Einen Rennwagen aufbauen als Teambuilding-Maßnahme, noch dazu einen Porsche: eine nicht allzu häufig gehörte Idee. Wenn dazu noch ein Sieg auf dem Nürburgring kommt, wird es außergewöhnlich bis berichtenswert. Zwei Wuppertaler Freunde des Porsche-Sports setzten sich bei der dritten Ausgabe der Nürburgring Classic (24. – 26. Mai 2019 ) mit allem Nachdruck in Szene. Mit ihrem Porsche 944 turbo Cup fuhren sie im Feld der Youngtimer-Trophy in ihrer Klasse voraus – der erste große Erfolg, auch für Roland Heidl Automobiltechnik aus Düsseldorf-Eller.

Marken- und Typenvielfalt bei der Youngtimer Trophy auf dem Nürburgring: der APTIV-Porsche 944 turbo Cup by Heidl inmitten des Startgetümmels am 26. Mai 2019; Fotografie: Automobiltechnik Roland Heidl

Porsche-Sport made in Wuppertal: Da fällt den meisten Kennern der Materie auf Anhieb der Name Edgar Dören ein. Der kleine, große Mann aus der Stadt der Schwebebahn kämpfte sich über die Erfolgstypen 914/6, Carrera RSR, 934 und 935 K3 bis in den 962 vor – und verstarb 62-jährig an Krebs. Am 1. April 2004 war das, und die Fans des volkstümlichen Rennfahrers betrauern seinen Tod auch 15 Jahre später noch. Ein anderer berühmter Sohn der Stadt Wuppertal, Jürgen Neuhaus, triumphierte 1970 mit dem berühmten Porsche-Typ 917 in der Interserie. 1977 trat er nach einem schuldlos verlorenen Marken-Weltmeisterschaftslauf auf der Nürburgring-Nordschleife von der Bühne ab. Für Dominic Fritz und Tom Pilg war es im Januar 2018 an der Zeit, der Rennsport-Geschichte ihrer Heimatstadt ein weiteres Kapitel hinzuzufügen. „Dabei hatten wir nie den Selbstanspruch“, relativiert Dominic Fritz, „uns in so großen Fußstapfen zu bewegen. Für uns war von vornherein klar, dass wir auf einem anderen Level Motorsport betreiben würden als zum Beispiel Edgar Dören oder Jürgen Neuhaus“. Bewusst entschieden sich die beiden Freunde für die Youngtimer Trophy. Das beliebte Rundstrecken-Rennformat, 1993 vom Kölner Rennsekretär Egon Meurer ins Leben gerufen, ermöglicht auch heute noch eine Teilnahme auf einem vergleichsweise tragbaren Kostenniveau. So starten die seriennah gehaltenen Porsche 944 turbo Cup mit ihren 250 PS in einer eigenen Klasse. „Das reizte uns“, berichtet Tom Pilg, der sich zuvor insbesondere mit der Nürburgring-Nordschleife vertraut gemacht hatte. Auf Raeder-Audi TT RS nahm er auf dem anspruchsvollen Eifelkurs an der RCN-Serie teil. Inzwischen hat er sich ganz dem historischen Porsche-Sport verschrieben und war Feuer und Flamme, als sich in den ersten Tagen des Jahres 2018 ein Porsche 944 turbo Cup mit sehr hoher Laufleistung und entsprechendem Wartungsbedarf zum Ankauf anbot.

Bei der Nürburgring Classic am 26. Mai 2019 auf dem Eifelkurs: Führungsarbeit für den schwarzen APTIV-Porsche 944 turbo Cup by Heidl in der Youngtimer Trophy; Fotografie: Automobiltechnik Roland Heidl

„Darauf bauten wir unsere Strategie auf“, berichtet Dominic Fritz, der im Hauptberuf Projektleiter beim Wuppertaler-OEM-Zulieferer APTIV ist. „Unsere hausinternen Entscheidungsträger ließen sich von der Idee begeistern, den Neuaufbau des Porsche als Teambuilding-Maßnahme, speziell für unsere zahlreichen neu hinzugekommenen Mitarbeiter, anzugehen. Für die Revision des Antriebsstrangs mussten wir natürlich bei aller Kenntnis automobiler Zusammenhänge einen Profi zu Rate ziehen, und dieser Profi war Roland Heidl“. Tom Pilg stellte den Kontakt zum Rennsport-erfahrenen Betreiber einer Porsche-Fachwerkstatt in Düsseldorf-Eller her. „Wir haben 2013 bereits zusammengearbeitet, als mein 911 targa der Modellgeneration 964 nachhaltig mehr Motorleistung brauchte, um auf der Nürburgring-Nordschleife mit dem Touristenverkehr rollen zu können. Damals fertigten Roland Heidl und sein Vater Rolf einen Kompressor-Motor in Handarbeit, mit dem ich lange Zeit unterwegs war.“ Für den Porsche 944 turbo Cup des Jahrgangs 1989 galten weniger freizügige Maßstäbe: Dessen technische Ausführung muss exakt dem Reglement der damaligen Zeit entsprechen, insbesondere beim Antriebsstrang werden keine Kompromisse geduldet. Das stellte auch Roland Heidl fest, der sich zunächst des Fünfgang-Schaltgetriebes annahm und nach Pleuellagerschaden am unrevidierten Original-Motor schließlich auch des Reihen-Vierzylinders mit einzelnem Abgas-Turbolader. Penible Uhrmacherarbeit war gefordert, um die 30 Jahre alte Materie wieder auf hoher Drehzahl laufen lassen zu können. „Selbst wenn wir einen Reservemotor mit null Kilometern Laufleistung aus einer hölzernen Kiste gezogen hätten, wäre dieser nach drei Jahrzehnten Stand- und Lagerzeit zu öffnen gewesen“, weiß Dominic Fitz zu berichten. „Mit dem ersten Fahreindruck des Heidl-Motors waren Tom und ich hochzufrieden. Man darf ja nicht vergessen, dass so ein Einzellader-Triebwerk durchaus seine Eigenheiten hat und in Verbindung mit dem Drehfederstab-Fahrwerk an der Hinterachse trotz zusätzlicher Schraubenfedern stets unter Zug gehalten werden muss. Da ist es von großem Nutzen, wenn der Motor ohne Unterbrechung Leistung hat – aber auch das Bilstein-Fahrwerk ist in dieser Hinsicht erstklassig, wir haben es neu eingebaut.“

Eine solide Leistung erbrachten auch die APTIV-Mitarbeiter bei ihrer Premiere als Rennwagen-Restaurateure: Im Mai 2018 präsentierten sie, nur vier Monate nach Projektbeginn, einen fahrbereiten Transaxle-Porsche. Nach einjähriger Test- und Entwicklungsphase stellte sich am 26. Mai 2019 dann der erste große Erfolg mit dem Klassensieg bei der Nürburgring Classic ein. Mit dieser Leistung haben sich die Neulinge in der Konkurrenz der 944 turbo Cup bestens eingeführt. Schon steht mit dem traditionsreichen Dreistunden-Langstreckenrennen im Vorprogramm des 24-Stunden-Rennens auf der Nürburgring-Nordschleife das nächste Highlight der Saison 2019 ins Haus. „Wir wollen unseren Porsche ohne menschliches oder mechanisches Versagen über die Distanz bringen“, fordert Tom Pilg, „und natürlich auch ohne eine solche Schrecksekunde wie Ende Mai auf dem Nürburgring.“ Damit spielt er auf eine plötzlich hellrot aufleuchtende Kontrolllampe im Cockpit an. „Ich dachte schon, es sei um unseren frisch gemachten Motor geschehen und kam vorsichtshalber an die Box. Dort hat mich der Senior (Rolf Heidl, Red.) aber sofort wieder zurück ins Rennen geschickt – nur ein defekter Sensor, nichts weiter!“

Das Dreistunden-Langstreckenrennen auf der Nürburgring-Nordschleife wird am kommenden Freitag bereits um 10.00 Uhr gestartet.

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