V8STAR, Saison 3/2003: Was so hoffnungsvoll begonnen hat, wird am 17. November 2003 eingestellt. Doch der Geist der V8STAR-Serie lebt weiter – auf der Langstrecke und auf vielfältigen Plattformen.

Am 17. November 2003 wird die V8STAR-Serie überraschend eingestellt. Hintergrund: ein betriebswirtschaftlicher Zielkonflikt. Den Ausgaben stehen zu wenige Einnahmen gegenüber. “Der Sport und die Technik haben hervorragend funktioniert”, kommentiert die Geschäftsleitung. “Was nicht funktioniert hat, waren das Marketing und die Wirtschaftlichkeit.”

Bereits im Februar 2003 platzt die eigentliche Bombe: Die BERU Top 10 als Plattform und die V8STAR-Organisation gehen getrennte Wege. Ab sofort, zur Unzeit. Denn zu diesem denkbar späten Zeitpunkt der Wintersaison sind die Verträge zwischen Rennveranstaltern und Serienbetreibern meist geschlossen. Tragisch für die V8STAR: 2002 hat die neue Serie bewiesen, dass sie auf einer alternativen Plattform neben der DTM durchaus Headliner-Qualitäten hat. Die Zuschauerzahlen vor Ort sind inzwischen fünfstellig, die TV-Quoten der Übertragungen im Deutschen Sportfernsehen, kurz: DSF, sind vielversprechend. Doch die Chance, quasi über Nacht von der Rahmen-Rennserie zur Hauptattraktion zu werden, bekommt die V8STAR nicht. Dafür ist im Februar 2003 keine Zeit. Sie kann sich nurmehr im Rahmenprogramm bestehender Events mehr schlecht als recht positionieren.

Die V8STAR sichert sich dennoch den Zugang zu Veranstaltungen wie dem Truck Grand Prix auf dem Nürburgring, dem German 500 der ChampCar-Serie und dem damals noch sehr beliebten Formel-3-Masters in Zandvoort. Das bedeutete freilich die branchenüblichen Minutenpreise, die die ohnehin beanspruchten Kassen der V8STAR immer weiter belasteten – eine Zerreißprobe schon vor Beginn der Saison 2003.

Das Dilemma der V8STAR macht sich unweigerlich bei den Starterzahlen bemerkbar. Trotz vielfältiger Maßnahmen zur Kostensenkung sehen sich immer weniger Teams in der Lage, eine komplette Saison zu finanzieren. So kommt es im Laufe der Saison 2003 zu immer häufigeren Wechseln im Starterfeld: Rennställe treten an, wenn sie einen Geldgeber für ein einzelnes Rennwochenende aktivieren können und verschwinden für einige Zeit wieder. Die Fahrer wechseln teilweise von Rennen zu Rennen – je nachdem, wer gerade bezahlen kann. Die Konsequenz: Mehr als acht Piloten nehmen 2003 nicht mehr an ausnahmslos allen Rennterminen teil.

Zur seltenen Spezies der Stammfahrer gehört der Portugiese Pedro Lamy. Mit dem unverändert Kaufhof-grünen Zakspeed-Jaguar S-Type wird er als letzter Meister der V8STAR in die Geschichte eingehen.

“Der Return of Investment war einfach nicht da”, lautet das vorläufige Fazit am 17. November 2003. Für verschiedene Rennstall- und Fahrzeugbesitzer gilt das nicht unbedingt. Im Langstrecken-Rennsport finden einige Top-Teams und Akteure eine neue Heimat. Speziell das Mönchengladbacher Brüderpaar Nicolas und Martin Raeder setzt in dieser Hinsicht Akzente. Die späteren Gesellschafter des Porsche-Erfolgsrennstalls Manthey Racing machen den Jaguar S-Type für das Fahrertrio Dirk Adorf, Ulrich Galladé und Hermann Tilke einsatz- und siegtauglich für die Nürburgring-Nordschleife. In schillernd-bunten Recaro-Sponsorfarben dekoriert, fordert der Viertürer Mitte der 2000er-Jahre das Porsche-Estabilshment heraus – bevor sich zur Saison 2009 auch auf dem Eifelkurs das internationale FIA-GT3-Reglement durchzusetzen beginnt.

Es sind die Kundensport-Abteilungen der Automobil-Hersteller, die hinter der GT3-Initiative stehen und die an entsprechenden Umsätzen interessiert sind. Als acht Jahre zuvor die V8STAR-Serie antritt, von den Automobil-Herstellern gänzlich unabhängigen Profisport zu etablieren, ist der Fokus um 180 Grad spiegelverkehrt. Es heißt oft, die deutschsprachige Silhouetten-Formel habe nicht in die Rennsportwelt zu Beginn der 2000er-Jahre gepasst, sie sei ihrer Zeit weit voraus gewesen. Was bis heute geblieben ist: Die Faszination der technisch ausgereiften Rohrrahmen-Boliden ist ungebrochen, die meisten der 30 produzierten Fahrzeuge existieren noch, wenn auch zum Teil in weiter Ferne. Zeit für ein Klassentreffen, möchte man annehmen.

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