Urschwäbisch, bodenständig, nett – und verteufelt schnell: Das ist die Tuttlinger Familie Sommer, die sich nicht nur dank ihrer historischen Porsche-Fahrzeuge einen guten Namen gemacht hat. Wo immer Ingrid, Manfred, Sebastian und Florian Sommer ihre Zelte aufschlagen, geht es gastfreundlich zu. In den Fahrerlagern Europas zählen sie noch immer zu den beliebtesten Stammgästen. Alljährlich zelebrieren sie ihre Teilnahme am AvD-Oldtimer-Grand-Prix auf dem Nürburgring. Während ihr 1974 als eines von 109 Exemplaren weltweit produzierter Porsche Carrera RS 3.0 selten bis nie durch Rauchzeichen aufgefallen ist, steht der Grill fast ohne Unterbrechung unter bläulichem Rauch. Und wer den Sommers am Herzen liegt, den laden sie gerne ein – fröhliche Einkehr unter freiem Himmel, für sie selbst wie für ihre Gäste gleichermaßen oft genug das Highlight einer jeden Rennsaison. Auch beim 21. Jochpass Oldtimer-Memorial ist Sebastian “Baschdi” Sommer wieder mit von der Partie.

Obendrein haben Vater und Sohn von 2006 an im Revival der Deutschen Automobil-Rennsportmeisterschaft, der legendären DRM, ganz oben mitgespielt. Regelmäßig gelang es Sebastian “Baschdi” Sommer, trotz eines erheblichen Leistungsnachteils gegenüber den bis zu 750 PS leistenden Boliden der Gruppe 5, unter den zehn Besten mitzufahren. Mehr war kaum zu erwarten von einem Original-Fahrzeug aus den frühen siebziger Jahren, für das Vater Manfred eine liebevolle Kategorisierung bereithielt: “Blechäutole”. Von wuchtigen Kotflügel-Verbreiterungen aus “Plaschtik” hielten beide Generationen nicht besonders viel. Ihre Autos sind so wie sie selbst: grundehrlich, auf das Wesentliche reduziert.

Es war eine Frage der Zeit, bis sich die Truppe nach dem Gesamtsieg in Siggi Hafners Porsche Classic Car Kumho Trophy 2005, der PCC, für den historischen Bergsport interessieren würde. Ein Gastspiel beim Haldenhof-Revival am Bodensee noch im Spätherbst 2005 wies ihnen den Weg. Acht Jahre später waren “Baschdi” Sommer und seine lieben Anverwandten schließlich angekommen – in Bad Hindelang, beim 15. Jochpass Oldtimer-Memorial im Oktober 2013. Obendrein brachten sie einen Tuttlinger Freund und ehemaligen Nachbarn mit: Axel Plankenhorn, eine Rennlegende mit erfolgreichen Starts bei den 24 Stunden von Le Mans auf Porsche. Er war bereits ein Jahr zuvor am Jochpass mit von der Partie, damals noch auf dem Kremer-Porsche 935 K2 mit 690 PS. Vor sechs Jahren kam er mit einem Drittel der gewohnten Motorkraft aus, doch das machte dem Routinier nichts aus. Es ging schließlich nicht um absolute Bestzeiten, sondern um Gleichmäßigkeit. Und die ist von wüsten Beschleunigungsorgien unabhängig. 200 PS sind ihm damals aus einem 2,4 Liter großen, seriennah aufgebauten Sechszylinder-Boxermotor zur Verfügung gestellt worden. Installiert war dieses durch den Bremer Triebwerks-Spezialisten Manfred Rugen präparierte Schmuckstück im Original-Gesamtsiegerwagen der Porsche Classic Car Kumho Trophy 2005, einem 1973er Porsche 911 S 2.4 Coupé. Kaum ein anderer Klassiker aus der Porsche-Historie ist auf dem Sammlermarkt ähnlich lebhaft nachgefragt – Zeitgeist auf Rädern, der zwischen Bad Hindelang und Oberjoch zu erleben war.

