, mit ausreichendem Sicherheitsabstand grüßen Nebelhorn und „raues Horn“ – das Rubihorn.

© Carsten Krome Netzwerkeins 06/2003

Wirklich spannend wird es bei Kilometer 9,5 – dem Eintritt in die Beslerstraße. Kartographisch profan trägt sie die Bezeichnung „OA9“, und mit dem Schwenk in Richtung Westen beginnt allmählich der Anstieg auf die Passhöhe. Tief eingeschnitten verläuft das Tal, und es ist mehr als beeindruckend, den Radfahrern bei ihrer Pedal-Arbeit zuzusehen. Bei Kilometer elf beginnt das Kurven-Stakkato, das fünf Kilometer andauert und zuletzt auf 40 km/h Höchstgeschwindigkeit limitiert ist. Auf der Passhöhe öffnet sich zur rechten Hand ein kleines Freizeit-Zentrum mit Gastronomie, Lift, Kinderspielplatz und vielem mehr. Die Atmosphäre ist für eine Anlage dieser Größenordnung überraschend ruhig. Sie lädt zum Verweilen ein, auch wenn 16 Kilometer Gesamtstrecke überschaubar sind. Auch Sportwagen-Freunde sind hier oben anzutreffen. Manche treffen sich zum Gruppenbild unter freiem Himmel, andere legen auf ihrer (Tages-)Reise an den Bodensee eine Pause ein. Die sich nun anschließende Fortsetzung der Tour bietet bis zum Grenzübertritt nach Österreich bei Streckenkilometer 27 sportliche Akzente. Bergab geht es, hin und wieder auch schwungvoll ums Eck – fast wie beim Skifahren. Genießer erfreuen sich an einem Landschaftsbild, dem eine gewisse Harmlosigkeit nicht abzusprechen ist: grüne, wellige Matten säumen die Strecke, ein wenig wie im Bundesland Kärnten am Rande der Nockalmstraße. Dort ließ Ferry Porsche einst den Ernstfall proben, besonders ausgiebig in grimmigen Wintern auf der Turracher Höhe. Solches ist von der Allgäu-Route, die hinunter führt vom Riedbergpass bis in die Gemeinde Hittisau bei Kilometer 35 – der Chronograph zeigt 48 Minuten Fahrtzeit an – nicht überliefert.

Auf zum Tanz der tausend Kurven! Spannend wird es bei Kilometer 35, dem Ortsausgang von Hittisau, mit dem Eintritt in die Bundesstraße 205.

© Carsten Krome Netzwerkeins 06/2003

War die Route vom Riedbergpass bis hierher recht entspannt, so wird es nun anspruchsvoller. Mit der Einfahrt in die Bundesstraße 205, noch in Hittisau, reiht sich eine Kurvenfolge an die nächste. Es gilt eine strikte Geschwindigkeits-Begrenzung. Der weitere Reiseweg führt durch die Ortschaften Lingenau (Kilometer 39, 55 Minuten Fahrtzeit bis hierher), Gschwend und Egg (Kilometer 41, 57 Minuten Fahrzeit), bis nach 63 Kilometern (eine Stunde und 25 Minuten) der Schnepfauer Tunnel erreicht ist. Bis zum Zwischenziel, Au im Bregenzerwald, sind es noch fünf Kilometer. Die auf 800 Metern über dem Meer gelegene, vom Tourismus geprägte 1.703-Seelen-Gemeinde lädt zum Übernachtungsstopp ein. Die Hotellerie ist nicht nur auf Sport und Wellness ausgerichtet, zumal das Skigebiet zu Füßen des Diedamskopfes (2.090 Meter) in unmittelbarer Nähe liegt.

© Carsten Krome Netzwerkeins 06/2003

Wie viele andere Flecken im Allgäu oder hier, im österreichischen Bundesland Vorarlberg, bietet Au im Bregenzerwald die Vorzüge einer Ganzjahres-Destination. Sie heißt ihre Besucher im Sommer wie im Winter herzlich willkommen. Letzterer kann überdurchschnittlich schneereich sein, und ein Abstecher über die B193 ins nahegelegene Damüls (1.428 Meter) führt geradewegs hinein in den Skizirkus. Da wir jedoch unsere kleine Alpen-Durchquerung fortsetzen wollen, orientieren wir uns zunächst an der B193 in Richtung Lechtal. Nach 200 Metern erwarten uns die B200 und mit ihr neue Kurvenkombinationen. Schoppernau (Kilometer 72, 1.29 Stunden Fahrzeit) und Schröcken (Kilometer 82, 1.40 Stunden Fahrzeit ) laden unterwegs zur Rast ein. Andererseits sind es nur noch fünf Kilometer bis zum Hochtannbergpass. Diese streckenweise überbaute Hochgebirgsstraße führt bis auf 1.675 Meter Meereshöhe empor. Sie verbindet die Bregenzer Ach bei Schoppernau mit dem Lechtal bei Warth.

