Im Exklusiv-Interview mit Carsten Krome: Rennfahrer Marco Werner, dreimaliger Sieger der 24 Stunden von Le Mans, ist der Startgast der dritten Sequenz von Bilster Berg Cars 'n' Faces 2020.Marco Werner, geboren am 27. April 1966 in Dortmund, ist ein deutscher Automobilrennfahrer. Der heute 57-Jährige begann seine erfolgreiche Motorsportkarriere als Mechaniker von Klaus Niedzwiedz, ehe er ohne vorherige Kart-Erfahrung in den Formelsport aufstieg. 1989 beendete das Naturtalent die Formel Opel Lotus als Zweitplatzierter, 1991 die Deutsche Formel 3-Meisterschaft. 1992 sicherte er sich den Sieg beim prestigeträchtigen Formel-3-Rennen am Vortag des Großen Preises von Monaco. Nachdem der Absprung in die Formel 1 am fehlenden Einsatzbudget scheiterte, wechselte Marco Werner 1994 in den neu geschaffenen ADAC Super Touren Wagen (kurz: STW) Cup und startete mit dem Opel Astra MSD von Manfred Lauderbach. 1995 wechselte er in den Porsche Pirelli Supercup und gewann auf Anhieb das Auftaktrennen im italienischen Imola. Zuletzt setzte Marco Werner Glanzlichter in den Straßen von Monte Carlo mit dem John Player Special MK II von Chrome Cars by Britec Motorsports.

Seine größten Triumphe erreichte Marco Werner bei den Langstrecken-Klassikern. 1995 gewann er die 24 Stunden von Daytona ohne vorherige Testfahrten mit dem gelben Kremer-Porsche K8 Spyder. Auf dem Flugplatz Siegerland dominierte er im gleichem Jahr bei strömendem Regen das Rennen zur Interserie. Seit 2001 startete der Vielseitige für Joest Racing in der American Le Mans Series. 2002 feierte der Daytona-Sieger seinen Einstand bei den 24 Stunden von Le Mans auf Audi R8. Michael Krumm, Philipp Peter und er erreichten auf Anhieb den dritten Rang – die Ouvertüre zu mehr. 2005 gewann er das 24-Stunden-Rennen von Le Mans zum ersten Mal im Audi R8, 2006 folgte Triumph Nummer zwei mit dem Audi R10 mit TDI-Motor. 2007 wiederholte er diesen Erfolg in einem Audi R10 TDI – der dritte Erfolg in Serie, der zweite hintereinander mit Dieselantrieb.

Marco Werner lebt seit 2004 in Ermatingen am Bodensee. Nicht erst seit seiner Darbietung bei Le Mans Classic am 10. Juli 2016 mit dem Kremer-Porsche 936.005 des Jahrgangs 1982 ist der heutige Repräsentanz- und Referenzfahrer im historischen Automobil-Rennsport aktiv. Mit Chrome Cars by Britec Motorsports ist der einstige Auszubildende von Klaus Niedzwiedz eng verbunden. Und so war es eine logische Konsequenz, dass er sich im Auftrag des Teams aus Unna sowohl bei Classic Endurance Racing (CER) in Le Castellet als auch beim Goodwood Festival of Speed präsentieren würde. Der vierte Einsatztermin der Saison 2020, abgesehen von den Chrome-Cars-Trackdays in der Motorsport Arena Oschersleben und auf dem Hockenheimring, führte ihn an den BILSTER BERG | Driving Business.

Bei der vierten Sequenz des YouTube-TV-Magazins BILSTER BERG Cars ‘n‘ Faces 2020 stand Marco Werner mit Chrome Cars by Britec Motorsports im Mittelpunkt – und gemeinsam mit Kai Nieklauson sowie Technicus Mike Gensemeyer im Interview mit Carsten Krome Rede und Antwort. Erstmals war das von Marc Freye und dessen Autoquartett-Team mit großer Hingabe zum Detail eingefangene Geschehen nicht an einem Stück, sondern in vier aufeinander aufbauenden Kapiteln in einer Playlist veröffentlicht worden.

Neugierig geworden? Dann schauen Sie gerne noch einmal hinein – Sie sind herzlich eingeladen!

