>>> KLAUS PETER ist Bäckermeister, Unternehmer, Kaffeeröster, Familienvater – und Rennfahrer aus Leidenschaft. Der Essener erinnert als einer von mehr als 40 eingeschriebenen Teilnehmern in der Saison 2026 und als ein langjähriger Unterstützer der TOURENWAGEN LEGENDEN nicht zuletzt beim Experience Day am BILSTER BERG an einen Zeitabschnitt der DTM, der 1992 nach einer Kontroverse um eine Kurbelwelle – die in ihrer Montageposition um 180 Grad gedreht war – geräuschvoll endete. Mit einem Audi V8 mit großem Achtzylindermotor unterwegs, ist ihm die hohe Sportpolitik weitaus weniger wichtig als der pure Fahrspaß im voluminösen Allradler aus Ingolstadt. Peters auffallend unprätentiöse Haltung eint ihn mit dem ebenso unpolitischen Ansatz der „Family and Friends – European Tour“. Und so lautet das Motto: Klaus und der Peter-Wagen, made in Essen – alles andere als kalter Kaffee. Wer gern mehr erfahren möchte über Ross, Reiter und Philosophie, hat im nachfolgenden Portrait die Gelegenheit dazu.
Angefangen hat alles mit einem VW Scirocco Gruppe 2 der ersten Serie. 1978 startete der legendäre Willi Bergmeister aus Langenfeld mit einem solchen Modell in der Tourenwagen-Europameisterschaft. Dem Essener Bäckermeister Klaus Peter verhalf derselbe Fahrzeugtyp 2011 zum Einstieg in den Motorsport. Den Fronttriebler baute er gemeinsam mit seinem Sohn Axel auf. Zunächst reizte ihn die Youngtimer Trophy – für den Selfmademan mit dem ausgeprägten Faible für Autos und Tempo ein unprätentiöser Ansatz. „Ich bin es eben gewohnt, die Dinge selbst in die Hand zu nehmen“, sagt der vierfache Familienvater über sich selbst. So war es auch mit dem zweiten geschäftlichen Standbein neben dem Betrieb eigener Bäckereien zuhause in der Ruhrgebiets-Metropole. Er begann damit, Kaffee zu rösten – in erster Linie, weil ihn die einschlägigen Lieferanten nicht zu überzeugen wussten. „Da haben wir es halt selbst gemacht“ – das Credo eines typischen Unternehmers.
Sein Sohn Axel ist offenbar aus demselben Holz geschnitzt. Schon mit 21 Jahren nahm er den Kfz-Meisterbrief entgegen. Für ihn war das der Schritt in die Selbstständigkeit, der er mit seiner eigenen Werkstatt in Essen seitdem nachgeht. Dort verwandelte sich auch ein 1990 für den Straßenverkehr zugelassener Audi V8 in einen Renntourenwagen – ein Tribut an die Herrlichkeit der DTM, der Deutschen Tourenwagen-Meisterschaft der Jahre 1990 bis 92. Der Ingolstädter Automobil-Hersteller ging damals mit bis zu vier Werkswagen in der Tourenwagen-Bundesliga an den Start. Mit Erfolg: Gleich im ersten Jahr sicherte sich Hans-Joachim „Strietzel“ Stuck den Titel, in der darauffolgenden Saison Frank Biela. Aus dem angestrebten Hattrick wurde allerdings nichts. Eine Kontroverse um die gedrehte Kurbelwelle im 4,2 Liter großen Achtzylinder-Saugmotor führte im Hochsommer der Saison 1992 zum Rückzug der in Rot und Silbergrau lackierten, viertürigen Limousinen.
Klaus Peter erwarb kein Originalfahrzeug aus jener Epoche, sondern baute sich seine Reproduktion zusammen mit Sohn Axel selbst auf – im Wissen, dass ein Entwicklungsprozess die Folge sein würde. „Wir konnten in kein altes Ersatzteilregal greifen, nicht aus dem Vollen schöpfen“, berichtet der Steuer-Mann im Cockpit. Und dennoch: Die Faszination auf großen Rennstrecken wie Zandvoort oder Spa-Francorchamps war größer als jedes Leiden – und der familiäre Zusammenhalt im Fahrerlager. 2019 stiegen die Peters in die damals neu geschaffene Rennsport-Serie Tourenwagen Legenden ein. Hier gefiel es ihnen, hier fühlten sie sich zuhause – hier stellten sie gern ihren selbst gerösteten Kaffee auf den Tisch. Die Perspektive für das kommende Sportjahr? Klaus Peter macht eine verblüffend einfache Rechnung auf, da ist er ganz Kaufmann: „Früher am VW Scirocco haben wir zehn Stunden geschraubt, um eine Stunde fahren zu können. Heute am Audi V8 schrauben wir 20 Stunden, um eine Stunde zu fahren. Ich würde mir wünschen, dass wir den alten Koeffizienten des Scirocco wieder erreichen würden – dann wäre ich sehr zufrieden.“
Und die großen, internationalen Rennstrecken, die in dieser Saison auf dem Programm stehen? „Ach ja“, sinniert Klaus Peter, „das ist schon etwas Besonderes.“ Und dann fügt er das hinzu, was für ihn das eigentlich Wichtige ist: „Ich möchte mit meinem Audi V8 auf dem Level fahren können, auf dem ein Mercedes-Benz 190E 2.5-16 aus der Klasse 2 unterwegs ist. Das ist für mich ein Maßstab – da will ich hin!“ Bleibt ihm zu wünschen, dass ihm der Peter-Wagen noch den einen oder anderen Entwicklungsschritt ermöglicht. Ein Blick in die DTM-Historie zeigt, dass Audi und Mercedes zur Urzeit – bis zum sportpolitischen Eklat – durchaus auf Augenhöhe kämpften …
Verantwortlich für den Inhalt: Carsten Krome, netzwerkeins GmbH
Bildquellen/-autoren: jeweils einzeln angegeben
Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an