Im Oktober 2013 kam diesem Fahrzeug und auch dem Schwesterauto, einem zum 911 S/T (FIA-Homologation 3025) aufgebautem 911 T aus dem Produktionsjahr 1970, am Jochpass eine besondere Rolle zu. Beide Porsche nahmen als #YellowCab2Cloud – mit wechselnden Passagieren – am Jochpass-Oldtimer-Memorial aktiv teil. Nicht nur diese Idee war innovativ. Akzente setzte auch die neue, detaillierte Erfassung und Übermittlung sämtlicher Fahrdaten, die auf der 6,8 Kilometer langen Natur-Rennstrecke mit ihren 107 Kurven generiert worden waren. “Baschdi” Sommer erklärte damals: “Bei einer Gleichmäßigkeitsprüfung auf einer anspruchsvollen Bergstraße wie dem Jochpass kommt es auf Präzision an. Ich kann meine Lernkurve als Fahrer ganz erheblich steigern, wenn ich die Chance erhalte, mich genauestens zu informieren, meine persönliche Performance und die meines Porsche 911 noch besser zu verstehen.” Obendrein sieht er im “Connected Car”, dem voll vernetzten Auto, einen Service für alle Daheimgebliebenen. Über eine Online-Einwahl bestand vor sechs Jahren erstmals die Möglichkeit, von überall in der Welt aus am Jochpass interaktiv dabeizusein – die Anfänge des heute überaus populären Livestreamings im motorisierten Breitensport.

Spontan erklärte sich Familie Sommer zum Einsatz des zweiten Elfers spontan bereit. Eins stand schon vorher fest: Der Grill im Porsche-Zelt der Familie Sommer, er würde wieder unter Rauch stehen, und für die Reifen der stets gelb lackierten Porsche-Klassiker galt dasselbe – sie wurden auch an Oktobertagen gekonnt auf Betriebstemperatur gehalten. Einen nachhaltigen Beweis dafür  lieferte “Baschdi” Sommer beim Saisonauftakt der FHR-Langstrecken-Rennserie im Frühjahr 2013 auf dem Hockenheimring. Zusammen mit Volker Weber aus Hamburg sicherte sich der rasende Steinmetz im Dreistunden-Rennen den Gesamtsieg.

Text: Carsten Krome Netzwerkeins
Fotos: Carsten Krome Netzwerkeins

werk1 shortcut – tech data in kurzform

Fahrzeugtyp: 1970er Porsche 911 T 2.2 Coupé, Aufbau zum 911 S/T Coupé 2.3

Fahrzeug-Identifikationsnummer (FIN): 911 012 1902

Motor:  periodenspezifischer, durch Manfred Rugen aufgebauter Sechszylinder-Boxer mit 270 PS aus 2.381 ccm effektivem Hubraum

Fahrzeuggewicht: 960 kg gemäß FIA-Homologation 3025 (Gruppe 4/ Spezial-GT-Fahrzeuge) bis 31.12.1971

Höchstgeschwindigkeit: zurzeit übersetzt auf 245 km/h

Fahrer: Sebastian „Baschdi“ Sommer, geboren am 5.6.1982

wichtigster bisheriger Erfolg: 2013 mit Volker Weber, Hamburg, Gesamterster des FHR-Dreistunden-Langstreckenrennens auf dem Hockenheimring

#911Höhenmeter Rennfahrer Sebastian "Baschdi" Sommer nimmt sie mit – im Porsche-Renntaxi beim 22. Jochpass-Oldtimer-Memorial

Über die Berge zu mir selbst: Worum es am Jochpass eigentlich geht. Eine Reflektion von Carsten Krome, Solopreneur und Autor.

Tach zusammen!

Da, wo ich herkomme, begrüßt man sich so. Bei uns zuhause in Moers am Niederrhein mach(t)en das alle so, der Kabarettist Hanns-Dieter Hüsch zu Lebzeiten allen voran. “Tach zusammen!” – das bedeutet nicht zuletzt Gemeinschaft: Du und ich, wir sind unter uns hier, gehalten von sinnvollen und manchmal auch weniger sinnvollen Systemen.

So wie ich, als ich vor bald zehn Jahren, an Weihnachten 2009, von meiner damaligen Frau Sandra ein Buch geschenkt bekam. Es beschrieb die Alpendurchquerung eines zwei Jahre zuvor aus dem Top-Management einer Investmentbank ausgestiegenen, nur drei Jahre älteren Mannes: Rudolf Wötzel, Jahrgang 1963. Von Salzburg aus lief er 1.800 Kilometer nach Nizza – nicht einfach so. Unterwegs begegnete er wilder Natur, urtümlichen Menschen – und seinen eigenen Schatten.

Ich habe das Buch “Über die Berge zu mir mir selbst” nie zu Ende gelesen. Ich konnte es einfach nicht ertragen. Während ich auf der Stelle einen rot-grauen Rucksack für mindestens zehn Wandertage kaufte und bis zum heutigen Tag unbenutzt in die Ecke stellte, tat der einstige Leistungsjunkie Wötzel genau das, was ich mir insgeheim erträumte. Denn mein Leben auf der vermeintlichen Insel der Glückseligen war nichts als Attrappe. Zwar war ich Chefideologe einer monatlich erscheinenden Porsche-Zeitschrift, aber die Gehaltszahlungen gingen seit Oktober 2008 mit immer größerer Verspätung und manchmal auch gar nicht ein. Das passte nicht zur Vermutung von Luxus und erfülltem Leben und ich geriet zuerst in Unruhe, später dann in Panik.

