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© Historisches Archiv Porsche AG

Heute vor 20 Jahren, am 16. März 2001: Robert „Bob“ Wollek, einer der erfolgreichsten und zuverlässigsten Porsche-Rennfahrer, starb am frühen Freitagabend im Alter von 57 Jahren auf dem Highway 98 bei Sebring (Florida/USA) – auf einer Trainingsrunde mit dem Rennrad. Er wurde – nur wenige Kilometer von der Rennstrecke entfernt – von einem Kleinbus erfasst. Der Aufprall war so stark, dass Bob Wollek noch auf dem Weg ins Krankenhaus seinen schweren Kopfverletzungen erlag. Der Elsässer wollte mit einem Porsche 911 GT3 RS (Generation 996) des Petersen-Teams zum insgesamt zwölften Mal beim traditionsreichen Zwölf-Stunden-Rennen von Sebring starten. Nach dem Ende des offiziellen Trainings am Freitag verabschiedete er sich bei seinem Team, um noch eine Radtour zu unternehmen, die im Hotel enden sollte. Nach Augenzeugenberichten und Angaben der örtlichen Polizei fuhr Bob Wollek mit seinem Rennrad am rechten Fahrbahnrand, als er von einem Van-Fahrer überholt wurde. Möglicherweise geriet er durch den entstandenen Sog etwas nach links auf die Fahrbahn. Ein nachfolgender, bereits 82-jähriger Campingbus-Fahrer konnte nicht mehr rechtzeitig ausweichen und prallte gegen Bob Wollek.

In Absprache mit den Verantwortlichen von Porsche Motorsport entschied das Petersen-Team, nicht am Zwölf-Stunden-Rennen von Sebring 2001 teilzunehmen. Den übrigen Teams empfahl Porsche-Sportchef Herbert Ampferer einen Rennstart. „Bob hätte es sicherlich gewollt, dass unsere Autos hier fahren“, begründete Alwin Springer, der Leiter von Porsche Motorsport USA, die Teilnahme. Die Porsche-Piloten trugen einen Trauerflor für ihren langjährigen Kollegen. Das Rennen endete mit einem Doppelsieg in der GT-Klasse für die Werksfahrer Lucas Luhr/Sascha Maassen/Emmanuel Collard sowie Christian Menzel/Timo Bernhard/Randy Pobst in den beiden 911 GT3 RS des privaten Alex-Job-Teams vor dem Werks-BMW M3 von Jörg Müller/J.J. Lehto.

Bob Wollek wurde am 4. November 1943 in Straßburg geboren. Er hinterließ Ehefrau Michelle. Mit ihr lebte er auf einem über 200 Jahre alten Bauernhof in Berstett bei Straßburg. Das Jahr 2001 war Wolleks letzte Saison als aktiver Rennfahrer und Porsche-Werkspilot. Anschließend sollte er Aufgaben im Porsche-Motorsport-Management übernehmen. Der Franzose zählte zu den besten Langstrecken-Piloten der Welt. Er begann seine Sportler-Karriere 1966 als Ski-Rennläufer in der Nationalmannschaft und gehörte in die Gruppe der berühmten Franzosen um Jean-Claude Killy. Nach dem Titel als Weltmeister der Studenten 1966 drängte es ihn ein Jahr später in den Motorsport. Er beteiligte sich an einem Fahrerlehrgang, den er gewann, und begann 1967, Rallyes auf Renault 8 Gordini zu fahren. Gleich bei seinem ersten Start, der Mont-Blanc-Rallye, siegte Wollek. Schnell stieg er in den Formel-2-Rennstall von Ron Dennis (1971 bis 1973) auf, um sich anschließend auf den GT- und Prototypen-Sport mit Porsche-Rennsportwagen zu konzentrieren.

Ab 1974 avancierte er zum Porsche-Spezialisten und gewann seit 1976 siebenmal den begehrten Porsche-Cup. Als Werks- und Privatfahrer sicherte er sich vier Gesamtsiege bei den 24 Stunden von Daytona (USA) auf Porsche 935 (1983) und 962 (1985, 1989, 1991). Er schaffte den Gesamtsieg und einen Klassensieg in Sebring. 1982 sicherte sich Bob Wollek mit dem Joest-Porsche 936.004 erstmals die Deutsche Automobil-Rennsportmeisterschaft. 1983 verteidigte er den Titel auf Joest-Porsche 956-104 und gewann gleichzeitig die Langstrecken-Europameisterschaft. 1984 folgte die Abberufung ins Lancia-Werksteam. 1986 kehrte Wollek zu Porsche zurück. Im Rothmans-962C ersetzte er Jacky Ickx, der seinen Rücktritt erklärte. Lediglich bei seinem Heimrennen, den 24 Stunden von Le Mans, blieb ihm ein Sieg verwehrt. Stets ein ruhiger Charakter, unternahm er 30 zum Teil leidenschaftliche Anläufe, um an der Sarthe doch noch zu gewinnen.

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Archivbilder: Carsten Krome Netzwerkeins (mit einer gekennzeichneten Ausnahme)

Anfragen: netzwerkeins@web.de

Bob Wollek

4. November 1943 – 16. März 2001

Geburtsort: Straßburg

Familienstand: verheiratet mit Michelle

Seit 1976 siebenfacher Gewinner des Porsche-Cups

1982 1. Platz Deutsche Automobil-Rennsportmeisterschaft (Joest-Porsche 936.004)

1983 1. Platz Deutsche Automobil-Rennsportmeisterschaft

1. Platz Langstrecken-Europameisterschaft (Joest-Porsche 956-104)

1. Platz beim 24-Stunden-Rennen Daytona (935L)

1985 1. Platz beim 24-Stunden-Rennen Daytona (962)

1989 1. Platz beim 24-Stunden-Rennen Daytona (962)

1. Platz SAT1-Supercup Deutschland (962)

1991 1. Platz beim 24-Stunden-Rennen Daytona (962)

1995 2. Platz beim 24-Stunden-Rennen Le Mans (Courage-Porsche)

1996 3. Platz beim 24-Stunden-Rennen Le Mans (911 GT1)

1998 2. Platz beim 24-Stunden-Rennen Le Mans (911 GT1/98)

1999 1. Platz (GT3) beim 24-Stunden-Rennen Le Mans (911 GT3R)

2000 5 GT-Klassensiege in der American Le Mans Series (911 GT3R)