14. Internationales HANHART Jochpass-Oldtimer-Memorial

105 Kurven, verteilt auf 6,79 Kilometer Streckenlänge, 400 Meter Höhenunterschied: Beim 14. Internationalen HANHART Jochpass-Oldtimer-Memorial feierte die Klassik-Szene ihren Saisonausklang. Und alle waren sie gekommen, aus nah und fern. 162 Automobile bis Baujahr 1979 nahmen in Wertung teil, dazu noch einmal 50 Solo-Motorräder und ein knappes Dutzend Gespanne. Nach einem nächtlichen Wettereinbruch – am Samstag noch wunderschöner Spätsommer, am Sonntag ein Ausblick auf den Winter – fand sich ein Einheimischer mit den veränderten Bedingungen am besten zurecht.

Ein Porsche, der auf Porsche Rennen fährt – das hat es zuletzt vor zwei Jahren in der Langstrecken-Meisterschaft (VLN) Nürburgring gegeben. Marc Porsche hieß der junge Mann, der in das Lenkrad eines GT3 Cup von Manthey-Racing griff. Dabei präsentierte er die Landesfarben Österreichs. Ob Marc und Kurt Porsche miteinander verwandt sind, müssen wir an dieser Stelle nicht auflösen. Letzterer macht seinem klangvollen Familiennamen jedenfalls alle Ehre. Er fährt erfolgreich einen Porsche 356 B aus dem Jahr 1963, und in seiner Allgäuer Bergheimat gilt der Fahrlehrer im Ruhestand als ein Lokalmatador. Sein Coupé bereitet er zuhause in Nesselwang vor – in einer Werkstatt, die ob ihrer Authentizität in Oldtimer-Kreisen geschätzt wird. Kurt Porsche, der am 7. Dezember 1944 zur Welt gekommen ist, bevorzugt Rallyes und historische Bergprüfungen auf Gleichmäßigkeit. Diese Veranstaltungen laufen stets nach demselben Schema ab. Die vorgegebene Minimal-Fahrzeit darf unter keinen Umständen unterschritten werden, um gegenüber den genehmigenden Behörden nicht den Eindruck eines Wettbewerbs auf Erzielung von Bestzeiten aufkommen zu lassen. Wer den Bann bricht und dennoch auf Rekordjagd geht, wird ohne Erstattung des Nenngeldes mit Startverbot belegt. Wer die Spielregeln akzeptiert und in den Trainingsläufen eine persönliche Sollzeit notieren lässt, muss sich in allen folgenden Durchgängen an die eigene Vorgabe halten. Jede noch so geringe Abweichung wird mit Strafpunkten belegt. In Strafsekunden umgerechnet, beeinflussen sie die auf der Stoppuhr angezeigte Gesamtfahrzeit. Die Konsequenz ist hart, aber gerecht: zweiter Sieger hinter denen, die es besser gemacht haben. Der ideale Teilnehmer einer historischen Gleichmäßigkeitsprüfung absolviert alle seine Wertungsläufe in ein- und derselben Fahrzeit.

Auch beim 14. Internationalen Jochpass-Oldtimer-Memorial am ersten Wochenende im Oktober 2012 wäre das die Leitmaxime gewesen. Nach Sonnenschein am ersten Veranstaltungstag kippte über Nacht das Wetter, allerdings auf Ansage. Der erste Regen fiel am Sonntagmorgen um 8.15 Uhr, stündlich wurde es schlimmer. Doch davon ließ sich der überwiegende Teil der Volanteure nicht beirren, zumal bei der Nässe neue Sollzeiten herausgefahren werden durften. In dieser Situation waren eine ruhige Hand am Lenkrad und Streckenkenntnis gefragt. Als Kurt Porsche am Sonntagmorgen die nächste Sollzeit setzte, war er 40 Sekunden länger unterwegs als im Trockenen. In sechs Minuten und 20 Sekunden hatte er am Samstag die 6,79 Kilometer lange Straße von Bad Hindelang nach Oberjoch hinter sich gebracht. Exakt sieben Minuten waren es auf nassem Geläuf. Seine Abweichung betrug im anschließenden Wertungslauf neun Hundertselsekunden – trotz rutschiger, von Rinnsälern überfluteter Bergstraße! Seine Leistung blieb nicht unbelohnt: fünfter Rang in der Gesamtwertung des 14. Jochpass-Memorials, bester Porsche, schließlich Erster der Kombinationswertung. In diese floss zusätzlich die Rangfolge einer Rallye ein, die am Freitag im Oberallgäu stattfand. Kurt Porsche war in der Vorberichterstattung als „Allgäu-Matador“ beschrieben worden. Am Oberjoch nahm vor 26 Jahren ein Traktorenbauer aus der Schweiz denselben Nimbus für sich in Anspruch. Fredy Amweg (damals 38, Martini-Formel 2) legte am 26. Oktober 1986 in 3:08,26 Minuten (Durchschnitt: 107,45 km/h) einen Rekord für die Ewigkeit vor. 2012 durften 4:45 Minuten auf keinen Fall unterschritten werden – das Limit der Schnellen und Wagemutigen.

