Sonntag, 6. Juli 2003: V8STAR, Saison 3/2003, Racing Weekend 5/9, Eurospeedway Lausitzring, Sonntag, 6. Juli 2003: das erste Ovalrennen auf dem Lausitzring
Pionierleistung im Halbschatten medialer Missachtung: Das erste Ovalrennen wird Realität – doch es fliegt unter dem Radar.
Das Konzept der V8STAR sieht von Anfang an vor, Rennen nach US-amerikanischem Vorbild auf Ovalkursen wie im englischen Rockingham oder natürlich auf dem im Jahr 2000 eröffneten Lausitzring zu veranstalten. Dieser Plan wird zur Saison 2003 umgesetzt. Nach dem Abschied von der Plattform der BERU Top 10 führt der Weg strategisch klug in die Alleinstellung. Es gilt einmal mehr die Devise: Nichts dem Zufall überlassen!
Die Vorbereitungen im Vorfeld sind umfangreich. Bereits 2002 finden die ersten Tests im Oval statt. Zur gleichen Zeit gastiert auf dem Lausitzring die britische ASCAR-Serie, die das Racing nach US-amerikanischen NASCAR zusätzlich etabliert. Glückt der Befreiungsschlag, die Flucht nach vorn in die strategische Unabhängigkeit von den eingeführten Plattformen, vom lästigen politischen Schach- und Ränkespiel?
Um es vorwegzunehmen: Als am 6. Juli 2003 die große Premiere tatsächlich auf dem Lausitzring stattfindet, erscheint von den seinerzeit noch maßgeblichen Fachmedien kein einziger Berichterstatter der Motor Presse Stuttgart zum ersten Oval-Termin einer deutschen Rennsport-Serie. Die mediale Berichterstattung bricht grundsätzlich ein. Die Rennen werden 2003 zwar von 70 auf 50 Minuten verkürzt, aber trotzdem nicht mehr live im Fernsehen übertragen. Zwar kann der TV-Vertrag mit dem Deutschen Sportfernsehen (kurz: DSF) verlängert werden, doch die Berichterstattung wird reduziert: Die Rennen werden nur noch in kurzen Zusammenfassungen an den Abenden gezeigt. Auf den Punkt gebracht: Im Zeitalter vor der allumfassenden Autarkie durch Social Media fliegt das wahrscheinlich am meisten kennzeichnende Ereignis der V8STAR unter dem Radar.
Dabei hat vor allem Altfrid Heger seine Hausaufgaben im Vorfeld gemacht. Nach dem regulären V8STAR-Rennen am 11. Mai 2003 auf dem GP-Kurs des Lausitzrings finden im Anschluss Tests im Oval mit vier zusätzlichen Piloten statt, um das dynamische Verhalten der Reifen und das Fahren im Pulk zu simulieren. Für die naturgemäß sehr belasteten kurvenäußeren Gummiwalzen kombiniert Goodyear eine in der NASCAR bereits bewährte Gummimischung mit der V8STAR-Konstruktion in 18-Zoll-Abmessungen. Bei den Tests können konstant Durchschnittsgeschwindigkeiten von weit über 240 km/h gefahren werden.
Zur Vorbereitung für die Oval-Premiere werden spezielle Schulungen vorgenommen. Präsident Altfrid Heger reist als Referenzfahrer zusammen mit Technikchef Peter Kayser zum Charlotte Motor Speedway in die USA. Zusammen mit der Richard Petty Driving Experience, einer Coaching Unit für angehende Oval-Piloten, werden Fahreinheiten vor Ort durchgeführt und die spezielle Aufgabenstellung an die Akteure im Oval sowie für die Organisation durchexerziert.
Das Fahrerkollegium der V8STAR muss für das geplante Ovalrennen eine besondere Rennfahrerlizenz nach den Richtlinien des Deutschen-Motorsport-Bundes (DMSB) erwerben. Die Instruktoren der Richard Petty Driving Experience reisen nach Deutschland, um die Teilnehmer, die ohne Ausnahme Neulinge auf Ovalkursen sind, beim vorgeschriebenen dreitägigen Rookie-Test zu unterstützen. Dieser besteht neben einer umfangreichen theoretischen Einführung vor allem aus praktischen Schulungen, um das sichere Fahren im Pulk und im Windschatten bei höheren Geschwindigkeiten zu trainieren.
Auch der Berliner Roland Rehfeld unterstützt mit seinem Erfahrungsschatz aus der britischen ASCAR-Rennserie die Piloten. Darüber hinaus wird für die Teams und Fahrer mit Alexander Friebel ein Spotter der ASCAR eingeladen, um in Sachen Taktik und Boxenfunk zu unterrichten.
Im Gegensatz zu den Rennen auf klassischen Rundkursen wird das Format gezielt angepasst: Ein 30 Runden langes Qualifikationsrennen entscheidet über die Startaufstellung zum 50 Runden umfassenden Hauptrennen. Während der Distanz von 160 Kilometern ist außerdem ein Pflicht-Boxenstopp zu absolvieren.
Das Premierenrennen ist geprägt von Überholmanövern und Windschattenduellen unter donnerndem V8-Sound vor – offiziell – 10.000 Zuschauern. Allerdings kommt es bei der Premiere zu einer Verkettung von Problemen auf Seiten der Rennleitung, das Rennen kann am Ende nicht gewertet werden – neben der medialen Absenz das zweite große Dilemma.
Obwohl nach einer Gelbphase in der 14. Runde der Monitor der Zeitnahme einfriert, läuft das Rennen zunächst weiter. Allerdings wird für den nächsten Restart der mittlerweile veraltete und falsche Zwischenstand als Startreihenfolge herangezogen. Hinzu kommt, dass die Rennleitung zu Beginn der Gelbphase die Ampel am Boxeneingang nicht auf Rot geschaltet hat – so wie es im ausschließlich für dieses Rennen ausgearbeiteten DMSB-Oval-Reglement eigentlich festgelegt worden ist. Daher kommen die Fahrer letztlich unerlaubt zum Boxenstopp, was die Reihenfolge im Klassement auf den Kopf stellt. Gegen Ende des Rennens soll der Fehler durch Durchfahrtstrafen korrigiert werden, doch das ist nicht mehr möglich.
Nach dem Rennen wird der Portugiese Pedro Lamy auf dem Podium als Sieger geehrt, im Anschluss kommt es jedoch zu mehreren Protesten anderer Teams, die alle aus eigener Sicht und den verschiedensten Erwägungen als nachträgliche Sieger in Frage kommen. Die Konsequenz: In der Woche nach dem Rennen wird eine Rekonstruktion der Ereignisse angesetzt, die allerdings ergebnislos bleibt. Das Rennergebnis muss annulliert werden.
Als Ausgleich soll das Finalrennen zum Ende der Saison 2003 in ein zweites Ovalrennen umgewandelt werden, um einen würdigen Schlusspunkt zu setzen. Was bleibt, ist ein bitterer Beigeschmack.
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