17. Int. ADAC 24-Stunden-Rennen Nürburgring, 17./18. Juni 1989: Premiere für drei Porsche 911 Carrera 3.2 Clubsport Coupé M 637 beim Eifel-Klassiker.

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© Carsten Krome Netzwerkeins

Nach dem überraschenden Gesamtsieg eines zu diesem Zeitpunkt bereits 16 Jahre alten Porsche Carrera RSR beim 16. Int. ADAC 24-Stunden-Rennen Nürburgring 1988 machten die unterlegenen DTM-Hersteller Ford, BMW, Mercedes-Benz und Opel ihren Einfluss auf die technischen Spielregeln beim Eifel-Klassiker geltend. Fortan sollte es nicht mehr möglich sein, mit einem privat eingesetzten Altwagen aus den siebziger Jahren die Werksteams zu demütigen. Und so verbannte der veranstaltende ADAC Nordrhein die auf dem 1982 abgelösten Anhang J beruhende Gruppe H aus dem Wettbewerb.

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Da Porsche aufgrund der klar umgrenzten Innenraummaße kein Fahrzeug in der Gruppe A oder in der freizügigeren DTM-Gruppe A homologiert hatte, blieb allein der Umweg über die seriennahe Gruppe GTN. Zwar durften hier die Motorleistung und die Ausführung der Bremsanlage nicht verändert werden, aber zumindest das Hinzufügen eines Sperrdifferenzials und der üblichen Sicherheits-Einrichtungen waren erlaubt. Hingegen musste die Ausstattung des Fahrgastraums einschließlich des Teppichbodens und der Türverkleidungen unangetastet bleiben. Dies entsprach den Bestimmungen der Gruppe N für seriennahe Tourenwagen zur gleichen Zeit. 

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Im Bemühen, den zuletzt mit dem Carrera RSR und dem 944 turbo Cup bei den Langstreckenrennen auf der Nürburgring-Nordschleife erfolgreichen Kunden kurzfristig Ersatz anbieten zu können, setzte Porsche auf ein heute kaum noch bekanntes Sondermodell, das 911 Carrera 3.2 Clubsport Coupé M 637. Für den deutschen Markt waren eine Stückzahl von lediglich 141 Fahrzeugen vorgesehen und weitere 53 Einheiten mit Rechtssteuerung für Großbritannien. Während der Sechszylinder-Saugmotor mit 231 PS sowie die Bremssattel-Gehäuse serienmäßig bleiben mussten, waren zumindest eine 40-prozentige Differenzialsperre und ein sportlicher abgestimmtes Fahrwerk im Lieferumfang enthalten.

Drei deutsche Privatteams orderten ein Porsche 911 Carrera 3.2 Clubsport Coupé M 637, um damit am 17. Int. ADAC 24-Stunden-Rennen Nürburgring am 17. und 18. Juni 1989 teilzunehmen.

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Startnummer 202, Porsche 911 Carrera 3.2 Clubsport Coupé M 637

Gruppe GTN

Bewerber: U.W.E Motorsport

Uwe Eickwinkel/Karl-Heinz Wlazik/Dr. Darius Ahrabian

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Startnummer 201, Porsche 911 Carrera 3.2 Clubsport Coupé M 637

Gruppe GTN

Bewerber: Stade´s leicht RSR Racing Team

Edgar Dören/André Hardy/Jürgen Barth

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Startnummer 204, Porsche 911 Carrera 3.2 Clubsport Coupé M 637

Gruppe GTN

Bewerber: Scuderia Teutonia e.V.

Hans Hermann Niemann/Jürgen Schorn/Karl Heinz Wieschalla

Zwei Porsche 944 turbo S flankierten den Auftritt, zum Teil mit Rennen fahrenden Ingenieuren aus dem Porsche-Fahrversuch (Horst Gallas, Roland Kussmaul) an den Volants. Der angekündigte Einsatz von Hans-Joachim Stuck kam indes nicht zustande.

