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Kings of Cool

„Komm doch mit auf den Underberg“: eine Zeitreise ins Jahr 1977 – erdacht von Johannes, einem Studierenden in seinen Zwanzigern.

Nach dem Start einer erfolgreichen TV-Kampagne im Jahr 1977 ging der Song „Komm doch mit auf den Underberg“ als ein weithin beliebter Jingle in die Geschichte der Fernsehwerbung ein. Underberg – ein Magenbitter einerseits, andererseits auch ein ganz besonderer Grünton. Der zierte die Lastkraftwagen der Semper idem Underberg AG zu jener Zeit – niemals jedoch einen Porsche, schon gar nicht das Coupé-Gehäuse eines just zu dieser Zeit produzierten 911 2.7 mit 165 PS ab Werk. Ein junger Student, gerade erst in seinen Zwanzigern, fügte all diese Zusammenhänge in einem Bauplan eines einzigartigen Porsche 911 zusammen. Die Umsetzung überließ er einem Spezialisten, der nicht allzu weit entfernt vom Underberg-Stammhaus in Rheinberg am linken Niederrhein praktiziert. Thomas Iking ist mit seinem Partner Barny Milic zwar auf der gegenüberliegenden Rheinseite in Stadtlohn beheimatet. Als ein ehemaliger Student der Sozialwissenschaften erwies er sich jedoch als der genau richtige Sparringspartner. Das Ergebnis: ein Kräuterbitter-grüner Renner mit gelb lackierten Hauptscheinwerfern, der mit dem deutsch-schweizerischen Unternehmen rein gar nichts zu tun hat – und der gerade deshalb so authentisch auftritt, als sei er einem inzwischen 43 Jahre alten TV-Clip entsprungen. Carsten Krome sah sich auf einer stillgelegten Industriefläche – einem künftigen Eventgelände? — am Stadtrand von Stadtlohn mit der Kamera um.

Thomas Iking erinnert sich noch genau – dass er sich nicht mehr so ganz genau erinnert. Wie bitte?! Der ehemalige Student der Sozialwissenschaften hat sich im mattgrünen Gras einer Industriebrache am Stadtrand von Stadtlohn niedergelassen. Mit dem Halm einer wild wuchernden Pflanze zwischen den Zähnen blickt er auf einen schmal gehaltenen Porsche, der wie eine Hommage an den legendären 911 R anmutet. Alles an diesem umfassend umgebauten 2,7-Liter-Coupé des Jahrgangs 1977 sieht effizient und leichtfüßig aus: ein Rennwagen in Zivil, ein Livestyle-Produkt der Instagram-Generation? „Keins von beidem so richtig!“, zerstreut Thomas Iking jedes Gedankenspiel, „das ist auf das Konzept eines Studenten in seinen Zwanzigern zurückzuführen, der irgendwann einmal in meiner Ausstellung stand. Ein Jahr später, ich konnte mich schon gar nicht mehr richtig an ihn erinnern, stand er wieder da. Nun bestand er darauf, dass wir seine Idee in Tat umsetzen und sein Auto bauen sollten. Dabei wurde er außerordentlich konkret, was ich ihm auch so zurückmeldete. Ja, und nun steht sein Konzept da – auf Fuchs-Felgen in 7J und 8J x 15!”

Die weiteren Eckpunkte umriss der kreative Student in Stichworten:

Dreiliter-Saugmotor anstelle des ursprünglichen 2.7-Liter-Aggregats mit 165 PS

hintere Dreiecksfenster im Stil des 911 R aus Makrolon® mit Entlüftungsöffnungen

zwei Heckscheiben-Sicherungsstreifen aus gelochten Metallbändern in Schwarz

gelasertes Kühlluft-Lichtgitter im Heckdeckel mit großen Entlüftungsöffnungen

Recaro-Profilschalensitze Typ „Pole Position”, Sitzmittelbahnen in “Pepita”-Optik

