Beim dritten Lauf der DTM Classic 2021 auf dem mit 3,628 Kilometern verkürzten Nürburgring trat 2.0 Automotive erstmals mit zwei klassischen Renntourenwagen der Marke BMW in Erscheinung. Professionelle Vorbereitung, Abstimmungs- und Teamarbeit zahlten sich aus. In einem nach Regenfällen unterbrochenen zweiten Durchgang kam mit Moritz Horn (24) der Debütant als Dritter der Gesamtwertung überraschend aufs Podium. Marc Hessel komplettierte als Viertplatzierter den erfolgreichen Auftritt der Mannschaft von der Grafenberger Allee im Herzen Düsseldorfs.

Die Schlagzeilen:

Fulminanter Einstand: Moritz Horn erreicht mit dem bildschönen Alpina-BMW M3 E30 Gruppe A überraschend den dritten Gesamtrang.

Zweifaches Erfolgserlebnis: Moritz Horn (23) und Marc Hessel als Tandem im Ziel – und als Sieger in gleich zwei Wertungsgruppen.

„Dä Schmal“ zeigt Muskeln: Umfassender Umbau von Fahrwerk und Rädern in nur zehn Tagen nach dem Rennen in Zolder zeigt Wirkung.

So liefen Freies Training und Qualifying:

Gesamtrang fünf im Freien Training am frühen Freitagmorgen um kurz nach neun: Damit hatte niemand im 21 (Touren-)Wagen umfassenden Feld der DTM Classic gerechnet, Moritz Horn selbst wahrscheinlich am wenigsten. Der erst 24 Jahre alte, ehemalige Kart-Rennfahrer startete zum ersten Mal im Rahmenprogramm der DTM 2021. Sein Einsatzgerät: der sporthistorisch wertvolle, in der DTM 1988 von Peter Oberndorfer gefahrene Alpina-BMW M3 E30 mit einem 2,3 Liter großen Vierzylinder-Saugmotor mit 310 PS. Im Wissen, dass bis zu 200 PS stärkere Boliden der Klasse 1 bei der Gala der Lieblingsrenner aus den achtziger und neunziger Jahren mitwirken würden, stand zunächst eine vorsichtige Standortbestimmung auf der Agenda – eigentlich. Doch Moritz Horn zeigte trotz unverkennbarer Leistungsdifferenzen sein Potenzial und etablierte sich hinter vier C-Klassen von Mercedes-Benz auf dem ersten Platz in der Klasse 3 für Gruppe-A-Tourenwagen der Baujahre bis 1988.

Sein Teamkollege Marc Hessel kam auf den siebten Gesamtrang, gleichzeitig führte er die Klasse 2 für modifizierte Tourenwagen an. In den zehn Tagen seit dem Rennen in Zolder erfuhr „Dä Schmal“, der BMW 320 iS aus dem (Entwicklungs-)Jahr 1988, einen umfassenden Umbau. Fahrwerk und Räder zeigten sich stark verändert, um dem DTM-Titelanwärter des Jahres 1987 ein Plus an Reifen-Auflagefläche bieten zu können. Freilich bestand im Vorfeld des Rennwochenendes auf dem Nürburgring keine Möglichkeit, weitere Fahr-Daten zu sammeln. Einmal mehr mussten Erfahrungswerte herangezogen werden, um zumindest eine Grundeinstellung vorzunehmen.

Auch im Qualifying am Samstagmorgen setzte sich der positive Trend fort. Am BMW 320 iS konnten in den fast 24 Stunden zwischen den beiden Sessions weitere Feineinstellungen vorgenommen werden. In 1,40.951 Minuten verbesserte sich Marc Hessel um fast zwei Sekunden. Mit dieser Leistung zementierte er den siebten Gesamtrang, gleichzeitig hielt er die Führung in der Klasse 2. Für Moritz Horn galt annähernd dasselbe. Er war immerhin vier Zehntelsekunden schneller unterwegs als tags zuvor und blieb an fünfter Gesamtposition. Im Sandwich der beiden BMW: ein Ford Sierra RS Cosworth mit Klaus Niedzwiedz, dem DTM-Vizemeister des Jahres 1989.

So lief das erste Rennen:

Am Samstagnachmittag starteten 20 Fahrer in den ersten Wertungslauf über 30 Minuten. Ein BMW-Pilot hatte nach dem Qualifying vorzeitig die Segel streichen müssen, das Feld dezimierte sich entsprechend. Moritz Horn konnte im Verlauf der 19 Rennrunden zumindest eine der vier C-Klassen von Mercedes-Benz passieren, auch der Ford rollte fünf Umläufe vor dem Fallen der Zielflagge mit technischem Defekt aus. Somit war der Weg frei zum vierten Gesamtplatz, der gleichzeitig den Sieg in Klasse 3 bedeutete. Nur von Guido Momm in dessen 1994er-C-Klasse vom Teamkollegen Moritz Horn getrennt, kam Marc Hessel auf den sechsten Gesamtrang – und ebenfalls zu einem Klassensieg. Der gebürtige Bonner, der heute in Hohenschäfflarn zuhause ist, dominierte das Geschehen in Klasse 2 und legte etwas mehr als zwölf Sekunden zwischen sich und seinen unmittelbaren Verfolger, den Niederländer Gerbert Luttikhuis im Mercedes-Benz 190 E 2.5-16.