Einer, der dieser Zeitvorgabe in 4:53,56 Minuten verdächtig nahekam, ahnte drei Wochen vor dem 14. Internationalen Jochpass-Oldtimer-Memorial noch nichts von seinem Einsatz. Axel Plankenhorn (60) weilte beim Porsche Carrera Cup Asia, als ihn die Anfrage aus der Redaktion per E-Mail erreichte. Der 1977er Vaillant-Kremer 935 K2 sollte auf der alten Passstraße kompetent ausgeführt werden – eigentlich nur zu Demonstrationszwecken. Die Wahl fiel auf den Geschäftsführer des Araxa Racing Teams, weil ihn mit Kremer Racing ein bedeutendes Kapitel verband. 1979 und 80 zog Axel Plankenhorn – seinerzeit in seinen Zwanzigern – in das Gefecht der Deutschen Automobil-Rennsportmeisterschaft, kurz DRM. Beim Kreuzritter-Rennen in Spa-Francorchamps am 1. Juni 1980 endete die Zusammenarbeit mit dem Kölner Porsche-Rennstall. Mehr als 32 Jahre später fanden die ehemaligen Vertragspartner wieder zusammen, auch wenn Axel Plankenhorn unterstrich: „Einen Einzellader wie den 1977er K2 bin ich nicht gefahren, sondern immer nur Doppellader.“ Er fand sich trotzdem zurecht – dank seiner klugen Strategie. Am Samstagmorgen ließ er – obwohl der Regen erst 24 Stunden später vorausgesagt war – profilierte Reifen aufziehen. Seine Begründung: „Regenpneus haben die weichste Gummimischung, und die brauche ich in den schattigen Passagen ohne Sonneneinfall. Dort ist der Asphalt kalt, und die Reibwerte sind geringer als in den offenen Passagen, die von der Sonne erreicht werden.“ Solchermaßen gerüstet, widerlegte er im ersten Versuch die Weissagungen mancher Insider, die dem lang übersetzten Viergang-Schaltgetriebe gegolten hatten. Eifrig war behauptet worden, der DRM-Altstar werde über die zweite Fahrstufe nicht hinauskommen. Er schaffte es bis in den dritten Gang…

Wie schmal der Grat war, auf dem Axel Plankenhorn sich bewegte, unterstrich die folgende Aussage: „Das alte Gefühl war sofort wieder da. Ich halte mich mit dem Gaspedal exakt zwischen Turbolader-Einsatz und Heckausbruch auf. Es ist, als sei ich im Regen auf der Nürburgring-Nordschleife unterwegs, irgendwann im Jahr 1979 oder 80.“ Dies konstatierte er, als es noch trocken war. Als sich die Vorzeichen am Sonntag radikal veränderten, machte der Schwabe zunächst weiter. Dass er schließlich ohne äußere Beschädigung des ungemein wertvollen Gruppe-5-Altwagens stehenblieb, war auf einen Stromausfall zurückzuführen. „Ich bin natürlich mit Licht und Scheibenbelüftung gefahren, um überhaupt etwas zu sehen. Auf einmal blieben der Scheibenwischer und der Drehzahlmesser gleichzeitig stehen – mit dem Ziel in Sichtweite rollte ich aus.“ Seine Teamkollegen Jan Hennen/Sylke Lambert trotzten der Feuchtigkeit. Unverdrossen rollten sie mit ihrem 1975er 911 2,7 Coupé (portraitiert in PORSCHE SCENE 01/2012, Beitrag: „Ride the Wild Wind“) immer wieder an die Startlinie. Der 44. Gesamtrang sprang dabei heraus – eine Platzierung im ersten vorderen Drittel. Wenige Wochen später tastete sich ein- und dasselbe Mobil bei der Rallye Köln-Ahrweiler durch den Eifelnebel – eine Saisonverlängerung für Hartgesottene. Anders hielten es einige erfahrene Porsche-Teams, die schon seit Jahren “über das Joch“ driften, wie die Salzfrächter in alter Zeit zu sagen pflegten. Sie gaben noch an Ort und Stelle ihre ausgefüllten Nennformulare für das kommende Jahr ab – 490 Euro Startgebühr pro eingeschriebenem Auto inbegriffen. Zweiräder und Gespanne fahren übrigens preisgünstiger.