tief geschüsseltes Momo-Rennsport-Volant mit drei gelochten Lenkradspeichen

schwarze Schroth-Racing-Vierpunktgurte, Abnäher und Markenzeichen in Gelb

Überrollbügel in Clubsport-Version aus schwarz lackiertem Stahlrohr-Material

Verzicht auf ein Radiogerät im spartanisch eingerichteten Fahrzeug-Innenraum

Bilstein-Stoßdämpfer Typ „sportliche Straße” mit Original-Drehstab-Federung

Die geeignete Basis fand sich in den benachbarten Niederlanden: ein unfallfreies Porsche 911 2.7 Coupé mit verblichenem Originallack und unversehrten Messpunkten. Nichts war im Laufe der Zeit umgemodelt worden, nichts musste nachgerichtet werden. Der alte Farbauftrag ließ sich in einem materialschonenden Verfahren abtragen, ohne die Grundierung dabei zu beschädigen. Außer dem Nachrichten kleinerer Beulen verblieb das Gehäuse weitgehend im Ursprungszustand. Der Backdate-Umbau verwirklichte eine Optik-Anmutung ähnlich der des Porsche 911 R. Die neue Lackierung auf alter Grundierung entspricht den Lieferwagen der Semper idem Underberg AG, abgesetzt durch das Gelb der Hauptscheinwerfer, deren Streuscheiben von innen lackiert worden sind. Das Resultat wirkt tatsächlich so, als sei der Porsche einem Werbefilm seines Geburtsjahres 1977 entsprungen. Damals flimmerte der Jingle „Komm doch mit auf den Underberg“ zum ersten Mal über Deutschlands Mattscheiben. Die Beteiligten versichern indes standhaft, rein gar nichts mit dem linksrheinischen Unternehmen zu tun gehabt zu haben. Vielmehr ist hier ein intelligenter Kontrastpunkt zum vielfach gesehenen Verweis auf eine italienische Vermouth-Marke gesetzt worden. Zudem erinnert die bewusst schmal gehaltene Karosserie mit ihren hinteren Dreiecksfenstern aus Makrolon® und den Entlüftungsöffnungen an die puristische Herrlichkeit des Porsche 911 R des Jahrgangs 1967. In Verbindung mit einem auf immerhin 282 PS getrimmten Dreiliter-Motor ergibt sich ein Konzept, dass vor allem geradeaus richtig viel Freude bereitet – so wie 2017 der 911 R auf 991-Basis. Johannes, so heißt der Konzeptionist der Magenbitter-grünen Kreation übrigens, ersann noch weitere Details: so zum Beispiel zwei Heckscheiben-Sicherungsstreifen aus gelochten Metallbändern in Mattschwarz oder ein gelasertes Kühlluft-Lichtgitter im Heckdeckel mit großen Entlüftungsöffnungen.

Letzteres gibt den Blick frei auf ein nicht nur hörenswertes, sondern in gleichem Maße auch sehenswertes Aggregat. Der Sechszylinder-Boxer mit Gebläse-Luftkühlung ist nach allen Regeln der Kunst zum Sportmotor aufgebaut worden. Szene-Schrauber Matthias Höing, Wicked Sixes, Hansestadt Hamburg, übernahm die mechanische Bearbeitung der Zylinderköpfe. Die Ventilsitze der thermisch belasteten Auslassseite bestehen aus dem stahlgrauen High-Tech-Leichtmetall Beryllium, die Ölpumpe des Typs 964 erweitert die Förderkapazität, der US-amerikanische Kolbensatz erhöht die Verdichtung – und der Schleicher-RSR-Nockenwellensatz erhöht den Nockenhub. Die Gemischaufbereitung erfolgt über eine vollelektronisch programmierbare Zündverteilung, eine doppelte HKZ sowie 46er PMO-Vergaser. Das Ensemble vermag vielleicht nicht zu 300 km/h Endgeschwindigkeit beflügeln, ein entsprechender Tachometer ist dennoch verbaut worden. Überhaupt geht es im Innenraum betont spartanisch zu, aber auch geschmackvoll. Da und dort finden sich Intarsien, die das mit grünem Faden eingefärbte „Pepita”-Muster der Sitzmittelbahnen aufgreifen. Die übrige Ausstattung, in unseren tech-data im Detail nachzulesen, laden zu regelmäßigen Ausflügen an oder über die Nürburgring-Nordschleife ein. Johannes trifft sich dort gern mit Freunden und Gleichgesinnten – aber auch mit Gisela?! Nicht in Erfahrung zu bringen war oder ist, wie es zum gleichnamigen Schriftzug am unteren Rand des Heckfensters gekommen ist. Man/frau muss aber auch nicht immer alles wissen, oder?! Fest steht, dass dieser Porsche mehr als geeignet wäre für ein modernes Remake eines alten Werbefilms: „Komm doch mit auf den Underberg“ – da möchte man einfach mitsingen!

