Ortstermin bei Torsten Osterhaus und Oliver Pauli in Ladbergen: Auf dem MAHA-Leistungsprüfstand von MTO Engineering musste der auf 3,8 Liter Hubraum vergrößerte Saugmotor im engen Heckabteil des Warendorfer Restomod-Porsche seine Performance unter Beweis stellen. Aber nicht nur das: Funktion und Dichtigkeit sämtlicher Systeme standen gleichsam im (kritischen) Fokus. Das vorläufige Fazit: gut gebrüllt und trotzdem dichtgehalten – Carsten Krome berichtet über den dritten Schritt auf dem Weg zu höchster Perfektion in der historischen Porsche-Farbe „Mexicoblau“.

Ortstermin bei Torsten Osterhaus und Oliver Pauli in Ladbergen: Auf dem MAHA-Leistungsprüfstand von MTO Engineering musste der auf 3,8 Liter Hubraum vergrößerte Saugmotor im Heck des Warendorfer Restomod-Porsche seine Performance unter Beweis stellen.

Freitagmorgens um neun Uhr im münsterländischen Landbergen, und das an einem Tag im Februar: Schon der bloße Gedanke an die nächste Station des ersten Restomod-Porsche made in Warendorf lässt unweigerlich Gedanken an Wald, Feld und Frühnebel aufkommen. In Wirklichkeit strahlt aber die Sonne – über einem Hafen, der von der ortsansässigen Industrie genutzt wird. Am Kanal, Hausnummer 47, sind Torsten Osterhaus und Oliver Pauli sowie ihre Mitarbeiter von MTO Engineering ansässig. Leistungsoptimierung und Effizienzsteigerung auf modernsten Prüfständen sind ihr Steckenpferd, und heute morgen haben sie ein himmelblaues, pardon: „Mexico“-blaues Porsche-Projekt buchstäblich in Ketten gelegt. Das muss so gemacht werden, damit PS-starke Sportwagen während der Messungen auf dem Rollenprüfstand nicht von den mächtigen, in den Boden der Werkhalle eingelassenen Walzen springen. Sowohl vorne als auch hinten muss der luftgekühlte Neunelfer mit dem 3,8 Liter großen Sechszylinder-Boxermotor gesichert werden, um ihn bei höherer Drehzahl im Zaum zu halten. Der digitalen Optimierung dient der anberaumte Termin freilich nicht, sondern vielmehr der Kontrolle aller Funktionen – und letztlich auch der Überprüfung, ob Theorie und Praxis in einen Zusammenhang gebracht werden können. Denn Christian Heitgreß, der das Triebwerk bereits vor geraumer Zeit eigenhändig „geschraubt“ hat, wie er es selbst beschreibt, hat stets mitgerechnet und auf diese Weise eine PS-Zahl ermittelt, die er bei seiner Erfahrung erwarten kann. „Aber da birgt sich ja immer auch ein gewisses Potenzial, eben doch ein wenig daneben zu liegen“, beschreibt er die Ausgangslage. Zu Torsten Osterhaus und seiner Expertise hat Heitgreß vollstes Vertrauen, denn: „Wir haben schon als kleine Jungs bei uns in Brochterbeck zusammen an allem Hand angelegt, was Räder hat.“

Brochterbeck, wo bitte liegt Brochterbeck? Oliver Pauli, der probehalber schon einmal im noch Windschutzscheiben-losen Cockpit des Porsche der Baureihe 964 platzgenommen hat, nimmt die bereits aufgesetzte Schutzbrille wieder ab. „Brochterbeck, das ist acht Kilometer von hier entfernt“, versetzt er und rückt die schwarze Wollmütze zurecht: „Wird gleich frisch hier drin!“ Überdimensionale Kühlluft-Gebläse sollen dem Motor während der Leistungs-Überprüfung lebenswichtige Frischluft zuführen. Systeme werden gecheckt, da spinnt noch ein defekter Sensor und muss blitzartig ausgetauscht werden, doch dann geht alles in Windeseile vor sich. Während im schallgeschützten Prüfstandsraum nur Pauli und ein weiterer Operator zurückbleiben, versammeln sich alle anderen  Umstehenden nebenan im Daten-Analyseraum. Dorthin werden sämtliche Messwerte in Echtzeit auf einen überdimensionalen Monitor übertragen – und als der Motor 6.000 Kurbelwellen-Umdrehungen und mehr in der Minute dreht, wird es auch dort lauter. Kunststück: Der Karosserie-Designer Roger Kaege hat dem vielgeliebten Luftheuler eine aus Edelstahl-Rohrmaterial gefertigte Sportauspuffanlage spendiert – die ist nicht zu übersehen und erst recht nicht zu überhören. Immer heiserer röhrt der Saugmotor, ehe bei 6.250/min die maximale Leistung erreicht wird: 339 PS spuckt der Rechner als korrigierten Wert aus. Zwar dreht das Triebwerk noch ein wenig weiter, doch dann tut es einen dumpfen Schlag: Der Drehzahlbegrenzer hat automatisch eingegriffen und sofort abgeriegelt. Oliver Pauli lässt ausrollen, den Blick stets auf die Armaturen an Bord und das eigene Messwerkzeug gerichtet. Nun betritt auch Christian Heitgreß wieder den von kaltem Wind durchfluteten Prüfstandsraum. Mit zufriedener Miene konstatiert er wenig später: „Alles dicht, alles fest, alles sitzt!“ Die Stimmung erinnert an den Stapellauf eines großen Schiffes, passend zum maritimen Umfeld unmittelbar an einer, wenn auch übersichtlichen, Wasserstraße.

Schon am Nachmittag soll das Restomod-Projekt nach Stetten in der Rheinpfalz verbracht werden. Am dortigen Unternehmenssitz wird Roger Kaege sein aus etlichen Einzelkomponenten bestehendes Retro-Finishing vornehmen, nachdem er während einer frühen Projektphase bereits für den Karosseriebau verantwortlich gezeichnet und dem Fahrzeug seine unverkennbare Handschrift verliehen hat. Und dann wäre da noch das ausgesuchte, einmalige Interieur, das nochmals Zeit, Muße und Energie binden wird. Das Resultat wird naturgemäß noch auf sich warten lassen, dann jedoch Maßstäbe setzen. Wir von der Redaktion werk1 sports | cars | culture halten Sie natürlich weiterhin auf neuestem Stand.

Verantwortlich für den Inhalt: Carsten Krome Netzwerkeins

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