„Das Leben hat mir keinen Spaß mehr gemacht. Deshalb habe ich das Recht, es zu beenden“. Mit diesen Worten leitete am 15. Dezember 1980 der IMSA-Starpilot Peter Holden Gregg (40) seinen Abschiedsbrief ein, der als der berühmteste eines Rennfahrers in die Geschichte einging. Gregg, der im Juni seines letzten Lebensjahres nach einem Verkehrsunfall in der Nähe von Paris auf den Start bei den 24 Stunden von Le Mans verzichtete, litt unter einer unheilbaren Nervenkrankheit. „Peter Perfect“, im Geschäftsleben Besitzer des Porsche-Händlers Brumos, konnte mit seinem schleichenden körperlichen Verfall nicht weiterleben. Im Süden der Stadt Jacksonville im US-Bundesstaat Florida, dem Brumos-Stammsitz, erschoss er sich. Sein Suizid am Strand, seine Siege als Rennfahrer, die roten und blauen Blockstreifen seiner Porsche, seine angestammte Startnummer 59 – das alles verklärte zu einem Mythos, der Jahrzehnt für Jahrzehnt wiederbelebt wird.

Im August 1965 übernahm der damals 25-jährige Peter Holden Gregg die Porsche-Vertretung Brumos, nachdem der Firmeninhaber und Namensgeber Hubert Brundage verstorben war. Zu dieser Zeit baute sich Gregg eine Reputation als Rennfahrer auf, die 1973 im ersten Sieg bei den 24 Stunden von Daytona auf Carrera RSR 2,8 gipfelte. Sein Mitfahrer war Hurley Haywood, der sich erst bei den 24 Stunden von Daytona 2010 vom aktiven Motorsport zurückzog. Peter Gregg fällte diese Entscheidung schon sehr viel früher – eigentlich. Nach dem ersten von insgesamt vier Daytona-Triumphen – er gewann 1973, 1975, 1976, und 1978 – bereitete er sich auf eine Laufbahn als Bankdirektor vor. Doch der Mann mit Militärkarriere und lupenreinem Image revidierte seinen Entschluss. Mit zwei nacheinander aufgebauten Carrera RSR 3,0 festigte sich sein Ruf des Unbezwingbaren. Mit dem Porsche 935 knüpfte er nahtlos an seine Erfolgsserie an. Obwohl in der US-amerikanischen IMSA-Serie bereits Doppellader-Aggregate zugelassen waren, setzte er 1979 auf einen Monoturbo-935 und einen Gewichtsvorteil, den ihm das Reglement zusprach. Mit acht Rennsiegen sicherte er sich und dem weißen Porsche den IMSA-Titel 1979. Immer dabei: die Startnummer 59, dazu ein roter und ein blauer Blockstreifen.

Seinen letzten Porsche 935, vom Brumos-Chefmechaniker Jack Atkinson in Jacksonville aufgebaut, steuerte er noch beim IMSA-Finale 1980. Dieses Fahrzeug ging später in den Besitz von Bruce Leven über und war bis 1984 im Einsatz. Nach Peter Greggs Selbstmord griff Fahrerkollege Hurley Haywood der Witwe Deborah Gregg in der Geschäftsführung von Brumos Porsche unter die Arme. In den neunziger Jahren kam es zum Verkauf des Unternehmens. Ab 1991 erfuhr die Brumos-Saga in der IMSA-Supercar-Series eine Wiederbelebung mit dem 911 (964) turbo und drei Meistertiteln in ununterbrochener Folge. Bei den 24 Stunden von Daytona 1994 griffen Hurley Haywood, Hans-Joachim Stuck und Walter Röhrl mit einem 911 (964) turbo Le Mans GT nach dem Gesamtsieg. Ihrem achten Trainingsrang folgte der Ausfall aufgrund eines technischen Defekts. 2003 ergab sich der zweite Versuch: In den Traditionsfarben Weiß, Rot und Blau gingen zwei Brumos-Porsche bei den neu ins Leben gerufenen „Daytona Prototypes“ an den Start. Erst 2009 brach der Bann mit dem ersehnten Triumph bei den 24 Stunden von Daytona, 2010 legte das inoffizielle Partnerteam Action Express Racing noch einmal nach.

Verantwortlich für den Inhalt: Carsten Krome Netzwerkeins

In eigener Sache: Wir hatten in der Vorschau unserer werk1-Sommerausgabe 2020 auf eine Titelstory in der nachfolgenden Winter-Edition hingewiesen, in der es um ein „Tribute Car“ in den Farben der legendären Brumos-Porsche gehen sollte.

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