L’Endurance | World of Sportscar Racing: Playlist.

https://youtube.com/playlist?list=PL1Y3FkcXZw4eRz4b8tIr8CrnoFFnFEKZR

Bergischer Löwe Zolder, 01. – 03. April 1988:
Kommt ein Schwungrad geflogen
oder:
Die verhinderte Deutschland-Premiere

Acht Jahre nach der Auslieferung des Kremer-Porsche 935 K3/80 #000 00010 soll der inzwischen auf einem IMSA-Gitterrohrrahmen in den Vereinigten Staaten von Amerika aus den Überresten des Unfalls von Brainerd 1983 noch einmal neu aufgebaute Interscope-Porsche in sein Ursprungsland zurückkehren. Wolf Gregor, ein in München niedergelassener Fachanwalt für Steuerrecht, tritt bereits bei der Jahres-Siegerehrung der Spezial Tourenwagen Trophy (kurz: STT) 1987 in der Gaststätte Kämpgenshof in Mülheim/Ruhr als neuer Eigentümer in Erscheinung. Gregor ist zu dieser Zeit Kunde beim gebürtigen Österreicher Hans Kaleschek, der in Höhenkirchen bei München eine Rennsport- und Restaurationswerkstatt leitet. Für Gregor hat er dessen Porsche 911 Carrera RSR – ein ehemaliges „Samson“-Einsatzfahrzeug, das 1979 in den Besitz des Berliner Straßenbau-Unternehmers Peter Julian (Berliner Asphalt AG) übergeht – in einen Porsche 935 dp 2 umbaut. Die für den Designer Ekkehard „dp“ Zimmermann typische Flachschnauer-Karosserie und ein Doppellader-Motor anstelle des Dreiliter-Saugers sind die Besonderheiten dieses kuriosen Porsche. Mehr noch: Gregor lässt ein Fünfgang-Schaltgetriebe des Porsche-Tuners Alois Ruf installieren, das er in einem seiner Straßenautos kennen und schätzen gelernt hat. Die Drehmomentwerte seines Turbomotors passen so gerade eben zur nachträglich verbauten Schaltbox, und auf dem Salzburgring hat der Große Unbekannte am 23. August 1987 seinen Auftritt. Erstmals tritt Gregor, ein Hobby-Rennfahrer im Privaten Racing Clubs München (kurz: PRCM), bei der Spezial Tourenwagen Trophy an. Der große Favorit ist jedoch ein Einheimischer: Profi-Rennfahrer Franz Konrad aus Graz in der Steiermark, 36 Jahre alt und in Gütersloh zuhause, setzt für sich selbst einen weiteren Porsche 935 dp II ein. Doch während des Rennens folgt ihm Wolf Gregor wir ein Schatten, fällt mit hohem Speed auf. Wer ist der Überraschungsmann, woher kommt sein Auto? Viele im Fahrerlager fragen sich das. Doch bevor eine halbwegs stichhaltige Antwort in Umlauf kommt, hat der bereits das Auto gewechselt und ist vom dp-Porsche 935 Ii in einen „echten“ Porsche 935 umgestiegen. Das Preisniveau für eine ehemalige Gruppe-5- oder IMSA-Version liegt in den Jahren 1986 bis 1988 bei 150.000 bis 180.000 D-Mark, selten darüber. Während Gregor mir seiner Investitionsentscheidung richtig zu liegen scheint, begeht er anderer Stelle einen strategischen Fehler: Er lässt das von ihm bevorzugte Fünfgang-Ruf-Getriebe auch in den Kremer-Porsche 935 K3/80 #000 00010 einbauen. Mit der Urgewalt des Sechszylinder-Boxermotors mit seinen zwei Abgas-Turboladern ist die Schalteinheit überfordert. Das zeigt sich beim ersten Auftritt nach dem Re-Import zurück nach Deutschland. Am 2. April 1988, einem Samstag, sorgt Startnummer 7, noch ganz in Weiß gehalten, unfreiwillig für Kurzweil. Beim Bergischen Löwen steht auf dem belgischen Omloop Teilamen Zolder der Saisonstart der Spezial Tourenwagen Trophy 1988 auf dem Programm. Im Abschlusstraining beschleunigt Wolf Gregor auf der Gegengeraden in Richtung Fahrerlager-Schikane so hart durch, dass das Schwungrad abschert und bei voller Fahrt durch das doppelte Heckfenster – der K3 besitzt ein Hochdach – hinaus ins Freie katapultiert wird. Das Teil landet schließlich auf dem Bozendach, verletzt wird durch den Zwischenfall niemand. Noch vor dem ersten Rennen ist die Schwachstelle identifiziert. Zwar wird das Getriebe immer wieder instandbesetzt, ein Sieg ist so aber außer Reichweite. Dennoch zieht Gregor die Spezial Tourenwagen Trophy 1988 durch. Ein Viergang-Kopfstandgetriebe mit starrem Durchtrieb besitzt er nicht, und so muss er Hans Hornberger im Schnitzer-BMW M1 Turbo und vor allem Jürgen Feucht mit der Superbettes-Chevrolet Corvette ziehen lassen. Der Hesse sichert sich mit dem 6.600 cm³ großen Ex-Rennwagen von Mark Donohue nicht nur 1988 die Meisterschaft. 1989 verteidigt er den Titel erfolgreich. Wolf Gregor muss sich mit Podiumsplätzen begnügen, um keine weiteren Ausfälle zu riskieren. Trotzdem kann er beim Finale der Saison 1988 am 15. Oktober, einem Samstag, nicht starten. Unverrichteter Dinge bleibt der nach wie vor weißgrundige Porsche in der Box stehen. Seit der Alpentrophäe am 28. August 1988 auf dem Salzburgring – dem Jahrestag seines Eintritts in die Szene – stellt er ein neues Design vor. Es lehnt sich an den 1980 vom jungen IT-Unternehmer Steve Jobs bei den 24 Stunden von Le Mans in den Farben von Apple Computer „eingekleideten“ Porsche 935 Kit K3 #009 00030 des US-amerikanischen Rennstallbesitzers Dick Barbour an. Gregors Design-Zitat löst eine gewisse Konfusion aus. Fakt ist aber: Die Regenbogenfarben stehen mit seinem Chassis #000 00010 in keinerlei Verbindung.