Zuhause – da waren ein zweijähriges Mädchen, mein geliebtes Kind, meine studierende, zehn Jahre jüngere Ehefrau. Ich spürte, die Verantwortung nicht mehr allzu lange übernehmen zu können. In genau dieser Zeit nahm ich immer wieder Rudolf Wötzels Buch zur Hand, legte es aber auch wieder zur Seite, ich fand auf meine Fragen keine Antworten. Als sich die Lage zuspitzte, gab ich dem eigenen Missstand im Juni 2013 zwar einen anderen Standort und auch einen veränderten Namen, ich änderte aber am System nichts. Und auch das ging – wie kaum anders zu erwarten – krachend schief. Erst am 29. Januar 2018 schwenkte ich, zunächst einer Notlage gehorchend, auf meinen Weg ein. Meinen ureigenen.

Ich war ein halbes Jahr auf diesem neuen Weg unterwegs, da verschlug es mich in die Schweizer Berge. Zufällig, ich hatte einen Job in Italien. Auf dem Rückweg ergab es sich, dass ich auf der Passhöhe des Sankt Gotthard auf mehr als 2.000 Metern Meereshöhe eine Rast einlegte – und sofort wie verzaubert war von der so wild zerklüfteten Bergwelt. Mehr noch wunderte es mich, wie frei meine Gedanken auf einmal waren, wie leicht und wie konkret sich Veränderung auf einmal anfühlte. Schon auf meinen alpinistisch unbedeutenden Wanderungen durch die Allgäuer Bergwelt von 1980 bis 2010 hatte ich 30 Jahre lang stets das Gefühl, Gott dort oben näher zu sein als in der Ebene, in Moers, am Niederrhein. Da, wo alle “Tach zusammen!” sagen und eben nicht “Grüß Gott!”

Im gleichen Moment kam, hoch oben auf dem Sankt Gotthard, der Gedanke an die Rückkehr an den Jochpass auf – als Begleiter unternehmerischer Menschen, die so sind, wie ich es schon einmal gewesen bin: eigentlich ja am Ziel, und doch noch weit davon entfernt. Dieser Zustand kann kritisch sein, gefährlich mitunter, zerstörerisch, er kann das Leben kosten. Darum finde ich es wichtig, Menschen eine Inspiration zu geben auf ihrem Weg zu sich selbst. Nicht jeder macht es wie Rudolf Wötzel und schafft es ganz allein, das “Horu” inbegriffen. Damit ist das Matterhorn in Zermatt, Schweiz, gemeint – mein Traumberg, an dem ich niemals gewesen bin. Weil mein eigener Weg noch nicht ganz zuende gegangen ist? Ja, ich habe diese Vermutung.

Vielleicht kann ich es eines nicht allzu fernen Tages ertragen, meinem Traumberg gegenüber zu stehen, weil er einfach da ist, rosa schimmernd wie auf dem berühmten Bild von Hajime Shirakawa, in der Abendsonne. Vielleicht kann ich dann auch das Buch von Rudolf Wötzel zuende lesen – das Buch und ich, wir hätten es verdient! Denn inzwischen bin ich selbst ein Fachmann in Sachen Veränderung. Ein Renntaxi-Erlebnis auf dem Jochpass kann Perspektiven verändern. Das möchte ich zeigen – ausgerechnet an jenem Ort, der 1973 Schauplatz des ersten Veränderungsprozesses meines damals noch sehr jungen Lebens eines Erstklässlers gewesen ist: in Bad Hindelang. Dort lernte ich als asthmakrankes Kind, das bergauf gehen auch mit Atemnot machbar ist und, einmal oben angekommen, sogar glücklich macht.

Es war der erste Berg, den ich versetzt habe, und so viele weitere folgten. Bis zum heutigen Tag. Denn inzwischen laufe ich auch wieder, sogar wieder bergauf.

Ich lade Sie herzlich ein, mir in die (Allgäuer) Berge zu folgen – das Imberger Horn liegt direkt über dem Fahrerlager!

Ihr und Euer Carsten Krome

Fahren Sie mit über den Jochpass – auf Carsten Krome Netzwerkeins @YouTube: das passende Erlebnis zur Einstimmung!