Recklinghausen. Rennfahrer-Legende Harald „Nippel“ Grohs und der schwarze Vogelsang-BMW M3 sind auch heute noch ein starkes Team: 31 Jahre nach dem historischen DTM-Auftaktsieg am 29. März 1987 auf dem Hockenheimring kam es am Wochenende am Original-Schauplatz zur erfolgreichen Wiedervereinigung. Beim Saisonauftakt der Tourenwagen Classics mischte der inzwischen 74-Jährige mit Startnummer 6 in der Spitzengruppe mit.

Bei hochsommerlichen Temperaturen feierten die Tourenwagen Classics, die neue Kult-Rennserie für Renntourenwagen der achtziger und neunziger Jahre, am Wochenende auf dem Hockenheimring einen stimmungsvollen Start in ihre dritte Saison. Vor mehr als 30.000 Zuschauern bei den Bosch Hockenheim Historics, einer Großveranstaltung für Liebhaber und Besitzer automobilen Kulturgutes, und mindestens nochmals derselben Online-Besucherzahl in den Livestream-Übertragungen boten sie historischen Motorsport in Bestform. Mit dabei: die inzwischen 74-jährige DTM-Legende Harald Grohs mit dem BMW M3 E30 des neu formierten Revival Teams Vogelsang aus Recklinghausen. Vor 31 Jahren landete der langjährige Vertragsfahrer der BMW-Vertretung an der Rottstraße einen historischen Erfolg. Am 29. März 1987 sicherte er sich damals beim DTM-Saisonauftakt den weltweit ersten Sieg eines BMW M3. Mit dieser Leistung schlug der Profi aus Essen den offiziellen Werksteams ein Schnippchen, denn bei seinem schwarzen Vogelsang-BMW mit der Chassis-Endnummer #32 handelte es sich um einen in privater Regie aufgebauten Gruppe-A-Teilekit, den das Werk an alle Teams identisch auslieferte. Gotthard „Harry“ Valier führte das Projekt in seiner Erdiger Werkstatt im Lohnauftrag durch. Der Triumph der Mannschaft um Teammanager Hans-Joachim Wietheger war ein Meilenstein in der Geschichte des Unternehmens. An dieses Husarenstück erinnerte Harald Grohs am vergangenen Wochenende am Original-Schauplatz.

Inzwischen gehört der authentisch restaurierte Siegerwagen einem Motorsport-Enthusiasten. Ralph Bahr (47), Unternehmer aus Wiesbaden, ist Erfinder und einer der drei Initiatoren der Tourenwagen Classics. Seinen wertvollen Zeitzeugen auf Rädern stellt er nicht etwa in sein Privatmuseum, sondern er setzt ihn ersthaft in den 40-Minuten-Rennen der Classics ein. Dazu hat er für diese Saison gemeinsam mit Horst Vogelsang ein Revival Team formiert und mit Harald Grohs den damaligen Original-Fahrer für die gesamte Saison 2018 verpflichtet. Ein kurz vor dem Jahreswechsel zusätzlich angeschaffter BMW 325i rundet das Aufgebot ab. Dabei handelt es sich um den Original-Einsatzwagen, den Olaf Manthey 1986 im Vogelsang-Auftrag in der Deutschen Tourenwagen-Meisterschaft an den Start brachte. Er wird in vier Wochen, beim zweiten Wertungslauf der Tourenwagen Classics auf dem Lausitzring, mit seinem ehemaligen Dienstwagen zusammengeführt. Um dem inzwischen 63-Jährigen ein optimal vorbereitetes Fahrzeug zur Verfügung zu stellen, lief der 325i auf dem Hockenheimring schon einmal zu Testzwecken mit. Im Tourenwagen Revival, einer Gleichmäßigkeitsprüfung für klassische Renntourenwagen, drehten sowohl Harald Grohs als auch Ralph Bahr ihre Runden. Bahr lag an zweiter Stelle des Zwischenklassements, als er zwei Umläufe vor Schluss freiwillig die Boxen ansteuerte.

Heißer wurde es dem ProAm-Duo – ein Profi und ein Amateur teilen sich in dieser Konstellation ein Cockpit – im 1987 erstmals eingesetzten Vogelsang-BMW M3 bei den Tourenwagen Classics. Bereits im ersten Qualifying hatte Harald Grohs mit der Startnummer 6 nach zwei Runden mit austretendem Kühlwasser zu kämpfen. Er drehte sich auf der eigenen Kühlflüssigkeit und beendete das erste gezeitete Training aus Sicherheitsgründen. Ralph Bahr, im zweiten Qualifying bis auf fünf Zehntelsekunden gleich schnell unterwegs, meldete gleichsam Temperaturprobleme. Dem Vierzzylinder-Vierventilmotor mit der legendären Spezifikation „S14“ wurde es wieder zu heiß. Bei der technischen Durchsicht entdeckten die Mechaniker einen Haarriss im Ventildeckel, einem Originalteil aus alter Zeit. Generell wird soviel historische Grundsubstanz wie möglich erhalten, um dem Geist des klassischen Tourenwagen-Rennsports zu entsprechen. Das Revival Team Vogelsang erreichte dennoch den zehnten Startplatz.

Am Rennsonntag schien eine weitere Verbesserung in Reichweite zu liegen. Ralph Bahr orientierte sich sofort nach der Startfreigabe nach vorn, und Harald Grohs attackierte nach dem Fahrerwechsel zur Rennmitte umso mehr. Kurz vor dem Fallen der Zielflagge kehrten die Temperaturprobleme jedoch zurück. Grohs musste das Tempo verlangsamen, um keinen Ausfall zu riskieren. Unmittelbar nach dem Überqueren der Ziellinie ließ er ausrollen, um die seltenen Motorkomponenten zu schonen. Die sportliche Ausbeute konnte sich unter diesen Umständen sehen lassen: Gesamtrang neun, dazu der vierte Platz in der Klasse 3 der Gruppe-A-Fahrzeuge. Bereits in vier Wochen nimmt das Revival Team Vogelsang, dann mit zwei BMW-Rennfahrzeugen, auf dem Lausitzring bei Berlin die Chance zu weiterer Verbesserung wahr. Die heutige DTM bietet die Rahmenveranstaltung. Mehr als 50.000 Zuschauer werden dann erwartet.

Verantwortlich für den Inhalt: Carsten Krome Netzwerkeins