Olaf Manthey (li., mit Steffan Irmler); Fotografie: Carsten Krome Netzwerkeins

1990 debütierte auf Deutschlands Rennstrecken der Porsche Carrera Cup. Von Herbert Linge erdacht und geleitet, löste der Markenpokal den vier Jahre zuvor installierten 944 turbo Cup ab. Als erster Titelgewinner ging Olaf Manthey (35) in die Geschichte ein. Damals, vor nunmehr dreißig Jahren, riskierte das Rheinländer Rennfahrer-Idol einen doppelten Einsatz. Parallel zum Kümmerling-grünen 964er von Horst Derkum pilotierte er einen BMW M3 in der DTM. Doch Heckmotor-Porsche und Frontmotor-BMW erforderten konträre Fahrstile. Fast hätte der Verfechter des gepflegten Drifts auf seine Porsche-Karriere verzichtet. Doch er ließ sich überreden, wie im Interview mit Carsten Krome nachzulesen ist – heute, am am 21. April 2020, anlässlich seines 65. Geburtstages wieder veröffentlicht.

Carsten Krome: „Der Name Olaf Manthey stand in den achtziger Jahren für herzhafte Drifteinlagen mit Ford, Rover, BMW oder Mercedes – allesamt Hersteller von Großserien-Tourenwagen. 1990 kam der Porsche Carrera Cup – ein Markenpokal mit ‚Heckschleudern‘ auf relativ schmalen Reifen. Für jemanden, der das Querfahren kultivierte, muss diese neue Rennserie doch ein Traum gewesen sein!“

Olaf Manthey: „Das Gegenteil war der Fall. Mit dem Cup-Carrera ging es nicht ums Driften, überhaupt nicht! Ich drehte fünf oder sechs Testrunden auf dem Nürburgring, um eine Anfrage des Porsche-Teambesitzers Horst Derkum besser einschätzen zu können. Ich hatte zu dieser Zeit bereits ein DTM-Engagement mit einem BMW M3 2,5 Evo und hätte zweigleisig fahren müssen.“

Carsten Krome: „Wie verlief dieser Test?“

Olaf Manthey: „Katastrophal! Ich war ja an den BMW gewöhnt. Auch im Veedol-Langstreckenpokal fuhr ich 1990 ein solches Auto. Doch der Porsche mit seinem Heckmotor vertrug diesen Fahrstil nicht. Einfach mal die Sau rauslassen, das ging einfach nicht. So viel stand nach fünf oder sechs Testrunden eindeutig fest.“

Carsten Krome: „Was passierte dann?“

Olaf Manthey: „‚Den könnt Ihr selber fahren!‘, habe ich gesagt. Horst Derkum hat mich aber solange bequatscht, bis ich schließlich doch einwilligte.“

Carsten Krome: „Was gab den Ausschlag, die Absage noch einmal zu revidieren?“

Olaf Manthey: „Abgesehen vom Höhenstand – der war von vornherein festgeschrieben – gab es die Option, mit dem Fahrwerk zu arbeiten. Sturz, Spur, Stabilisator konnten individuell eingestellt werden. Das erste Rennen fand im belgischen Zolder statt. Dort hatte ich 1987 bei der DTM ganz gut ausgesehen.“

Carsten Krome: „Tatsächlich endete der ‚Bergische Löwe‘ von Zolder 1987 mit Platz zwei hinter Marc Hessel, der ebenfalls aus Bonn kam. Drei Jahre später, am 1. April 1990, sprang bei der Weltpremiere des Porsche Carrera Cup an gleicher Stelle auf Anhieb ein Sieg heraus. Auf dem Nürburgring, beim Eifelrennen 1990, setzte sich der Erfolgsweg fort …“

Olaf Manthey: „Ich lernte schnell. Der Porsche verlangte eine absolut saubere Linie. Die Umstellung vom BMW war allerdings sauschwer. Wenn man die Reifen auch nur einen Tick zu hart rannahm, kamen sie nicht zurück. Ich habe dennoch den ersten Carrera-Cup aller Zeiten gewonnen. Die Liebe zu Porsche entwickelte sich dann im Laufe des Meisterschaftsjahres 1990.“

Carsten Krome: „In der Schlussphase der Cup-Saison 1990 gab ein gewisser Uwe Alzen aus Betzdorf im Derkum-Rennstall seinen Porsche-Einstand. Wie führte sich der junge Teamkollege, ein Riesentalent aus dem Veedol-Langstreckenpokal, damals ein?“

Olaf Manthey: „Mit dem 964 machte Uwe eine Lernphase durch. Er war jung und übermütig. Angst hatte er vor rein gar nichts. Da gab es eine Geschichte in Hockenheim. Auf dem Großen Kurs wollten wir uns gegenseitig Windschatten spenden. Das ging aber gründlich schief, weil sich Uwe vor der Schikane mit dem Bremspunkt verhaute und in die Reifenstapel säbelte. Der gab halt immer 110 Prozent.“

Carsten Krome: „1993 begann eine gemeinsame Zeit mit semi-privaten Mercedes in der DTM. Wie ist das Verhältnis heute?“

Olaf Manthey: „Nach wie vor sehr gut. Uwe und ich kamen 1993 bei Persson unter, ich machte zusätzlich die Technik. Uwe hat mir nie so ganz getraut. Vielleicht hat er geglaubt, ich würde mir einen kleinen Vorteil verschaffen. Schließlich war ich der Ältere und mit meinen 38 Jahren nicht weit vom 40. Geburtstag entfernt.“

Carsten Krome: „1996 – mit 41 Lebensjahren – kam es dann zur Gründung des eigenen Rennstalls. Ist es nicht kurios, dass Uwe Alzen – ebenfalls 41-jährig – kurz vor dem 24-Stunden-Rennen 2009 einen eigenen Rennstall auf die Beine gestellt hat?“

Olaf Manthey: „Wie gesagt – ich mag den Uwe. Der hat sich aus Politik nichts gemacht und immer gesagt, was er denkt. Vor solchen Menschen ziehe ich den Hut.“

Carsten Krome: „Schlussfrage – es heißt, der Kümmerling-grüne Siegerwagen aus dem Carrera Cup 1990 würde sich heute in einer privaten Sammlung befinden. Sporthistorisch relevante Porsche werden seit Jahren zu soliden Preisen angeboten – Chance verpasst, den einstigen Karrierebeschleuniger in die private Garage zu stellen?“

Olaf Manthey: „Wenn ich das wirklich vorhätte, müsste ich erst einmal klären, um welchen meiner insgesamt drei Einsatzwagen aus der Saison 1990 es sich da handelt. Ich fuhr anfangs einen grünen Carrera, der beim 24-Stunden-Rennen von Spa-Francorchamps vermietet war und dort verunfallte. Für drei Rennen saß ich dann in einem weißen Carrera, zum Schluss wieder in einem grünen. Mein Ex-Auto schlechthin hat es demnach nicht gegeben. Aber die Qualität dieser Cup-Porsche war und ist einfach enorm. Ich würde mich nicht wundern, wenn eins meiner Ex-Autos oder alle drei heute noch Rennen gewinnen würden!“

Carsten Krome: „Vielen Dank für dieses Gespräch!“

Original-Archivbilder: Carsten Krome Netzwerkeins