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Verantwortlich für den Inhalt, Fotografie: Carsten Krome Netzwerkeins

tech data – die technische Dokumentation in allen relevanten Details

Fahrzeugtyp: Porsche 911 2.7 Coupé (165 PS), Aufbau durch Münsterland Classic Cars zur Hommage an den 911 R

Basisfahrzeug: am 1.7.1977 in die Vereinigten Staaten ausgeliefert; Ankauf in den Niederlanden als unfallfreies Original-Exemplar mit verblichenem Original-Lack

Aufbau der Karosserie: Original-Lackierung in einem schonenden Verfahren abgetragen, ohne dabei die Original-Grundierung zu beschädigen; Backdate auf frühe F-Modell-Optik; Lackaufbau in historischem „Underberg-Grün”; Streuscheiben der Hauptscheinwerfer an der Innenseite in Gelb lackiert; Tagfahrlicht; LED-Blinker; Haubensicherungen vorn; hintere Dreiecksfenster aus Makrolon® mit Entlüftungsöffnungen; Verglasung aus Standard-Grünglas in US-Ausführung; zwei Heckscheiben-Sicherungsstreifen aus gelochten Metallbändern in Mattschwarz; in Laser-Technologie hergestelltes Kühlluft-Lichtgitter im Heckdeckel mit großen Entlüftungsöffnungen

Motor (Basis): Sechszylinder-Boxer mit Gebläse-Luftkühlung Typ 911 SC 3.0; Kurbelgehäuse mit Ölsieb und -deckel

Aufbau des Motors: mechanische Bearbeitung der Zylinderköpfe durch Matthias Höing, Wicked Sixes, Hamburg; Ventilsitze der Auslassseite aus Beryllium; Ölpumpe aus dem Typ 964 zur Erweiterung der Förderkapazität; Original-Pleuel und Kurbelwelle; US-amerikanischer Kolbensatz für höhere Verdichtung; Schleicher-RSR-Nockenwellensatz

Gemischaufbereitung: vollelektronisch programmierbare Zündverteilung; doppelte HKZ; 46er PMO-Vergaser

Abgasanlage: Fächerkrümmer-Satz; Eisenmann-Endschalldämpfer Typ Carrera RSR

Motorleistung: 282 PS bei 3.0 Litern Hubraum

maximales Drehmoment: 324 Newtonmeter

Kraftübertragung: generalüberholtes Fünfgang-Schaltgetriebe Typ 915; Differenzial neu eingemessen; alle Zähne getauscht; verstärkter Differenzial-Seitendeckel; Konfiguration für den sportlichen Straßenbetrieb ohne externe Kühlung

Bremsanlage: Grauguss-Festsattelgehäuse Typ Carrera 3.2 mit EBC-Reibbelägen

Radaufhängungen: Bilstein-Stoßdämpfer Typ sportliche Straße; Drehfederstäbe

Räder und Reifen: Fuchs in 7J und 8J x 15 in Seidenmattschwarz mit Dunlop „Sport Classic”

Tankvolumen: 110 Liter; zentrale Befüllung durch die Fronthaube

Instrumente: Tachometer bis 300 km/h; Drehzahlmesser bis 10.000/min.

Interieur: um 5 cm verlängerter Schalthebel mit Schichtholz-Schaltknauf in 917-Optik; tief geschüsseltes Momo-Rennsport-Volant mit drei gelochten Lenkradspeichen; Armaturenbrett und Knieleiste zur Vermeidung störender Lichtreflektionen mit mattschwarzem Stoff bezogen; Recaro-Profilschalensitze, Sitzmittelbahnen in „Pepita”-Optik mit grünem Faden passend zur Wagen-Außenfarbe; schwarze Schroth-„Racing”-Vierpunktgurte, Abnäher und Markenzeichen in Gelb; Leichtbau-Türinnenverkleidungen mit Zugschlaufen; Verzicht auf ein Radio; Überrollbügel in Clubsport-Version aus schwarz lackiertem Stahlrohr-Material

Fahrzeuggewicht: 1.088 Kilogramm bei halbleerem Tank

Projektdauer: 10 Monate

Hersteller: Münsterland Classic Cars, Thomas Iking & Barny Milic, Gustav-Adolf-Straße 15-17, D-48703 Stadtlohn

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