I have a dream. Thomas Weckerle und der erfüllte Traum vom Rennen fahren. Aus: Abgefahren – die TWL-Kolumne, Episode 08.2021.
Im großen Teilnehmerfeld der Rennsportserie “Tourenwagen Legenden” gehört er zu den Sympathieträgern: Der Stuttgarter Thomas Weckerle, Jahrgang 1973, ist schon seit dem Gründungsjahr 2019 mit dem “Baby Benz” dabei. Das Basisfahrzeug erwarb er vor gut einem Jahrzehnt, um sich schrittweise den Traum vom Rennen fahren mit einem authentisch aufgebauten DTM-Tourenwagen im Retro-Design der Saison 1990 zu erfüllen. Inzwischen zitiert er den Auftritt des einstigen Mercedes-Juniors Fritz Kreutzpointner, der als “Fritz K” in bester Erinnerung geblieben ist. Ein Wunsch ist noch unerfüllt: Einmal nur möchte er gemeinsam mit seinem sportlichen Vorbild aus den frühen Neunzigern an den Start gehen – am liebsten natürlich im Rahmenprogramm der heutigen DTM.
Wer Motorsport betreibt, tritt oft genug mit dem Selbstbewusstsein eines Boxers auf: allzu fest von sich überzeugt, entschieden, explizit – auf den eigenen Erfolg fixiert. Thomas Weckerle bedient all diese Klischees nicht: Der feinsinnige Schwabe achtet sehr genau auf das gesprochene Wort, betont die Endsilben sehr genau, pfeift auch auf Kurzhaar-Frisuren. Seine Haare sind mittellang, und mit einer Gitarre in der Hand könnte man sich ihn auch auf einer Kleinkunstbühne vorstellen. Doch der Unternehmer, dem die Leitung einer Spedition in dritter Generation anvertraut worden ist, macht keine Musik – und in gewisser Weise macht er sie eben doch: Er lässt vier Zylinder in den höchsten Tönen aufspielen. Vier Zylinder, vor der Windschutzscheibe platziert – das war schon immer sein Thema. Zunächst entsprach ein Porsche 968 Clubsport dieser Beschreibung. Doch der Dreiliter-Großkolben-Motor ließ sich bis auf 20 PS Mehrleistung vielleicht nicht weiterentwickeln. Da übten selbst die Trackdays mit dem Porsche Club irgendwann keinen großen Reiz mehr aus – die GT3-Fraktion war einfach immer schneller, daran ließ sich nicht rütteln. Und so ergab es sich, dass sich für den Marktwert des 968ers auch ein Mercedes-Benz 190 E Evo 1, ein angefangener Neuaufbau aus den Zeiten des legendären “Sterns von Willich” in der Langstrecken-Meisterschaft Nürburgring (VLN), übernehmen ließ. Wie so oft, zog Daimler-Experte Thorsten Stadler auch bei dieser Transaktion die Fäden und nahm sich später der Vollrestauration an. “So richtig mit Tauchbad”, wie Thomas Weckerle zu berichten weiß.