Hochkrumbach mit dem Großen Widderstein im österreichischen Bundesland Vorarlberg. © Carsten Krome Netzwerkeins

2019-Okt-16-Hochkrumbach-Lechtal-Widderstein-9640 © Carsten Krome Netzwerkeins 10/2019

Oben auf der Passhöhe beeindruckt der Ausblick auf den Großen Widderstein (2.533 Meter), den markanten Schlussberg des Kleinen Walsertals auf der Allgäuer Seite. Interessanterweise beginnt der Normalweg auf den Gipfel gleich hier oben, am urwüchsigen Hotel Adler kurz hinter dem Hochtannbergpass, und der Erstbesteiger soll ein Geistlicher der Gemeinde Schröcken im Jahr 1664 gewesen sein. Wie dem auch sei – wer die Atmosphäre einer hochalpinen Bergunterkunft liebt, kann zu Fuß in rund einer Stunde Gehzeit die Widdersteinhütte auf 2.009 Metern Meereshöhe erreichen. Diese Wanderung ist aufgrund der günstigen Ausgangshöhe auch zum Akklimatisieren geeignet. Die Höhenanpassung erfolgt zuvor auf der geschwungenen, nicht allzu langen Autostraße bis hinauf auf den Hochtannbergpass. Körper und Geist haben genügend Zeit, oben anzukommen. Auf der weitläufigen Hochebene sollte unbedingt eine längere Fahrtunterbrechung einkalkuliert werden, um das eindrucksvolle Landschaftsbild in all seiner Intensität aufzunehmen und die Steiganlage auf den Widderstein zu studieren. Wer ein Fernglas dabei hat, entdeckt vielleicht den einen oder anderen Alpinisten, der dem höchsten Punkt entgegenstrebt.

Ausfahrt aus der Hochtannbergpass-Galerie, Ankunft in Warth (1.495 Meter): Sie haben vielleicht noch nicht Ihr Tages-, aber zumindest Ihr Etappenziel erreicht!

Hochkrumbach mit dem Großen Widderstein im österreichischen Bundesland Vorarlberg. © Carsten Krome Netzwerkeins

2019-Okt-16-Hochkrumbach-Lechtal-Widderstein-9638 © Carsten Krome Netzwerkeins 10/2019

92 Kilometer Fahrstrecke ab Sonthofen und annähernd zwei Stunden reine Lenkzeit: Wer das Volant nun aus der Hand geben will – und sei es aus Rücksichtnahme auf die Begleitung auf dem Beifahrersitz – findet in Warth ein Refugium vor, in dem die Zeit stehengeblieben zu sein scheint. Daran ändern auch die neuen Hotelbauten vorwiegend holländischer Investoren nicht sehr viel. Wer mit der Weiterfahrt über Lechleiten nach Holzgau noch warten möchte, kann in Richtung Süden einen Ausflug nach Lech, Zürs und über den Flexenpass nach Sankt Anton unternehmen. Der Phantasie sind so gut wie keine Grenzen gesetzt. Und wer einen relevanten Gipfel am Heilbronner Weg erklimmen will, hat in Warth dazu ebenfalls Gelegenheit.

© Carsten Krome Netzwerkeins

Bis auf 2.599 Meter Meereshöhe führt der Biberkopfsteig, der unmittelbar hinter dem Gasthof Alpenrose (nur für alpin Geübte, drei Euro Parkgebühr) beginnt. Empfehlenswert ist die Einbindung der Rappenseehütte (2.091 Meter) in diese Tour. Die berühmte Alpenvereinshütte liegt im Südosten des Allgäuer Hauptkamms. Mit 304 Schlafplätzen ist sie die größte aller 327 Herbergen des Deutschen Alpenvereins (DAV). Sie ist die klassische Übernachtungsadresse all jener, die den Heilbronner Weg angehen. Und auch das Hohe Licht (2.651 Meter) ist von Warth aus über ein Hochalptal erreichbar. Zurück am Ausgangspunkt, rufen Holzgau im Lechtal und weiter unten das auf 1.101 Metern Meereshöhe gelegene Bergsteigernest Hinterhornbach mit dem Hochvogel (2.592 Meter), der aufgrund eines bevorstehenden Felssturzes in den Fokus geraten ist – dazu mehr im zweiten Teil unserer Allgäu-Schleife!

Verantwortlich für Text (© 2003) und Fotografie: Carsten Krome Netzwerkeins

© Carsten Krome Netzwerkeins 10/2019

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Aus der Alpin-Chronik – Sperrung des Bäumenheimer Weges am 25. September 2014

https://www.dav-donauwoerth.de/index.php/sperrung-baeumenheimer-weg

 

 

 

© Carsten Krome Netzwerkeins 08/2010

Mittwoch, 11. August 2010 – vor zehn Jahren: Heute ist der Tag! „Walk of Life“ durch den Sperrbachtobel zur Kemptner Hütte. Von Carsten Krome.

https://www.netzwerkeins.com/2010/08/11/mittwoch-11-august-2010-vor-zehn-jahren-heute-ist-der-tag-walk-of-life-durch-den-sperrbachtobel-zur-kemptner-huette-von-carsten-krome/

16. Oktober 2019, 18.30 Uhr, auf nine_eleven_boxerstories @Instagram: