Zwei Schwesterfahrzeuge nach 26 Jahren beim #CupRevival wieder im Paarlauf vereint: Sympathischer hätte die Event-Premiere am Wochenende auf dem Hockenheimring kaum verlaufen können. Das neue, innovative Veranstaltungsformat für klassische Cup-Porsche vom ersten 944 turbo Cup bis hin zum 911 GT3 der Generation 996 im Rahmen des Tourenwagen Revivals hinterließ auf Anhieb einen guten Eindruck. Zwei schnelle Eidgenossen kamen in der Gesamtwertung auf Podiumsränge.

Prima Klima: Als Sammler und Connaisseur historischer Porsche-Rennsportwagen wusste Kuno Schaer die entspannte Atmosphäre im Fahrerlager besonders zu schätzen; Fotografie: Comino by Sylvia Pietzko

2018 gehen die Gleichmäßigkeitsprüfungen (GLP) des Tourenwagen Revivals in ihre zehnte Saison. Promoter Alexander Ferreira nimmt dies zum Anlass, ein neues Veranstaltungsformat in die Serie zu integrieren. Das #CupRevival vereint Originalfahrzeuge aus der mehr als 30-jährigen Geschichte der Porsche-Markenpokale. Zugelassen sind 944 turbo Cup sowie 911 Carrera Cup bis hin zum Typ 996 der ersten Generation. Der sportliche Wertungsmodus ist denkbar einfach: In der zweiten fliegenden Runde setzen die Teilnehmer ihre eigene Sollzeitrunde. Im Anschluss daran liegt die Aufgabenstellung darin, bis auf die Zehntelsekunde genau an die eigene Sollzeit heranzufahren. In der Addition der Rundenzeiten liegt schlussendlich der Fahrer mit der geringsten Abweichung vorn. Das Konzept kommt an. Mario Ketterer, 1979 in der legendären Deutschen Automobil-Rennsportmeisterschaft auf einem ebenso legendären Ford Escort turbo von Erfolgstuner Erich Zakowski unterwegs, erkennt: „Ich bin selbst mit einem Porsche 911 RSR im historischen Motorsport aktiv. Am #CupRevival gefällt mir der wertschätzende Umgang miteinander – es gibt keine Überholmanöver und damit auch kein großes Unfallrisiko. In anderen Veranstaltungsformaten muss man stets fürchten, unverschuldet in eine Kollision verwickelt zu werden. Dieses Prinzip entspricht nicht mehr der Wertentwicklung unserer Fahrzeuge.“ In diese Einschätzung stimmen auch Sebastian „Baschdi“ Sommer und Heinrich „Heiner“ Botz ein. Beide Porsche-Spezialisten waren bereits Klassenkameraden in der Porsche Classic Car Kumho Trophy. „Tolle Sache“, kommentierten sie unisono, „wäre die Vorbereitungszeit länger gewesen, wären wir mit unseren 1991er Porsche 911 Carrera Cup bereits auf dem Hockenheimring dabei. So wird es mit unserem Serien-Einstieg noch etwas dauern – aber wir starten ganz bestimmt!“

Porsche Carrera Cup 1992 in Zolder, Belgien: Philipp Müller mit dem soeben in Betrieb genommenen Chassis #WPO ZZZ 96 ZNS 49 8013, heute im Besitz von Kuno Schaer: Fotografie: Carsten Krome Netzwerkeins

