Der Butzbacher Ford-Händler Bernd Ringshausen, am 27. November 2014 im Alter von 72 Jahren verstorben, gehörte 1984 zu den Gründervätern der Deutschen Produktionswagen-Meisterschaft. Mit einem Ford Mustang GT 5.0, vom Moerser Flugkapitän Manfred Trint gefahren, belegte der Rennstallbesitzer aus dem hessischen Wetteraukreis auf Anhieb den sechsten Platz im Klassement des DTM-Vorläufers. Im Sommer 1985 feierte der Ford Sierra, zunächst als dreitürige Ausführung mit der Zusatzbezeichnung XR4 ti, als Sieger des Flugplatzrennens Diepholz seinen Einstand. Das neue Modell brachte mit Klaus Ludwig den ersten Vollprofi-Rennfahrer ins Haus. Ihm folgte 1986 der junge Mainzer Manuel Reuter, der ein Jahr später die Vizemeisterschaft in der DTM erreichte. Inzwischen als Ford-Werksteam etabliert und im Sommer 1987 auf den Ford Sierra RS Cosworth umgestiegen, ließ Ringshausen sechs weitere Siege, acht Pole-Positions und sieben schnellste Rennrunden notieren.

26. April 1987, ADAC-Eifelrennen Nürburgring: DTM-Vizemeister Manuel Reuter im Ringshausen-Ford Sierra XR4 ti vor Frank Biela und Auftaktsieger Harald Grohs © Carsten Krome Netzwerkeins 1987

26. April 1987, ADAC-Eifelrennen Nürburgring: DTM-Vizemeister Manuel Reuter im Ringshausen-Ford Sierra XR4 ti vor Frank Biela und Auftaktsieger Harald Grohs © Carsten Krome Netzwerkeins 1987

Erst der DTM-Ausstieg der Ford-Werke nach der Saison 1989 besiegelte den Abschied von Ford Ringshausen Motorsport aus der Deutschen Tourenwagen-Meisterschaft. Nach einem Ausflug in den ADAC-GT-Cup mit dem Ford Escort Cosworth 1993 zog sich das Händlerteam endgültig aus dem Renngeschäft zurück. Heute erinnert eine Traditions-Mannschaft an glanzvolle Zeiten. Bernd Ringshausens Sohn Kai steht hinter diesem Auftritt. Er führt das Ford-Autohaus Ringshausen am Standort Butzbach weiter. Am Wochenende gastierte das Team Ringshausen Motorsport Revival bei der DTM Classic auf dem Lausitzring – mit Klaus Niedzwiedz, Freund der Familie seit 1988, als Rennfahrer. Freud‘ und Leid lagen fern der Heimat allzu dicht beieinander. 

Klaus Niedzwiedz auf Ford Sierra RS Cosworth: Diese Kombination begeistert auch 32 Jahre nach dem Ausstieg der Ford-Werke aus der Deutschen Tourenwagen-Meisterschaft noch immer viele Freunde und Fans der Kölner Automarke. Das weiß Kai Ringshausen, der in Butzbach das Ford-Autohaus seines vor bald sieben Jahren verstorbenen Vaters Bernd Ringshausen weiterführt, nur zu gut. Zur Familiengeschichte gehört auch ein Kapitel, das zu bundesweiter, wenn nicht zu internationaler Bekanntheit führte. Bis 1993 betrieb Ringshausen einen eigenen Rennstall, der bis zum Ausstieg der Ford-Werke aus der Deutschen Tourenwagen-Meisterschaft Ende 1989 ein Werksteam der Kölner Automarke war und bis 1993 weiter existierte. Namhafte Berufsrennfahrer wie Klaus Niedzwiedz, Manuel Reuter oder Bernd Schneider gingen für das Händlerteam aus dem hessischen Wetteraukreis an den Start. Daran erinnert bereits seit zwei Jahren Ringshausen Motorsport Revival, eine Rennen fahrende Traditions-Mannschaft. Neben Bernd Ringshausens Sohn Kai und dessen 23-jährigem Filius Simon Ringshausen, der im Ford-Betrieb als Mechatroniker tätig ist, wirkt Volker Schneider als einer der Hauptakteure – und das aus gutem Grund. 1985 erwarb der damals 22-jährige Schneider einen zuvor von Ringshausen eingesetzten Ford Mustang GT 5.0, der nach einem Motorschaden mangels finanzieller Mittel erst einmal nicht repariert und weiter eingesetzt werden konnte. Die enge Verbundenheit von Kai Ringshausen und Volker Schneider führt inzwischen zu einer Reminiszenz an den abschließenden Auftritt mit dem Ford Sierra RS Cosworth vor 30 Jahren. Beim 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring 1991 setzte Ringshausen letztmals mit Ford-Werksunterstützung eines der PS-starken Coupés mit dem markanten Doppelflügel am Heck ein. Bernd Schneider war einer der Piloten des rot-weißen Renners, der nun von Volker Schneider reproduziert worden ist. Das so genannte Statement Car leistet dank eines zwei Liter großen Vierzylinder-Motors mit Vierventil-Technologie und einzelnem Turbolader exakt 437 PS – genug, um bei der DTM Classic mit Klaus Niedzwiedz als Originalfahrer der damaligen Zeit in Erscheinung zu treten. Das neu installierte Format für die Tourenwagen-Legenden der achtziger und neunziger Jahre tritt bei fünf Rennsport-Veranstaltungen gemeinsam mit der heutigen DTM in Erscheinung – auch auf dem im Sommer 2000 eröffneten Lausitzring.