Da kein wirtschaftlicher Druck hinter dem Projekt stand, zog bis zum ersten Fahrversuch schon eine gewisse Zeit ins Land. Doch dann kam es zu einem ersten Roll-Out quasi unter dem Vergrößerungsglas – im Rahmen der DTM auf dem Norisring, im Juli 2017. Lampenfieber? “Ach nein, eher schon der Gedanke an meine Serien-Bremsanlage, die aus Budgetgründen im Auto geblieben war”, erzählt Thomas Weckerle, “außerdem hatte ich nicht die aufwändigen DTM-Achsen nachrüsten lassen, sondern beließ es auch hier bei einer vergleichsweise einfachen Lösung – die allerdings sehr gut funktionierte.” Das familiäre Flair im Fahrerlager machte es dem Neueinsteiger leicht, Freunde zu finden. “Besonders Gerbert Luttikhuis und seine vielen holländischen Landsleute nahmen mich mit großem Hallo auf, ich habe mich auf Anhieb willkommen gefühlt – so ist es bis heute geblieben.” Den Mercedes 190 E Evo 1, von dem insgesamt nicht mehr als 500 Exemplare existieren, versetzte nicht nur ein Rennmotor mit gut und gerne 300 PS in ein originalgetreues DTM-Replikat, sondern auch ein besonderes Design. Die Mercedes-Junioren Karl Wendlinger und Fritz Kreutzpointer waren in der DTM-Saison im Gelb und Weiß eines Herstellers für allerlei Reinigungsgerät unterwegs. “Ich besorgte mir die verschiedensten Modellautos aus dieser Zeit, auch die Startnummer 77, mit der Fritz K. 1990 in der DTM startete”, reflektiert Thomas Weckerle, “ich ließ die Designs auf mich wirken, verkleinerte den Radius immer weiter und entschied mich am Ende für dieses hier – und es gefällt mir unverändert gut!” Dann fügt er noch hinzu: “Ich lebe meinen Traum, mit einem DTM-Tourenwagen Rennen zu fahren und genau dieses Feeling aufkommen zu lassen, das ich mit dieser mega-tollen Zeit verbinde – mit unvergesslich schönen Tagen auf der Tribüne, zusammen mit meinem Vater, meist auf dem Hockenheimring.”
Bei den “Tourenwagen Legenden” lässt er dieses Gefühl auch während der Rennsport-Saison 2021 aufkommen. “Familie und Firma lassen kein komplettes Einsatzprogramm zu – leider”, räumt Thomas Weckerle ein, “ab und an muss ich eine Veranstaltung aussetzen.” Wenn er aber dabei sein, dann mit vollem Herzen, aus voller Begeisterung. Das nimmt man ihm gerne ab, ebenso sein Fernziel, das er insgeheim verfolgt: “Ich weiß ja, dass es unerreichbar ist, einfach eine andere Liga. Aber Thorsten (Stadler, Anm. d. Red.) hat mich beim Testtag in Papenburg einmal seine C-Klasse für ein paar Runden fahren lassen. Das hat mich vollkommen geflasht, mich total abgeholt – Dimensionen wie von einem anderen Stern!” Wer weiß – vielleicht folgt dem einen erfüllten Traum irgendwann ja doch der zweite, größere. “Oder ein gemeinsamer Start bei den ‘Tourenwagen Legenden’ mit Fritz Kreutzpointner, allein schon des Retro-Designs wegen”.
Verantwortlich für den Inhalt: Carsten Krome Netzwerkeins
Technische Daten
Mercedes-Benz W 201 (190 E 2.5-16 Evolution), MJ 1989, nur 502 Exemplare, Original-Straßenfahrzeug, in den GLPs auf der #Nürburgring-#Nordschleife eingesetzt, DMSB-Wagenpass gemäß Gruppe H
Karosserie: Karbon-Motorhaube und -Heckdeckel, Sponsoren-Look des MS-Jet-Racing Teams (DTM 1989), Überrollkäfig als Einschweißzelle
Hubraum: 2.463 ccm
Motorleistung: 300 PS
Kraftübertragung: 5-Gang-H-Schaltung, 75-prozentige Differenzialsperre
Achsübersetzung: für den BILSTER BERG angepasst, individuell adaptierbar
Räder, Radaufhängungen: 18-Zoll-Rädersatz, H&R-Rennfahrwerk
Bremsanlage: große Evo-Bremsanlage
Interieur: neuer Sitz und Lenkradnabe an den Fahrer individuell angepasst, STACK-Instrument
Höchstgeschwindigkeit je nach Achsübersetzung: 260 km/h
Gewicht: 1.040 kg
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© Carsten Krome Netzwerkeins
Neu im Angebot, neu aufgebaut, vielfältig einsetzbar: ein Renntourenwagen. Mercedes-Benz W 201 (190 E 2.5-16 Evolution), MJ 1989, 502 Exemplare.
Veröffentlicht am: 26. Mai 2020 um 20:01 Uhr