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Startnummer 200, Porsche 944 turbo S

Gruppe GTN

Bewerber: Wehmeier & Castrup, Porsche Bielefeld

Roland Kussmaul/Walter Röhrl/Knuth Mentel

 

Startnummer 203, Porsche 944 turbo S 1987

Gruppe GTN

Bewerber: Hans-Peter Lehmann

„hpl liemans“/Horst Gallas/Thomas Lischke

Porsche 911 Carrera 3.2 Clubsport Coupé M 637: technische Konfiguration

141 gebaute Fahrzeuge für den BRD-Markt, 53 Einheiten mit Rechtssteuerung

Erstzulassung: 06.1989

Fahrzeugtyp: 911 330 / 3,2 Clubsport

FIN/VIN: WP0 ZZZ 91 ZKS 10 xxxx

Motortyp / Nr.: M930/20 SP

Getriebetyp / Nr.: G50/00 

Individualausstattungen:

167 Reifenfabrikat Bridgestone

220 Sperrdifferenzial 40 %

243 verkürzter Schalthebel

377 Kombisitz li manuell verstellbar

378 Kombisitz re manuell verstellbar

451 reduzierte Radiovorbereitung

473 Bug- und Heckspoiler

474 sportliche Stossdämpfer vorn und hinten

637 Club-Sport „CS“

17. Int. ADAC 24-Stunden-Rennen Nürburgring, 17./18. Juni 1989: sportliches Ergebnis

Mit dem achten Gesamtrang erzielte der Münchner Leasing-Unternehmer Dr. Darius Ahrabian gemeinsam mit den Bottroper Langstrecken-Spezialisten Uwe Eickwinkel und Karl-Heinz Wlazik das beste Resultat des neuen Porsche 911 Carrera 3.2 Clubsport Coupé M 637. Mit 128 Umläufen – das Siegerteam Pirro/Ravaglia/Giroix auf Schnitzer-BMW M3 ließ 143 Runden notieren – lagen sie nach 24 Rennstunden innerhalb derselben Runde wie Jürgen Barth, Edgar Dören und André Hardy, die ein „Grand-Prix“-weißes Porsche 911 Carrera 3.2 Clubsport Coupé M 637 aus dem Bestand von Michael “Micky” Beilke aus Düsseldorf auf dem neunten Gesamtrang ins Ziel brachten.

Auf dem 17. Gesamtrang und 124 zurückgelegten Umläufen ebenfalls im Ziel: Hans Niemann, Karl-Heinz Wieschalla und Fahrzeugbesitzer Jürgen Schorn im unischwarzen Exemplar. Schorn, Gerüstbau-Unternehmer aus Leverkusen,  war von 1987 an einer der Pioniere des Porsche 911 Carrera 3.2 im Langstrecken-Rennsport, den er als Serienfahrzeug ohne den 1989 homologierten Heckspoiler einsetzte und gegen die Clubsport-Ausführung tauschte.

Kennzeichnend für alle drei Fahrzeuge war ihr kurzer denkbar Verblieb in der Rennszene auf dem Nürburgring. Dies mag auf einen markeninternen Opponenten zurückzuführen gewesen sein. Der Porsche-Versuchsingenieur Roland Kussmaul, Rallye-Weltmeister Walter Röhrl und Knuth Mentel vom Porsche Zentrum Bielefeld (Wehmeier & Castrup) kamen mit drei Runden Vorsprung auf das schnellste Porsche 911 Carrera 3.2 Clubsport Coupé M 637 auf Rang sieben in der Gesamtwertung. Ihr Fahrzeug: ein Porsche 944 turbo S Coupé mit (offiziell) 250 PS aus dem Werksversuch. Die Vorteile des Transaxle-Boliden lagen auf der Hand: neben gut 20 PS mehr Motorleistung die bessere Gewichtsverteilung und Aerodynamik. Die kurze Karriere des Porsche 911 Carrera 3.2 Clubsport Coupé M 637 kommt heute Sammlern in aller Welt zugute, denn mit einem Marktwert von plusminus 300.000 EUR hat sich der kleine, unscheinbare Zeitzeuge seines Schattendaseins längst entledigt. Er war aber noch viel mehr: der Wellenbrecher für den drei Jahre später mit großem Erfolg in den Weltmarkt eingeführten Porsche 911 (964) Carrera RS N/GT, von dem 290 Einheiten auf der Langstrecke – auch auf der Nürburgring-Nordschleife – reüssierten.

17. Int. ADAC 24-Stunden-Rennen Nürburgring, 17./18. Juni 1989: die Resultate

Veranstalter: ADAC Nordrhein e.V., Köln

Nordschleife und GP-Strecke, 25.359 Meter

Samstag, 17. Juni 1989

16:00 Uhr 24-Stunden-Rennen Nürburgring | Rennen

Sonntag, 18. Juni 1989

16:00 Uhr 24-Stunden-Rennen Nürburgring | Zieleinlauf

Gesamtergebnis Plätze 1 bis 10

1.

Startnummer 35

BMW M Team Schnitzer

Emanuele Pirro/Roberto Ravaglia/Fabien Giroix

BMW M3

143 Runden

2.

Startnummer 36

BMW M Team Linder

Altfrid Heger/Harald Grohs/Olaf Manthey

BMW M3

142 Runden

3.

Startnummer 2

Ford Motorsport Tean Eggenberger

Gianfranco Brancatelli/Alain Ferté/Thomas Lindström

Ford Sierra RS 500 Cosworth

139 Runden 

4.

Startnummer 34

BMW Faltz Team Essen/Valier/Dorint Hotels 

Otto Altenbach/Jürgen Lässig/Jürgen Oppermann

BMW M3

136 Runden

5.

Startnummer 21

Auto Budde Team

Udo Schneider/Gunnar Hermann/Hermann Tilke

BMW 325i

136 Runden   

6.

Startnummer 33

BMW M Team Zakspeed

Steve Soper/Dieter Quester/Franz Dufter

BMW M3

136 Runden

7.

Startnummer 200

Wehmeier & Castrup Team Porsche Bielefeld

Roland Kussmaul/Walter Röhrl/Knuth Mentel

Porsche 944 turbo S

132 Runden 

8.

Startnummer 202

U.W.E Motorsport

Uwe Eickwinkel/Karl-Heinz Wlazik/Dr. Darius Ahrabian

Porsche 911 Carrera 3.2 Clubsport Coupé M 637

129 Runden 

9.

Startnummer 201

Stade’s leicht RSR Racing Team

Edgar Dören/André Hardy/Jürgen Barth

Porsche 911 Carrera 3.2 Clubsport Coupé M 637

129 Runden  

10.

Startnummer 105

AC Schnitzer Automobile Technik

Manfred Wollgarten/Annette Meeuvissen/Carlos Palma

BMW M3

128 Runden  

Klasse 11, Gruppe GTN | Gestartet: 6, Gewertet: 5

Klasse: 1. | Gesamt: 7.

Startnummer 200

Wehmeier & Castrup Team Porsche Bielefeld

Roland Kussmaul/Walter Röhrl/Knuth Mentel

Porsche 944 turbo S

132 Runden

Durchschnitt: 139,394 km/h

Rundenbestzeit: 10.14,29 Min.

Klasse: 2. | Gesamt: 8.

Startnummer 202

U.W.E Motorsport

Uwe Eickwinkel/Karl-Heinz Wlazik/Dr. Darius Ahrabian

Porsche 911 Carrera 3.2 Clubsport Coupé M 637

129 Runden

Durchschnitt: 136,198 km/h

Rundenbestzeit: 10.31,75 Min. 

Klasse: 3. | Gesamt: 9.

Startnummer 201

Stade’s leicht RSR Racing Team

Edgar Dören/André Hardy/Jürgen Barth

Porsche 911 Carrera 3.2 Clubsport Coupé M 637

129 Runden

Durchschnitt: 136,084 km/h

Rundenbestzeit: 10.20,67 Min.

Klasse: 4. | Gesamt: 17.

Startnummer 204

Scuderia Teutonia e.V.

Hans Hermann Niemann/Jürgen Schorn/Karl Heinz Wieschalla

Porsche 911 Carrera 3.2 Clubsport Coupé M 637

123 Runden

Durchschnitt: 129,127 km/h

Rundenbestzeit: 10.59,95 Min.

Nicht gewertet:

Startnummer 203

Bewerber: Hans-Peter Lehmann

„hpl liemans“/Horst Gallas/Thomas Lischke

Porsche 944 turbo S 1987

Durchschnitt: 110,854 km/h

Rundenbestzeit: 10.22,70 Min.

 

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