So liegt es an zwei Eidgenossen, das #CupRevival erfolgreich zu eröffnen. Kuno Schaer und Marcel Höltschi sitzen in zwei Porsche 911 (964) Cup des Jahrgangs 1992, die seinerzeit Schwesterfahrzeuge im Team des Schweizer Gipser-Meisters Philipp Müller gewesen sind. 2014 erfolgte, unterstützt durch Sebastian Sommer, die Zusammenführung. Er zog im Hintergrund die Fäden, als Marcel Höltschi das ehemals von seinem Landsmann Paul „Himmelhund“ Hunsperger in der Porsche Classics Car Kumho Trophy gefahrene und durch Heinz Reust in Affeltrangen unweit der Bodensee-Region restaurierte Original-Chassis mit der Fahrzeug-Identifikationsnummer (FIN) WPO ZZZ 96 ZNS 49 8007 vor vier Jahren übernahm. Kuno Schaer brachte die Chassisnummer WPO ZZZ 96 ZNS 49 8013 mit an den Hockenheimring – 1992 von Philipp Müller im Carrera-Cup-Finalrennen an gleicher Stelle zum Sieg gefahren. Zur Saison 1993 wechselten die beiden Schwesterfahrzeuge in den internationalen Porsche Pirelli Supercup, Sandro Angelastri war der Zweite im Bunde, ein drittes Chassis gesellte sich für die Schweizer Pilotin Lilian Keller hinzu. Die zierliche Blondine machte schon bald die Bekanntschaft mit Enzo Calderari und nahm ihren Mädchennamen Bryner wieder an – das neue Traumpaar tat sich ab 1994 im GT-Langstreckensport zusammen. 1995 sicherten sich Lilian Bryner und Vincenzo Calderari auf Porsche 911 (993) GT2 den prestigeträchtigen Porsche-Cup, eine Preisgeld-Wertung mit langer Tradition. An diese Jahre erinnerten Marcel Höltschi mit der Startnummer 14 und Kuno Schaer mit der Startnummer 28 beim #CupRevival. Mit spürbarer Begeisterung führten sie sich in die große Familie des Tourenwagenwagn Revivals ein. Eigens war für die Teilnehmer ein Zelt errichtet worden, das Mensch und Maschine gleichermaßen aufnahm und Gedanken an Formate wie Classic Endurance Racing (CER) von Patrick Peter aufkommen ließ.

Sieger des ersten CupRevivals auf dem Hockenheimring: Kuno Schwer brachte den 1992 eingesetzten Porsche 911 (964) Carrera Cup seines Schweizer Landsmannes Philipp Müller mit; Fotografie: Comino by Sylvia Pietzko

Im Paarlauf umrundeten die beiden Schweizer Sportfahrer in den Wertungsläufen den Kurs – ein schönes Bild, das die Besucher der Bosch Hockenheim Historics um 26 Jahre zurück in die Saison 1992 versetzte, als der junge Betzdorfer Uwe Alzen den Porsche Carrera Cup Deutschland gewann und so den Grundstein zu einer großen Rennfahrer-Karriere legte. Das Duo aus dem Land Wilhelm Tells stellte in beiden Durchgängen den Zweiplatzierten in der Gesamtwertung: Einmal fuhr Kuno Schaer voraus, einmal Marcel Hatschi. Letztrer profitierte von einem Reifenproblem am Ex-Müller-Porsche. Gleichzeitig half er seinem Freund und Fahrerkollegen auch aus der Patsche, im dem er ihm einen Satz Reservereifen leihweise zur Verfügung stellte. „Aber nur die langsamsten Pneus im Sortiment“, kicherte er auf dem Siegerpodest, „ich bin doch nicht verrückt und riskiere eine gute Platzierung!“ Auch wenn diese Aussage mit einem Augenzwinkern fiel, ist ein gesunder sportlicher Ehrgeiz auch beim #CupRevival durchaus angebracht. Bis zum nächsten Lauf auf dem Nürburgring darf das Feld der Cup-Porsche noch wachsen. Startberechtigt sind nicht nur 911 Carrera Cup bis hin zum Typ 996 der ersten Serie, sondern auch 944 turbo Cup. Auch Marcel Höltschi und Kuno Schaer werden wieder mitfahren. „Wir haben uns sehr wohlgefühlt“, konstatierte Schaer im Weggehen, „vielen, vielen Dank für alles!“

Porsche 911 Carrera Cup Coupé, 1992, WPO ZZZ 96 ZNS 49 8013
«MacSource»: Ex-Philipp Müller/Stadler Tuning, Siegerwagen des Carrera Cup Finalrennens 1992 auf dem Hockenheimring; Fotografie: Comino by Sylvia Pietzko

#CupRevival: die weiteren Termine.

15.06.2018 – 17.06.2018
2. Meisterschaftslauf
Nürburgring Classic
Nürburgring

11.08.2018 – 12.08.2018
3. Meisterschaftslauf
AvD-Oldtimer-Grand-Prix
Nürburgring

15.09.2018 – 16.09.2018
4. Meisterschaftslauf
Histo Cup Salzburg
Salzburgring

Verantwortlich für den Inhalt: Carsten Krome Netzwerkeins

Kontakt: cupclassics@web.de

Fotografie: Comino by Sylvia Pietzko

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http://www.netzwerkeins.com/2018/03/29/cuprevival-2018-ein-neuer-anfang/