2017-Aarhus-Classic-Race-Tourenwagen-Classics-Jan-Magnussen

© Carsten Krome Netzwerkeins

‘Spätere Teilnahme an den Tourenwagen Classics – nicht ausgeschlossen!’ Dieses Fazit zog der Einheimische Jan Magnussen beim Classic Race in den Straßen der dänischen Hafenstadt Aarhus. Der ehemalige Formel-1-Star feierte ein emotionales Wiedersehen mit seinem Einsatzfahrzeug aus der ITC 1996, einer weißen C-Klasse von Mercedes-Benz auf allerletztem Entwicklungsstand der Tourenwagen-Klasse 1.

Die Schlagzeilen:

16 Starter tragen mit ihren Tourenwagen-Klassikern zur einzigartigen Atmosphäre beim Stadtrennen auf dem 2,6 Kilometer langen Kurs in der dänischen Hafenstadt Aarhus bei.

Lokalmatador Kurt Thiim, Ex-DTM-Meister 1986, bricht mit dem 1992er Mercedes-Benz 190E 2.5-16 in die Phalanx der beiden Klasse 1-Daimler von Jörg Hatscher und Thorsten Stadler ein.

‘An diese Mercedes-Benz-C-Klasse erinnere ich mich ganz besonders gern!’ Ex-Formel-1-Star Jan Magnussen feiert emotionale Wiedervereinigung mit seinem 1996er-ITC-Einsatzfahrzeug.

Inzwischen gehört diese Preziose als eine von lediglich sieben gebauten zur Sammlung des Oldenburger Unternehmers und Rennfahrers Jörg Hatscher. Der Mercedes-Benz-Liebhaber ist der Fahrersprecher der Tourenwagen Classics, die 2017 in ihre zweite Saison geht. Zusammen mit seinem technischen Einsatzleiter Thorsten Stadler aus Hannoversch-Münden bildet Jörg Hatscher das Team Intax Motorsport. Das Duo nahm die Herausforderung an, den vor 21 Jahren aus dem Rennbetrieb genommenen Ex-Magnussen-Werkswagen inklusive der gesamten hochkomplexen Hydraulik-Systeme zu reaktivieren. Zu den Glanzlichtern des High-Tech-Rennsportwagens gehören die pneumatische Ventilsteuerung des Motors, die eine spontanere Gasannahme ermöglicht sowie ein hydraulisch ansteuerbares Fahrwerk. Wie gut das komplizierte Technologie-Paket und der Steuer-Mann im Cockpit bereits harmonieren, zeigte Jörg Hatscher mit der Trainingsbestzeit von 1:14,653 Minuten. Thorsten Stadler reihte sich mit der zweiten C-Klasse im Team Intax Motorsport – 1994 von Ellen Lohr gesteuert, 1995 von Uwe Alzen – an dritter Stelle ein. In diese Phalanz vermochte in den Qualifikationssitzungen allein der Däne Kurt Thiim einzubrechen. Der 58-jährige Einheimische aus Vojens saß in einem Replikat des 1992 von Jörg van Ommen gefahrenen Kärcher-Mercedes 190E 2.5-16, auch dieser Viertürer kommt aus dem Rennstall von Thorsten Stadler. Schnellster BMW-Pilot im schlussendlich 14 Wagen umfassenden Starterfeld: Titelverteidiger Armin Dellkamm auf dem 1988 erstmals in der DTM eingesetzten BMW M3 E30 von Hans Kalaschek.