Die Motivation der Frühbucher ist stets dieselbe: Vor der Abreise wollen sie Gewissheit, wiederkommen zu dürfen, einen garantierten Platz im Feld der gut und gerne 160 Automobile zu erwischen. Die Organisationsleiterin Marlene Brutscher bestätigte: „Die Nennung ein Jahr im Voraus ist kein Einzelfall. Unsere Fahrer lernen halt dazu. Viele haben schon einmal eine Absage von uns erhalten, weil wir ganz einfach übervoll waren.“ Den rustikalen Charakter ihrer Veranstaltung will sie um jeden Preis beibehalten: „Beim Jochpass-Oldtimer-Memorial geht es nicht darum, das 1989 eingestellte Bergrennen wieder aufzunehmen oder Show-Effekte zu integrieren. Wir erinnern an ein vergessenes Zeitalter der Mobilität, dass für uns Allgäuer natürlich auch eine lokale Komponente hat. Wir bieten Charme und Bodenständigkeit, so wie wir Bergler eben sind!“ Ein wenig erinnert ihre Haltung an die der Menschen in der Eifel: ein Naturvolk, das den hin und wieder aufbrandenden Motorenlärm als gegeben hinnimmt. Kurt Porsche, 2012 war er wieder einmal der erfolgreichste Repräsentant der gleichnamigen Sportwagenmarke, füllt dieses Bild in idealer Weise aus. Sein leichtfüßiges 356 B Coupé ist für die 400 Meter Höhenunterschied prädestiniert. 2011 ergatterte es den ersten Gesamtrang bei den Vierrädrigen – vor allen 911ern! Bei allem Respekt – ernsthaft überraschen sollte uns diese Nachricht nicht. Wir schrieben das Jahr 2003, als uns der Laichinger Rechtsanwalt Thilo Paluszkiewicz im 356 Coupé über die Jochstraße chauffierte. Kein anderer Porsche, der seinerzeit dabeigewesen ist, erreichte die “Kanzel“, einen Aussichtspunkt auf 1.050 Metern Meereshöhe, anscheinend so mühelos wie er. Dabei gab der Jurist glaubhaft an, nur von 90 PS angetrieben worden zu sein. Möglicherweise führt der Weg zum Erfolg auf dem Jochpass über den Erwerb eines Porsche 356!

Dem massenhaften Auftreten eines einzelnen Erfolgsmodells dürfe Orga-Chefin Marlene Brutscher jedoch einen Riegel vorschieben: „Die Selektion der eingegangenen Nennungen hängt nicht von einem Kriterium allein ab. Wir schauen jedoch ganz genau hin, ob wir eine möglichst große Bandbreite anbieten können. Das ist schließlich auch im Sinne unserer sehr zahlreichen Zuschauer! 50 Porsche 356 wären nicht das, was wir uns wünschen. 50 Porsche 911, alle nach ein- und demselben Schema gebaut, genausowenig.“ 2012 führten die Österreicher Peter sowie Ulli Madlener die Elfer-Fraktion an zwölfter Gesamtposition an. Das diskrete Abschneiden mag den Wetterverhältnissen geschuldet gewesen sein. Dass ein Porsche mit Motor vorn unter schwierigen Bedingungen zu brillieren weiß, ist der Fangemeinde seit der Rallye Monte Carlo 1979 wohlbekannt. In der Tradition des Datacom-924 unter Jürgen Barth/Roland Kussmaul stellten sich Tobias Aichele/Claudia Fuchs der Herausforderung. Im abschließenden Durchgang waren sie nicht mehr mit von der Partie. Dennoch deutete der 48. Rang das große Potenzial der Transaxle-Coupés an. Wer wird bei der Jubiläumsausgabe neue Akzente setzen? Vom 10. bis 13. Oktober 2013 ruft der Berg zum 15. Mal – und sicher auch uns!

Text und Fotos: Carsten Krome Netzwerkeins

6./7. Oktober 2012: wie alles begann.

Gipfeltreffen auf dem Jochpass: Axel Plankenhorn und die Rückkehr in den Kremer-Porsche 935 nach 32 Trennungsjahren.

https://www.netzwerkeins.com/2012/10/05/gipfeltreffen-auf-dem-jochpass-axel-plankenhorn-und-die-rueckkehr-in-den-kremer-porsche-935/

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