Die Rechnung ist aufgegangen. Das war die Erkenntnis nach dem Saisonstart des neu formierten DTM Classic Cups auf dem Lausitzring. Denn der BMW 320 iS, von seinen Fans „Dä Schmal“ getauft, bescherte seinem Steuer-Mann gleich zwei Podiumsergebnisse. Mehr noch: Mit dem außergewöhnlichen Renntourenwagen sorgte Marc Hessel im sonntäglichen Sprint über 25 Minuten plus eine Runde für ein Herzschlagfinale par excellence.

Die Schlagzeilen:

Starker Auftritt: Marc Hessel krönt das Rennwochenende auf dem Lausitzring mit einem zweiten Gesamtrang

Grüne Welle: Moritz Horn mit klarem Aufwärtstrend im Alpina-BMW M3 bis zu einem ärgerlichen Zwischenfall

Wenn der Vater mit dem Sohne: Thorsten Horn feiert einen vielbeachteten Einstand mit dem BMW 325i Gruppe A

Mit drei Fahrzeugen war die Zweipunktnull Group aus Düsseldorf beim Saisonauftakt des neu formierten DTM Classic Cups 2022 das stärkste Team auf dem Lausitzring. Aber nicht nur das: Die Mannschaft um Sebastian Küppers war auch in drei der sechs Klassen vertreten, auf die sich das Feld der Renntourenwagen aus den achtziger und neunziger Jahren verteilt. „Auf diese Weise zeigen wir Bandbreite“, stellte Küppers fest, „auch wenn unser Faible für die Marke BMW zumindest auf dieser Plattform unübersehbar ist – etwas anderes setzen wir im DTM Classic Cup nicht ein.“ Nach dem jeweiligen Hubraum sortiert, führte der BMW 320 iS mit 2.5 Liter großem Vierzylinder-Vierventilmotor des Typs „S14“ die Rheinländer Abordnung an. Am Lenkrad der unkonventionellen, auf einer Entwicklungs-Karosserie des Jahrgangs 1988 basierenden Schmalversion war Marc Hessel auf ein DTM-Wochenende im Angriffsmodus eingestimmt. „Auch wenn wir uns mit diesem Fahrzeug der Gruppe H oder Klasse 2 in der zweiten Saison befinden, so betreten wir doch immer wieder Neuland“, analysierte der BMW-Werksjunior in der DTM des Jahrgangs 1987. “Insbesondere beim Fahrwerk sind wir nochmals einen neuen Weg gegangen, der zusätzlicher Abstimmung bedarf.“

Das Resultat im ersten Qualifying am Samstagmorgen: Platz sieben vor dem 24-jährigen Teamkollegen Moritz Horn mit dem grünen Alpina-BMW M3 2.3 der Baureihe E30. Exzellent gewöhnte sich der Umsteiger aus dem professionellen Kartsport an den durch das technische Reglement vorgegebenen Original-DTM-Stand von 1988. Dies schreibt unter anderem den seinerzeit gebräuchlichen Gasschieber vor, was sich natürlich auf die Leistungscharakteristik auswirkt. Darüber hinaus entspricht der Durchmesser der Bremsscheiben der damaligen Zeit. Hinzu kam im Nachmittagsrennen ein nur zu 70 Prozent geöffneter Gasschieber aufgrund eines zwar neu montierten, gleichwohl defekten Gaszuges. So kam Moritz Horn auf dem fünften Platz ins Ziel kam, während Marc Hessel einen Weg weiter nach vorn fand – an einem sich drehenden Fahrerkollegen vorbei. Jenseits des befestigten Randstreifens zirkelte der Routinier vorbei, er kehrte wieder auf die Strecke zurück und brachte „Dä Schmal“ auf dem dritten Gesamtrang über die Distanz. Darüber freute sich auch Thorsten Horn, obwohl er aufgrund eines technischen Problems mit zwei Runden Rückstand auf den Sieger nicht in Wertung kam.

Im zweiten Qualifying am Sonntagmorgen stellte Moritz Horn als Gesamtdritter den Kontakt zur Spitzengruppe her. Marc Hessel belegte nach seinem Podiumsplatz am Vortag diesmal Position sechs und bekundete, noch etwas mehr Entwicklungszeit zu benötigen. „Die Karosseriesteifigkeit ist im Vergleich mit dem BMW M3 wesentlich höher“, stellte Hessel fest, „ähnlich einem Formel-Rennwagen arbeitet das Chassis ausschließlich über die Stoßdämpfer und die Fahrwerksfedern.“ Wie gut das neu komponierte Ensemble inzwischen harmoniert, bewies der gebürtige Bonner im abschließenden Rennen. Geschickt hielt er den Kontakt zum verbissen fightenden Führungsduo, mit dem aufrückenden Niederländer Leonard Batenburg (BMW M3) im Windschatten verdichtete sich die Partie in den letzten drei Runden zu einem phantastischen Vierkampf um den Tagessieg. Buchstäblich auf den allerletzten Metern sicherte sich Marc Hessel den zweiten Gesamtrang. Im Ziel gestand er seinem Teamchef Sebastian Küppers gegenüber eine kleine List ein: “Den allerletzten, entscheidenden Schaltvorgang habe ich ohne die Kupplung ausgeführt – anders wäre ich an Kris Nissen nicht mehr vorbeigekommen.” Der Däne, ebenfalls in der klassischen DTM am Start und bis 1994 siegreich, saß wie Batenburg in einem BMW M3, während Sieger Ronny Scheer einen Ford Sierra steuerte.

„Unser Konzept geht mehr und mehr auf“, bewertete Sebastian Küppers das überaus erfolgreiche Abschneiden. „Wir sind mit den BMW M3 schon jetzt auf Augenhöhe.“ Während Thorsten Horn mit dem 325i Gruppe A an neunter Stelle des Gesamtklassements die Ziellinie überquerte und die ersten Punkte für den DTM Classic Cup einsammelte, erlebte sein Sohn Moritz Horn einen rabenschwarzen Nachmittag. Ein Stein geriet in den Ansaugtrakt seines “S14”-Originalmotors mit 2.3 Litern Hubraum und löste einen kapitalen Schaden aus. Bis zum nächsten Lauf auf dem Norisring, so die derzeitige Einschätzung, soll sich aber auch diese automobile Preziose aus dem DTM-Jahrgang 1988 wieder in ihrer Bestform präsentieren.

Verantwortlich für den Inhalt: netzwerkeins GmbH, Carsten Krome

Fotografie: Verena Schwarz für die Zweipunktnull Group, Düsseldorf