Legenden-Nacht: ein Festival der Sinne.

Auszug aus dem Geschichtsbuch: Am 10. September 2011 gestalteten 17 Boliden aus der nunmehr fast 50-jährigen Geschichte des Kölner Rennstalls Porsche Kremer Racing Cologne die erste „Nacht der Legenden“. Den Rahmen bot das ADAC-Eifelrennen um den Jan-Wellem-Pokal, das traditionell auf dem Nürburgring zur Austragung kommt.

Zwei Stunden vor dem Start versammelten sich unter den Augen des eigens angereisten Firmen-Mitbegründers Manfred Kremer eine große Zahl von Zuschauern, Fotografen und Journalisten vor dem Kremer-Teamzelt im Fahrerlager. Ein jeder wollte die Vorbereitungen, die tolle Akustik und Atmosphäre miterleben. 17 teilnehmende Fahrzeuge hatte man sich im Hause Porsche Kremer Racing Cologne zwar erhofft, aufgrund der kurzen Vorlaufzeit aber nicht unbedingt erwartet. Die Idee war immerhin erst im Juli 2011 geboren worden! Firmeninhaber Eberhard A. Baunach und sein Geschäftsführer, das Kremer-Urgestein Uwe-Michael Sauer, hatten ihre Kontakte spielen lassen, um Fahrer und deren Fahrzeuge zu aktivieren.

Um exakt 20.45 Uhr, inzwischen war es trotz des Vollmondes rabenschwarze Nacht geworden, stieg der 71-jährige Aachener Dieter Schornstein mit leuchtenden Augen in den 935er im Jägermeister-Orange. 1978 hatte der Stahlbau-Unternehmer zum Kremer-Kundenstamm gehört und auf einem privat im Werk erworbenen 935/77A sowohl die Marken-Weltmeisterschaft als auch die Deutsche Automobil-Rennsportmeisterschaft bestritten. Zur Einstimmung beteiligten sich Schornstein, Louis Krages und Josef Brambring mit dem 1977er Vaillant-Kremer-935 K2 an den 24 Stunden von Daytona. Mit dem zehnten Startplatz und dem fünften Schlussrang setzten sich die Amateure ausgezeichnet in Szene. Doch allein Dieter Schornstein ging als Überlebender dieses Trios hervor. Brambring und Krages verstarben früh, wenn auch außerhalb eines Rennwagens.

Der neu aufgebaute Vaillant-Kremer-935 K2 war ebenfalls zugegen, gesteuert von Dirk Lessmeister. Wolfgang Schrey mit seinem weißen 935 „K1“ machte die K-Palette nahezu komplett. Es fehlte lediglich der Gitterrohrrahmen-K4 aus dem Jahr 1981. Doch dieses absolute Highlight der wilden Gruppe-5-Ära wird zurzeit von Kremer Racing noch einmal ganz neu aufgebaut, um im kommenden Jahr das 50-jährige Jubiläum des erfolgreichen Privatrennstalls zu zelebrieren. Drei Carrera RSR von Henning Meyersrenken, Wolfgang Pohl und der Osnabrücker Motorsport-Familie Schrey erfüllten dank ihrer zusätzlichen Scheinwerfer eine ohnehin stimmungsvolle Eifelnacht mit Licht. Den Themenkomplex IROC, das steht für International Race of Champions, vertrat Alexander Trojan mit einem passenden Exemplar. Und obwohl sich Kremer Racing nicht am Carrera Cup beteiligte, gewährte Thomas Schmitz aus Telgte am Volant seines Pokal-964ers einen Ausblick in die neunziger Jahre.

Um den Brückenschlag in die Gegenwart zu vollenden, rollten die beiden aktuellen Langstrecken-Rennwagen des Hauses, der 997 GT3 Cup SP7 mit Kremer-Vertragspilot Wolfgang Kaufmann und der 2007er 997 GT3 Cup, im Feld mit. Letztere 400-PS-Version durfte Kremer-Praktikant Marcus Lawrenz ausführen, der üblicherweise mit Fahrzeugen der Marke MG im historischen Metier unterwegs ist. Ein liebevoll restaurierter 911 ST 2,5 von Uwe Kolb, ein von Kremer Racing für historische Rallies mit Zusatzscheinwerfern aufgebauter Carrera RS mit dem Nordschleifen-Spezialisten Michael Küke, ein 911 S aus dem Jahr 1971 und ein 964 RS mit furchtloser Copilotin rundeten das Schaulaufen der Legenden ab.

Die Akteure des „Tourenwagen-Revivals powered by Ring1.de“ gesellten sich noch hinzu. Diese Gruppe hatte witterungsbedingt nicht zu ihrem geplanten Demonstrationslauf am Vormittag antreten können. Firmeninhaber Eberhard A. Baunach war als Vollblut-Racer sofort bereit, den Piloten dieser sehenswerten und mit großem Enthusiasmus erhaltenen Schätze den Betrieb in der ihnen angemessenen Umgebung zu ermöglichen. Mit einer Grillparty im Teamzelt klang das Treffen erst lange nach Mitternacht aus. Auf das bevorstehende Jahr dürfen sich Freunde und Fans schon jetzt freuen: 50 Jahre Porsche Kremer Racing Cologne werden sicher wieder mit einer noch umfangreicheren Nacht der Legenden gewürdigt.

Text: Jan Christian Hennen
Fotos: Wolfgang Grube

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