Am vergangenen Wochenende gastierte das schnelle Geschichtsbuch der DTM auf dem 4,601 Kilometer langen Kurs im Süden Brandenburgs. Bereits im Vorfeld löste die Entscheidung seitens der DTM, zum ersten Mal seit 2003 wieder die Streckenvariante mit Turn 1 als eine lang gezogene, überhöhte Linkskurve zu nutzen, vielstimmige Reaktionen aus. Routiniers wie Klaus Niedzwiedz nahmen es als eine sportliche Herausforderung. Sie wussten aber auch, dass die mechanische – und körperliche – Belastung höher sein würde als auf jedem anderen Rundkurs. Hinzu kamen so genannte Bumps, harte Schläge durch die natürliche Alterung der Fahrbahnoberfläche. Obendrein gilt der Ford Sierra RS Cosworth mit seinen relativ schmalen Reifen und der hohen Antriebskraft als nicht gerade einfach zu beherrschen. Klaus Niedzwiedz, der am 24. Februar 2021 seinen 70. Geburtstag feierte, ist freilich einer der versiertesten Piloten des Coupés. Volker Schneider unterzog die diffizile Technik während der Winterpause einer umfassenden Revision – gute Voraussetzungen also, zumindest Anschluss an die Boliden der Klasse 1 (Baujahre 1993 bis 1996) zu halten. Im freien Training am Freitag sowie im Qualifying am Samstag platzierte sich Klaus Niedzwiedz jeweils an guter sechster Gesamtposition und hielt Anschluss an die vier C-Klassen von Mercedes-Benz und den Alfa Romeo 155 V6 ti ITC vorn an der Spitze des 21-Wagen-Feldes. Auch im ersten Rennen über 30 Minuten sah es am Samstagnachmittag zunächst vielversprechend aus: Der gebürtige Dortmunder war auf Podiumskurs, lag im Verlauf der ersten Runde bereits vor dem späteren Zweitplatzierten, als der rot-weiße Sierra plötzlich ausrollte. Das rechte Hinterrad steckte in einem ungesunden Winkel im Radhaus fest, die Ursache war bald gefunden: Radnabe gebrochen. Offenbar handelte es sich um eine Auswirkung der Seitenkräfte, die vor allem in Turn 1 auf das kurvenäußere Hinterrad einwirken. Während der Ausfall im ersten Lauf nicht abzuwenden war, blieb die Hoffnung auf den zweiten Durchgang zur selben Zeit am Sonntagnachmittag. 24 Stunden lang versuchte der Freundeskreis um Kai Ringshausen und Volker Schneider im Schulterschluss mit einer Werkstatt in Dresden die Reparatur. Doch zum Schluss vereitelte ein vor Ort nicht mehr zu rettendes Radlager die Rückkehr in den Wettbewerb.

Dennoch war Ringshausen Motorsport Revival auch weiterhin gut vertreten: Franz Straub und Robert Bugar teilten sich einen Ford Sierra XR4 ti im rot-weißen Design des Männermagazins Lui, mit dem Manuel Reuter 1987 in der DTM auf Punkte- und Titeljagd gegangen war. Während Straub den ersten Lauf an achter Gesamtposition abschloss, kam Teamkollege Robert Bugar am Sonntag auf den neunten Gesamtrang. Volker Schneider gab trotz Nachtschicht bei sommerlichen Temperaturen einen versöhnlichen Ausblick: „Ich bin seit 40 Jahren im Motorsport aktiv und habe schon viel erlebt – vorsorglich liegen daheim in meiner Werkstatt neue Radlager mit größeren Querschnitten bereit. Ich nehme zwar an, dass sie ursprünglich vom Ford Transit stammen, aber vielleicht sollten wir sie doch einbauen.“ Und Kai Ringshausen ergänzte: „Uns bleibt zwar nicht viel Zeit, aber in weniger als 14 Tagen stehen wir in Zolder beim nächsten Lauf der DTM Classic wieder am Start – das ist doch selbstverständlich!“

Verantwortlich für den Inhalt: Carsten Krome, netzwerkeins GmbH

Fotografie: Farid Wagner, pitwall media für die netzwerkeins GmbH

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