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Dass Motorsport auf professionellem Niveau immer auch eine Mannschaftsleistung ist, wissen Steffan Irmler und seine zu den Rennen mitreisenden Techniker, Freunde und Helfer nur zu gut. Als die Niedersachsen aus Mariendrebber im Landkreis der einstigen Rennstadt Diepholz vor zwei Jahren den Dunlop Saloon Car Cup mit einem Opel Vectra Supertouring angingen, nahmen sie als Souvenir von der britischen Insel eine nicht ganz bierernst gemeinte Fahrerlager-Weisheit mit: „Only here for the beer“. Auf eine wortgenaue Übersetzung des Bonmots kann wahrscheinlich verzichtet werden. Und dennoch: Auf dem 4,601 Kilometer langen Lausitzring wäre dieses Motto zumindest nach dem ersten Rennen der DTM Classic/Tourenwagen Legenden über 30 Minuten durchaus zutreffend gewesen. Trotz Disqualifikation blieb die Opel-begeisterte Truppe weitere 24 Stunden vor Ort, um auch am zweiten Lauf teilnehmen zu können. Lohn der Mühen: ein starker fünfter Rang in der Gesamtwertung.

So lief das Qualifying: Top Ten zwar knapp verfehlt, dafür aber mehr als eine Sekunde gefunden – und die Zwei-Minuten-Schallmauer gemeistert.

Von vornherein war Steffan Irmler bewusst, dass es für ihn und den 1994 für die südafrikanische Supertourenwagen-Meisterschaft aufgebauten Opel Astra Supertouring auf dem Lausitzring nicht leicht werden würde. Aufgrund der hohen Vollgasanteile war der zwei Liter große und 285 PS starke Vierzylinder-Motor der kleinste im ganzen Starterfeld, das immerhin 21 Tourenwagen-Legenden umfasste. Die größte Erfolgschance bestand in der sauberen Vorbereitung auf den Saisonstart der DTM Classic und in der möglichst exakten Feinabstimmung vor Ort. Wie bereits bei den Tests in Papenburg und am BILSTER BERG brachte das Team das mobile Set-Up-System „Setting One – easy setup“ mit an die Rennstrecke. Die Detailarbeit zahlte sich aus: Bereits im Freien Training blieb der kompakte Viertürer mit der Startnummer 1 unter der Zwei-Minuten-Schallgrenze, um sich im abschließenden Qualifying um mehr als eine Sekunde zu verbessern. Mit dem elften Startplatz verfehlte Steffan Irmler das selbst gesetzte Ziel, eine Platzierung unter den zehn Besten, nur knapp.

So lief das erste Rennen: Startplatz-Drama, Aufholjagd und Disqualifikation.

Eigentlich lautete die Zielsetzung für das erste Rennen am Samstagnachmittag, zumindest noch einen Teilnehmer zu überholen und in die Top Ten des Gesamtklassements vorzurücken. Doch als sich das Feld auf die Formationsrunde begab, blieb der Opel Astra in seiner Startposition stehen. Steffan Irmler ließ die dramatischen Momente später noch einmal Revue passieren: „Anscheinend floss zwischen dem Hauptschalter und dem Relaiskasten kein Strom, obwohl wir vorher noch einmal alles durchgemessen haben. Geistesgegenwärtig hat unser Frank Schwettmann, der als letzter noch auf dem Startplatz stehen geblieben war, mit der flachen Hand auf den Relaiskasten gehauen – und auf einmal wollte die Astrid wieder“. Irmler fuhr dem Feld hinterher – und bis auf den sechsten Rang nach vorne. Doch in der Zwischenzeit hatten die Sportkommissare eine Notiz von dem Vorfall gemacht. Weil sich eine Minute vor Beginn des Startprozederes noch ein Teammitglied auf dem Startplatz befand, kam es zur Disqualifikation, die Steffan Irmler natürlich auch akzeptierte. In Kenntnis der Sportgesetze kommentierte er: „Dann haben wir morgen eben noch eine zweite Chance, checken in Ruhe nochmals alle Systeme durch und probieren es ein zweites Mal!“

So lief das zweite Rennen: Not only here for the beer – nach der Nullrunde zum Traumergebnis.

Das Feld von hinten aufrollen – nach der Disqualifikation im ersten Lauf blieb Steffan Irmler dieser Rolle auch im zweiten Durchgang treu. Diesmal ging beim Start alles gut, und dank seiner Effizienz war der silbergraue Opel Astra schnell auf dem Weg nach vorne. Die Fahrt endete auf dem unerwarteten fünften Gesamtrang hinter den drei im Rennen verbliebenen AMG-Mercedes-Benz-C-Klassen und dem schnellsten BMW M3 im Feld. „Somit haben wir unser Ziel für dieses lange, sehr abwechslungsreiche Wochenende auf dem Lausitzring am Ende doch noch erreicht“, freute sich der Niedersachse. „Und unseren englischen Kameraden, die unseren Auftritt in der Livestream-Übertragung verfolgt haben, können wir jetzt zurufen: ‘We´re not only here for the beer!’“ Nächster geplanter Einsatz der Mannschaft aus Mariendrebber im Landkreis Diepholz wäre eigentlich der AvD-Oldtimer-Grand-Prix auf dem Nürburgring gewesen – doch die Veranstaltung musste aufgrund der dramatischen Ereignisse in der Eifel abgesagt worden. Statt dessen geht es nun zu einem späteren Zeitpunkt auf den Eifelkurs, wenn die DTM Classic im Schulterschluss mit der heutigen DTM dort Station machen wird.

Verantwortlich für den Inhalt:  Carsten Krome, netzwerkeins GmbH

Fotografie: Farid Wagner, pitwall media, für die netzwerkeins GmbH

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Und dann war da noch … die Sache mit dem seltenen Glücksbringer.

Unmittelbar vor dem Start des zweiten Rennens, die Motoren liefen bereits warm, landete auf der B-Säule des Opel Astra ein seltener Glücksbringer: Der Trauermantel gehört zu den heute gefährdeten Schmetterlingsarten. Auch wenn der himmlische Bote nicht zu wissen schien, dass der Opel Astra Supertouring ein Rechtslenker ist und er sich auf der “falschen” Fahrzeugseite niederließ, so erwies sich sein Besuch dennoch als segensreich. Petra Pollmann hielt das Naturereignis fest – und trat so den Beweis an, dass Motorsport und nachhaltiges Naturerleben eben doch auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen sind.

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