Hilfe für die Flutopfer in der Eifel:

Nach dem Samstagsrennen kam es im Fahrerlager zu einer symbolischen Scheckübergabe. Dietmar Götzmann, Inhaber von BMW Ratzel, einem Premiumpartner von 2.0 Automotive, hatte zur Reproduktion des BMW 320 iS mit dem Beinamen „Dä Schmal“ angeregt – als Bobby Car, das in einer Kleinserie von 20 Exemplaren aufgelegt und versteigert werden konnte. Der Erlös kommt ausschließlich den Opfern der Flutkatastrophe in der Nürburgring-nahen Eifel zugute.

So lief das zweite Rennen:

Vor der Freigabe des zweiten Renndurchgangs am Sonntagnachmittag über 30 Minuten zogen immer mehr dunkle Regenwolken auf. Am Ende der fünften Runde öffnete der Eifelhimmel seine Schleusen und setzte den Kurs nachhaltig unter Wasser. Die Konsequenz: rote Flaggen und eine Rennunterbrechung im Verlauf des sechsten Umlaufs. Moritz Horn und Marc Hessel gehörten zu den Piloten, die unmittelbar hinter dem Safety Car auf der Start- und Zielgeraden einliefen und weitere Instruktionen abwarteten. Schließlich gab die Rennleitung bekannt, auch außerhalb der Boxen von Trocken- auf Regenreifen wechseln zu dürfen. Eine Weiterfahrt auf profillosen Slicks wäre unmöglich gewesen.

Nach dem Restart kam es zur Neuauflage des Mehrkampfes zwischen Klaus Niedzwiedz im Ford und den beiden BMW-Piloten, zu dem sich phasenweise auch ein Allrad-getriebener Audi V8 gesellte. Die Auseinandersetzung zwischen Marc Hessel und dem nachfolgenden Klaus Niedzwiedz führte Szenen herbei, die den Rennverlauf so entscheidend wie nachhaltig prägten. Zunächst musste der Ford-Pilot bei der Anfahrt der letzten Schikane vor Start und Ziel den Notausgang benutzen, um eine Kollision zu vermeiden. Das Ergebnis: fünf Sekunden Zeitstrafe seitens der Rennleitung. Im engen Klassement bedeutete dies nachträglich den Rückfall um eine Position. Die Schlüsselszene ereignete sich drei Minuten vor dem Ende der (Rutsch-)Partie, als Marc Hessel sich ausgangs der ersten Rechtskurve nach Start und Ziel drehte und dem hinter ihm herannahenden Klaus Niedzwiedz nur mit einer Rettungspirouette ausweichen konnte. Während es zwischen den beiden früheren DTM-Stars abermals zu keiner Berührung kam, war damit die Reihenfolge scheinbar manifestiert. Doch Marc Hessel konterte noch einmal, holte sich bis zur Zieldurchfahrt die Führung in der Klasse 2 und den vierten Rang in der Gesamtwertung zurück.

War das bereits eine Glanzleistung für ihn und sein Team 2.0 Automotive, so setzte Moritz Horn als Gesamtdritter und Sieger der Klasse 3 das absolute Highlight: Bei seinem Einstand in der DTM Classic erkämpfte sich der 24-Jährige mit der Unerschrockenheit eines Young Professionals auf Anhieb einen Podiumsrang. So unprätentiös, wie er auftritt, rechnete er gar nicht erst mit einer Beteiligung an der Siegerehrung. Er musste erst ausgerufen werden und eilte im Laufschritt herbei. Dort angekommen, teilte er sich das Podium mit dem dreifachen DTM-Champ Klaus Ludwig und Thorsten Stadler, beide auf C-Klassen der Marke Mercedes-Benz. Ludwig sagte später über den Shooting Star im Fahrerfeld: „Der Junge ist gut, der hat sein Auto im Griff und fährt am Limit – den muss man sich einmal genauer anschauen!“ Fazit: zweimal zwei Klassensiege, noch dazu ein Podiumsrang – ein tadelloser, in dieser Deutlichkeit dennoch unerwarteter Auftritt der professionellen Mannschaft aus der Landeshauptstadt Nordrhein-Westfalens. „Und das“, kommentierte Teamchef Sebastian Küppers (39) gerührt, „am fünften Geburtstag unserer Tochter, die mit meiner Frau Tanja das ganze Wochenende mit uns am Nürburgring verbracht hat und uns allen natürlich eine wichtige Stütze gewesen ist.“

Verantwortlich für den Inhalt: Carsten Krome, netzwerkeins GmbH

Fotografie: Farid Wagner, pitwall media, für die netzwerkeins GmbH

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