11. August 1985: Auftakt jenes tragischen Spätsommers, der die beiden deutschen Formel-1-Hoffnungen Manfred Winkelhock und Stefan Bellof binnen dreier Wochen aus dem Leben riss. Zunächst ereilte Manfred Winkelhock (33) das Schicksal. Im kanadischen Mosport, einer zu diesem Zeitpunkt seit acht langen Jahren von der Formel 1 gemiedenen Berg- und Talbahn, raste der Schwabe mit dem Kremer-Porsche 962C in eine Begrenzungsmauer. Er fiel ins Koma und starb am nächsten Tag an den Unfallfolgen.

War es eine Kerbe im Asphalt, die dem rechten Vorderrad eine Delle zufügte und Luft aus dem Reifen entweichen ließ? War es eine gebrochene Radaufhängung? War es ein Blackout? Auch 25 Jahre nach dem Unfalltod des Schwaben Manfred Winkelhock ist die Ursache nach wie vor ungeklärt. Der Todessturz des Porsche-Piloten ereignete sich im kanadischen Mosport, einer Berg- und Talbahn unweit Torontos. Die Formel 1 machte bereits seit acht Jahren einen Bogen um den überalterten Kurs, als am 11. August 1985 gegen zwölf Uhr Ortszeit der sechste Lauf zur Endurance-Weltmeisterschaft startete. Mitfavorit Winkelhock teilte sich das Cockpit des Kremer-962C (Chassis 962.110) mit seinem Freund Marc Surer. Das Duo nahm das Rennen an vierter Stelle auf. Die Berufspiloten lernten sich 1977 im BMW-Junior-Team schätzen. Zusammen mit dem Italo-Amerikaner Eddie Cheever sorgten sie als „legendäre Wilde Reiter GmbH“ in der Deutschen Automobil-Rennsportmeisterschaft für Jadgszenen. 1982 trafen sich Manfred Winkelhock und Marc Surer als Ford-Werksfahrer in der neu installierten Gruppe C wieder. Doch der C 100 erwies sich gegen den Porsche 956 als chancenlos, totale Dominanz des Weissacher Sportmodells war die Folge. Das war auch noch der Fall, als aus dem 956 der 962C hervorging, dessen Pedalerie komplett hinter der Vorderachse angeordnet sein musste. Das Reglement forderte es so – aus Sicherheitsgründen. Doch während sich in der Formel 1 der Werkstoff Kohlefaser durchsetzte, begnügte sich die Gruppe C mit genieteten, technisch überholte Monocoques aus Aluminium-Blechen.

Aus dieser Konstellation – Strecke und Sicherheitstechnik auf dem Stand der siebziger Jahre – ergab sich eine tödliche Falle. Zwei Stunden nach der Freigabe des 1.000-Kilometert-Rennens von Mosport schnappte sie zu. Manfred Winkelhock raste in „Turn 2“, einer abfallenden Linkskurve, raste der Waiblinger in eine Mauer. Die Rettungsaktion verlief katastrophal. Winkelhock fiel ins Koma und starb einen Tag später, ohne sein Bewusstsein wiedererlangt zu haben. Bei rund 200 km/h Restgeschwindigkeit beim Einschlag hatte der 33-Jährige keine Überlebenschance. Zurück in Köln, ließ Kremer Racing das Wrack des 1985 im Werk neu bestellten 962C vom TÜV Rheinland untersuchen. Das Ergebnis: keinerlei Hinweise auf einen technischen Defekt als Unfallursache. Zehn Tage nach der Tragödie bezog Kremer vom Porsche-Kundensport das Ersatz-Fahrgestell 962.114. Beim Bilstein-Supersprint am 22. September 1985 auf dem Nürburgring feierte es unter Marc Surer einen guten Einstand mit Platz eins im Training und Rang zwei hinter Le-Mans-Sieger Paolo Barilla im Rennen. Doch auch für Marc Surer lief die Uhr rückwärts. Bei der Hessen-Rallye 1986 sollte seine Karriere einen tiefen Einschnitt erleiden: mit dem Ford RS 200 verunglückt, Beifahrer und Freund Michel Wyder getötet. Surer überlebte und trat vom aktiven Motorsport zurück. Stefan Bellof und Jo Gartner hatten dieses Glück nicht. Der eine ließ am 1. September 1985 in Spa-Francorchamps sein Leben, der andere am 1. Juni 1986 bei den 24 Stunden von Le Mans. Es war eine schwarze Serie, die bis 1988 anhielt. Die spektakuläre Kollision der Porsche-Werksfahrer Hans-Joachim Stuck und Jochen Mass 1986 auf dem Nürburgring oder Kris Nissens furchtbarer Feuerunfall in Fuji 1988 ließen die Szene nicht zur Ruhe kommen:

Am Anfang dieser dramatischen Zeit stand jedoch das jähe Ende des Manfred „Bibi“ Winkelhock. 25 Jahre später rätseln Experten, was dem gelernten Automechaniker in Kanada zum Verhängnis wurde. Endgültige Klarheit könnte an den Tatsachen zwar nichts ändern, aber immerhin manch hartnäckiges Gerücht aus der Welt des Motorsports schaffen.

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