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Es ist Samstag, der 4. August 2001, gegen 17.15 Uhr. Auf der Nürburgring-Nordschleife geht das Sechs-Stunden-Ruhrpokal-Rennen in die entscheidende Phase. Zwei Porsche-Teams wollen beim Saisonhöhepunkt der BFGoodrich-Langstreckenmeisterschaft gewinnen. Vorn an der Spitze haben sich Jürgen Alzen und sein neuer Partner Arno Klasen mit ihrem silbernen GT3 R eingerichtet. Doch auf den Fersen sitzt ihnen mit weniger als zwei Minuten Rückstand jener Mann, der zu diesem Zeitpunkt die meisten Gesamtsiege auf dem Konto hat: Ulrich „Ulli“ Richter aus Essen. Der damals 44-jährige Langstrecken-Spezialist hält mit 26 Erfolgen den Rekord.

Die meisten erzielt der Inhaber eines Presse-Vertriebsunternehmens an der Seite seines Motorsportfreundes Olaf Manthey. Im weißen Dekra-DTM-Mercedes 190E 2,5-16 ist das Duo von 1992 an kaum zu bezwingen. Als die Ära der DTM-Fahrzeuge auf der Nürburgring-Nordschleife fünf Jahre später allmählich ausklingt, orientiert sich Ulli Richter in Richtung Porsche. 1998 wird er Partner von Jürgen Alzen, startet mit dem charismatischen Betzdorfer auch bei den Zwölf Stunden von Sebring in den Vereinigten Staaten. Obwohl die beiden grundverschieden sind, lernen sie sich schätzen. Ulli Richter, der 1986 – der ersten Saison des 944 turbo Cups – als Privatier im feuerroten Porsche des Düsseldorfer Händlers Häberli mitmischt, liebt die offene Rede. Er ist so ehrlich wie geradlinig, seine markigen Sprüche sind so beliebt wie seine runden Brillengläser und natürlich seine Fahrkünste auf dem Eifelkurs. Einmal wird er im Interview gefragt, warum er ausgerechnet an zehn Samstagen im Jahr durch die Eifel tobe, und da wird der Junge aus dem Revier auf einmal philosophisch. Er bringt es unnachahmlich auf den Punkt, indem er sagt: „Rennen fahren mit Freunden vor Freunden zur Freude“.

Am 4. August 2011 – vor zwei Jahrzehnten – bezahlt er seine Leidenschaft mit dem Leben. Eigentlich soll Richters Karriere schon bald ausklingen, doch es ergibt sich noch die Möglichkeit, bei Olaf Manthey das Cockpit des neuen Porsche 911 GT3 MR zu besetzen. Dabei handelt es sich um einen modifizierten Cup-996, den sich Ring-Fuchs Manthey mit Ulrich Galladé teilt. Angesichts der langen Sechs-Stunden-Distanz kommt Ulli Richter als dritter Mann an Bord. In dieser Konstellation tritt das Trio einige Wochen zuvor beim 24-Stunden-Rennen Nürburgring in Erscheinung. Die drei sind bestens aufeinander eingespielt. Beim Sechs-Stunden-Ruhrpokal-Rennen kämpfen nach anfänglicher Führung und zwischenzeitlichem Rückfall auf Platz vier um den Sieg. Dann plötzlich geht alles schief. Im schnell durchfahrenen Streckenabschnitt Tiergarten läuft Richter auf den Renault Mégane eines überrundeten Fahrers auf. Der sieht ihn im Rückspiegel aber nicht kommen, wählt die falsche Linie. Beide Fahrzeuge berühren sich. Sie schlagen zunächst in die Leitplanken auf der rechten Seite der Fahrbahn ein, schleudern zurück auf die Strecke und werden von den Leitplanken auf der linken Seite gestoppt. Der Renault fängt Feuer, sein Fahrer kann sich jedoch unverletzt aus dem Wagen befreien.

Ulli Richter hat dieses Glück nicht. Obwohl vier Ärzte sofort zur Stelle sind und um sein Leben kämpfen, erliegt der Routinier an der Unfallstelle seinen schweren inneren Verletzungen. Der leitende Rennarzt Dr. Helmut Hermann berichtet: „Es wurde alles versucht, wir hatten keine Chance.“ Um 17.23 Uhr wird das Sechs-Stunden-ADAC-Ruhrpokal-Rennen abgebrochen. Ulli Richter hinterlässt seine Frau Gaby und seinen damals sechsjährigen Sohn Dennis. Dass sich diese Tragödie vor zwanzig Jahren ereignet haben soll, ist schwer zu fassen. Kurz nach dem nachhaltig prägenden Ereignis im August 2001 beginnen auch die Arbeiten an der Pilotausgabe eines neuen Magazintitels, der am 9. August 2002 schließlich in den Zeitschriftenhandel kommt: Porsche Scene Live. Dass beides miteinander in Verbindung stehen könnte, ist eine durchaus richtige Vermutung.

Verantwortlich für den Inhalt: Carsten Krome, netzwerkeins GmbH

Archivbilder (4): Carsten Krome, netzwerkeins GmbH