1989 endet die Einsatzhistorie der #000 00010 in der Spezial Tourenwagen Trophy. Wolf Gregor mietet sich bei jenem Mann ein, den er 1987 auf dem Salzburgring nicht besiegen kann. Franz Konrad hat im Sommer 1988 einen zweiten Porsche 935 dp II aufgebaut und beim Kemora 500 Midnight Sun Race in Finnland zunächst mit Ex-Zehnkampf-Olympiasieger Bruce Jenner besetzt. 1989 vermarktet er die Fahrgelegenheit, Gregor erhält den Zuschlag. Im Mai 1989 spricht er am Rande der Spezial Tourenwagen Trophy auf dem Nürburgring den Moerser Journalisten Carsten Krome auf die Möglichkeit an, zumindest Komponenten für ein Kopfstandgetriebe anzukaufen. Aus dem Fundus des Krefelder Porsche-Privatfahrers können tatsächlich ein starrer Durchtrieb – eine Welle aus Titan – und weitere Einzelteile transferiert werden. Ein Renneinsatz mit der neuen Antriebseinheit kommt aber nicht zustande. Statt dessen präsentiert Franz Konrad seinen Porsche 935 dp II anlässlich der Essen Motorsport am 4. Dezember 1989 in den neuen Sponsorfarben des Fahrwerksunternehmens H&R für sich selbst. Er kündigt an, anstelle von Wolf Gregor in der Spezial Tourenwagen Trophy 1990 anzutreten, was er trotz seiner Verpflichtungen in der Gruppe C auch in die Tat umsetzt. Gregor hingegen zieht sich nach dem Ende der Saison 1989 – nach zwei Jahren im Porsche-Sport – zurück. Einen Comeback-Versuch startet er nie.

Bergischer Löwe Zolder, 01. – 03. April 1988
Zeittraining 1 Samstag, 02.04.1988 11.40 – 12.00 Uhr
Zeittraining 2 Samstag, 02.04.1988 14.50 – 15.10 Uhr
Rennen Sonntag, 03.04.1988 16.20 Uhr 12 Runden

Division I – über 2000 ccm
1 Jürgen Schorn, Leverkusen, Porsche DP 935, DP Motorsport
2 Hans Holnburger. Miesbach, BMW M1 Turbo, PRCM München
3 Hans Christian Jürgensen, Flensburg, BMW M1, Racingteam Jürgensen
4 Willy König, München, Porsche 935 K3 #009 003, Koenig Specials GmbH
5 Franz-Josef Prangemeier, Lippstadt, Porsche 935/2, Scuderia Teutonia
6 Hermann Behrens, Bremen, Becker-BMW 320 Turbo
7 Wolf Gregor, München, Porsche 935 K3/80 #000 00010, PRCM München
8 Jürgen Alzen, Betzdorf, Ford Capri Westlake V6
11 Kurt Distler, Strasslach, BMW Alpina B6, AC München
13 Jürgen Feucht, Neu Isenburg, Chevrolet Corvette, Autotechnik Supervettes GmbH
26 Günther Knippschild, Bad Arolsen, Opel Manta 400, MSC Arolsen
27 Klaus Dieter Maerker, Hamburg, Porsche 924 Carrera