Bevor das Rennen am frühen Sonntagnachmittag seinen Lauf nahm, schaute noch ein sichtlich beeindruckter Jan Magnussen bei seinem einstigen Einsatzfahrzeug vorbei. Angesichts des 1996er ITC-/Klasse 1-Mercedes-Benz, inzwischen von Jörg Hatscher präsentiert, berichtete der Däne: ‘Ja, dies ist tatsächlich mein originales Rohrrahmen-Chassis, mit dem ich vor 21 Jahren unterwegs gewesen bin – es war der erste Renntourenwagen in der Geschichte der DTM, respektive der ITC, der die 300-km/h-Marke auf dem Hockenheimring durchbrach.’ Auf ein mögliches Gastspiel mit seinem ehemaligen Dienstwagen angesprochen, antwortete Jan Magnussen spontan: ‘Durchaus möglich – nur bitte nicht auf dem Norisring, denn ich habe keine allzu guten Erinnerungen speziell an diese Strecke.’ Beflügelt von dieser Aussage, ergriff Jörg Hatscher, von der Pole-Position ausgehend, auch im Rennen die Initiative. Sofort setzte er sich von seinen Verfolgern ab. Kurt Thiim, zu seinen Zeiten als Mercedes-Werksfahrer ein Maestro des hochpräzisen Engtanzes vorbei an den Betonmauern, nahm an zweiter Stelle die Verfolgung auf. Gerade als er sich anschickte, in seiner alten Disziplin zu brillieren und den Abstand zu verkürzen, ließ er am Ende der achten Runde ausrollen. ‘Dansky’ kommentierte kurz und knapp: ‘Ich bekam aus heiterem Himmel starke Vibrationen – ehrlich gesagt, habe ich keine Ahnung, ob das Problem die Kardanwelle oder eine der Antriebswellen war. Der Motor – eine Vierzylinder-Version mit 325 PS – lief jedenfalls gut.’ So lag es an Thorsten Stadler im 1994er-Klasse-1-Mercedes sowie am Titelverteidiger Armin Dellkamm, im Duell um den zweiten Platz für gute Stimmung zu sorgen. Immer wieder gelang es Stadler, sich auf der Geraden etwas Luft zu verschaffen, in den Bremszonen kämpfte sich Dellkamm wieder heran. Aufgrund einer gebrochenen, neu montierten Wasserschlauchschelle fiel Thorsten Stadler aber weit zurück. Eine Aufholjagd vollführte Ralph Bahr, einer der drei Ausrichter der 2015 erst ins Leben gerufenen Tourenwagen Classics. Nach einem Kabelbruch im Zeittraining nahm der Wiesbadener das Rennen mit dem 1987er-BMW M3 E30 von Harald Grohs an zwölfter Stelle auf. Kontinuierlich orientierte er sich mit dem schwarzen Vogelsang-Dreier nach vorne – eine clevere Strategie, wie sich herausstellen sollte.

In Runde 25 hatte Armin Dellkamm eingangs der Start- und Zielgeraden mit dem Heck seines BMW M3 einen harten Mauerkontakt zu verzeichnen. Der Speditions-Unternehmer aus Regen entstieg seinem unfallbeschädigten Wagen unter dem Szenenapplaus des Publikums aus eigener Kraft. Einen Umlauf später erstellte die Rennleitung das Klassement. Das Rennen war auf 39 Minuten angesetzt, und es galt die einfache Regel: In Wertung kommt nur, wer die Zielflagge entgegennimmt. Keine zehn Meter vor der Zieldurchfahrt wurde dies Jörg Hatscher zum Verhängnis. In dessen Cockpit spielte sich ein Drama ab. Austretende Hydraulik-Flüssigkeit breitete sich im Fahrgastraum aus, Hatscher musste in Führung liegend aufgeben. So überquerte nach 26 Runden Ralph Bahr als Erster den Zielstrich, gefolgt von Jens Böhler, ebenfalls auf BMW M3 E30. An dritter Stelle notiert: die Gebrüder Schumann auf dem BMW 635 CSi Coupé. Die bildschön vorbereitete Gruppe-A-Ausführung der beiden Saarländer ließ Erinnerungen an den Vorläufer der DTM, die 1984 gegründete Deutsche Produktionswagen-Meisterschaft, aufkommen. Mit einem weiteren Sechser-Coupé setzte sich Volker Strycek 1984 als Titelgewinner der deutschen Tourenwagen-Bundesliga gekonnt in Szene. Strycek wird im weiteren Verlauf der Saison 2017 mit einem eigenen Opel Omega 24V in das Geschehen der Tourenwagen Classics eingreifen.

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© Carsten Krome Netzwerkeins

Fazit: Der Anfang war gemacht, und vier Wochen später setzte sich das sechs Renntermine umfassende Veranstaltungsprogramm der Tourenwagen Classics 2017 anlässlich der 90-Jahr-Feier des Nürburgrings fort.

words: Carsten Krome Netzwerkeins
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