26. April 1987, ADAC-Eifelrennen Nürburgring: DTM-Vizemeister Manuel Reuter im Ringshausen-Ford Sierra XR4 ti vor Frank Biela und Auftaktsieger Harald Grohs © Carsten Krome Netzwerkeins 1987

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Ein Mann geht seinen Weg. Aber nicht ganz für sich allein. Denn Kai Ringshausen kann sich der Unterstützung seiner Gattin und seines Sohnes sicher sein. Das Trio fühlt sich eines Erbes verpflichtet, dass Bernd Ringshausen hinterlassen hat. Der Ford-Händler und Rennstallbesitzer, im November 2014 viel zu früh verstorben, gehörte zu den Gründervätern der Deutschen Tourenwagen-Meisterschaft, kurz: DTM. Mit dem Ford Sierra RS 500 Cosworth spielte er Ende der achtziger Jahre mit seinem Werksteam im Auftrag der Ford-Werke ganz oben mit. An diese Zeit erinnert ein originalgetreues Replikat, das zurzeit am Firmensitz in Butzbach entsteht und im kommenden Jahr von einem ehemaligen Vertragsfahrer des Hauses pilotiert werden wird. Sein Name: Klaus Niedzwiedz.

Die Schlagzeilen:

Neuaufbau: Ford Sierra RS Cosworth im schwarz-gelben „Lui“-Design des Mainzer Young Professionals Manuel Reuter erinnert an die DTM-Saison 1988.

Neuausrichtung: Ringshausen Motorsport Revival tritt künftig in einer eigenen Infrastruktur zu den Einsätzen im historischen Tourenwagen-Rennsport an.

Neuanfang: Klaus Niedzwiedz bleibt als Speerspitze im Team, DTM Classic – das fahrende Geschichtsbuch der DTM – als naheliegendes, adäquates Umfeld.

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Noch ist es ein Sammelsurium aus Einzelteilen, ein überdimensionales Puzzlespiel. Doch schon bald soll aus dem, was der „Chaosraum“ (O-Ton Kai Ringshausen) gleich hinter dem Showroom seines Ford-Autohauses bereithält, ein neuer Ford Sierra RS Cosworth entstanden sein. Zurzeit befindet sich die ausgebeinte Original-Rohbau-Karosserie bei Lars Vaupel, der in seinem Unternehmen Vaupel Technique in Hattingen einen Stahl-Sicherheitskäfig nach allen Regeln der (Handwerks-)Kunst einschweißt. Das Gehäuse soll in der kommenden Saison im schwarz-gelben Original-Design des 1992 auf dem deutschen Markt eingestellten Männermagazins Lui erstrahlen. So ging der Mainzer Manuel Reuter 1988 in der Deutschen Tourenwagen-Meisterschaft, kurz: DTM, im Auftrag der Ford Werke auf Titeljagd. Er und Teamgefährte Klaus Niedzwiedz starteten im Rennstall des Butzbacher Ford-Händlers Bernd Ringshausen, der vier Jahre zuvor zu den Gründervätern der neuen deutschen Tourenwagen-Bundesliga gehörte. 1984 setzte „der Ringo“, so sein Rufname, in der Deutschen Tourenwagen-Meisterschaft einen Ford Mustang GT 5.0 ein, nach anderthalb Spielzeiten erfolgte mitten im Sommer 1985 der Umstieg auf den Ford Sierra mit der Zusatzbezeichnung Merkur XR4 ti. Weitere zwei Jahre später feierte der Ford Sierra RS 500 Cosworth in der DTM seinen Einstand – Bernd Ringshausen zog konsequent mit, 1988 stockte er auf ein Zwei-Wagen-Team mit den Ford-Werksfahrern Manuel Reuter und Klaus Niedzwiedz auf. Die Einsatzfahrzeuge erhielten eine glanzschwarze Grundlackierung – bei Reuter mit Leuchtgelb abgesetzt, bei Niedzwiedz in leuchtendem Rot.

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An diese Zeit – und an den Erfolg seines Vaters Bernd Ringshausen – wird Kai Ringshausen in der kommenden Saison erinnern. Und zwar auf eigene Faust, mit seinem eigenen Team Ringshausen Motorsport Revival. Dazu hat er sich eine Art Crossover zurechtgelegt: Er kreuzt das schwarz-gelbe „Lui“-Design von Manuel Reuter 1988 mit der Personalie des schwarz-roten Schwesterfahrzeuges – das seinerzeit Klaus Niedzwiedz steuerte. Der Waltroper war in diesem Jahr bereits bei vier Rennen der DTM Classic für Kai Ringshausen im Einsatz. Den PS-starken Vierzylinder-Vierventil-Singleturbo mit mehr als 400 PS Leistung und der schmal bereiften, naturgemäß diffizilen Hinterachse hat „Niedze“ nach wie vor im Griff. Im belgischen Zolder erklärte der 70-jährige Routinier: „Beim Ford Sierra Cosworth musst Du gucken – Du bist gut beraten, Dir schon vor der Kurve einen Überblick zu verschaffen, was nach der Kurve kommt. Dann geht’s so richtig voran.“ Auch in Zukunft wird der DTM-Vizemeister von 1989 vorausschauend agieren müssen, denn auch im neuen Ringshausen-Ford hat er mehr als 400 PS zur Verfügung. Die meisten Einzelkomponenten, auch der voluminöse Garret-Turbolader, liegen schon bereit. Eine pneumatische Wagenhebe-Anlage und 18-Zoll-Rennsportfelgen mit Zentralverschlüssen sollen Performance-Boxenstopps auch bei unsicherer Wetterlage ermöglichen. Gemeinsam mit seinem Sohn Simon sieht Kai Ringshausen arbeitsreichen Herbst- und Winterabenden entgegen. Sie erledigen die Montage in eigener Regie. In der kommenden Saison wollen Vater, Sohn und die Frau Mama natürlich gemeinsam mit Klaus Niedzwiedz an die gute, alte Zeit des Rennsports mit Großserien-Tourenwagen erinnern. Und in welchem Format so ganz genau? „Wir sehen uns in der DTM Classic gut aufgehoben“, stellt Kai Ringshausen klar, „das fahrende Geschichtsbuch der heutigen DTM greift auch unsere DNA auf, und das in geradezu perfekter Art und Weise“.

Wie es weitergeht? Darüber werden wir Sie auf dem Laufenden halten.

Verantwortlich für Inhalt und Fotografie: Carsten Krome, netzwerkeins GmbH

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