#UCD, das Projekt.Protokoll, Step #02.2020.

Zweiter Ortstermin in der Porsche-Fachwerkstatt an der Karl-Geusen-Straße 173 in 40231 Düsseldorf-Eller: Die Arbeiten an der dunkelblauen „Ölklappe“ aus dem Hause Roland Heidl Automobiltechnik sind in der Zwischenzeit weiter vorangeschritten. Dort, wo einst ein (selten genutztes) Reserverad den Vorderwagen fast vollständig ausfüllte, breitet sich nun ein metallisch glänzendes, identisch bemessenes Bauteil aus. Aber nicht nur das ist bemerkenswert, sondern auch die Verkabelung. Orange Hochvoltkabel mit gleichfarbigen Anschlüssen erinnern an fahr-aktive Begegnungen mit dem Porsche Cayenne S hybrid der ersten Serie – und ganz so abwegig ist die Reminiszenz an das (Modell-)Jahr 2011 bei näherer Betrachtung auch gar nicht. Carsten Krome berichtet.

Hochvolt ist das Stichwort: Ein Porsche steht unter Strom – aber nicht irgendeiner. Sondern ein erhaltenswerter Klassiker, ein Stück Kulturgut auf Rädern.

„Du kannst kommen, wir verkabeln gerade!“ Roland Heidl hat (ange-)gerufen, und schon geht es los in die Landeshauptstadt Nordrhein-Westfalens, auf nach Düsseldorf. Es ist Freitag, kurz nach Mittag, die Stimmung in der Porsche-Fachwerkstatt an der Karl-Geusen-Straße 173 in Düsseldorf-Eller ist konzentriert und unaufgeregt zugleich. Hier geht es ruhig zu, nicht ein einziges lautes Wort fällt in den weitläufigen Hallen. In einem eigens abgeteilten Arbeitsbereich steht sie da, die dunkelblau auslackierte Neunelfer-Karosserie mit unverwechselbarer „Ölklappe“, die am Ostersamstag, dem 11. April 2020, noch ein Torso auf Rädern gewesen ist. Inzwischen ist einiges an Technik in das nach wie vor geheimnisvolle Projekt eingeflossen – Komponenten allerdings, die so, in dieser Form und Ausführung, noch ungesehen sind. Es geht hier also um echte Innovation, um Forschung – und ein Sechseck vorne an der Eingangstür greift ganz diese beiden Stichworte auf: Innovation durch Forschung. So steht es dort geschrieben, und dieses Gütezeichen ist neu. Es dokumentiert eine Auszeichnung, die Roland Heidl als „Spiritus Rector“ unlängst erhalten hat.

Wofür, das deutet sich bei der Betrachtung des Vorderwagens der dunkelblauen Neunelfers an: Dort, wo eigentlich das Reserverad im Porsche 911 klassischer Prägung untergebracht ist, breitet sich nun ein metallisch-glänzendes Frästeil in denselben Ausmaßen aus. Das Besondere daran: ein feines, äußerst präzises Lochbild in exakt gesetzten, immer gleichen Abständen auf dem Boden des Behältnisses. Der Verdacht, dass diese Installation dereinst mit elektrischer Energie zu tun haben könnte, ist allzu naheliegend. Inzwischen ziehen sich orange Kabel von vorn nach hinten durch das Coupé-Gehäuse – „Hochvoltkabel“, wie Roland Heidl sich immerhin entlocken lässt. Und: „Darum haben sie ja auch diese schöne Signalfarbe, das ist so vorgeschrieben.“ Der auffällig markierte Kabelstrang zieht sich durch das gesamte Fahrzeug, erst im Motorraum endet er. Auch wenn der fertig revidierte Sechszylinder-Boxermotor noch auf seinen Verbau wartet: Hier sieht es ein wenig so aus wie im Porsche Cayenne S hybrid der ersten Serie. 2011 schuf der SUV mit den koppelbaren Antriebsarten ein neues Bewusstsein für eine intelligentere, zukunftsorientierte Form der Fortbewegung. Stimmt der Vergleich oder hinkt er? Darauf ist heute, an diesem Freitag an der Karl-Geusen-Straße 173 in Düsseldorf-Eller, keine Antwort zu erwarten. Noch nicht.

Selbststudium nach der Rückkehr an den Schreibtisch: Darum geht es bei der Hochvolttechnik – demnächst dann wohl auch in einem innovativen Porsche 911.

Was ist also das Geheimnis der orangen Kabel, und: Was haben sie in einem Porsche 911 des Jahrgangs 1972 mit altehrwürdiger Ölklappe zu suchen? Hier der Versuch einiger Antworten:

Ein Hochvoltsystem, oder Hochvolt (kurz: HV), ist ein Begriff aus der Fahrzeugtechnik für Systeme, welche mit Wechselspannungen über 30 V bis 1 kV oder mit Gleichspannungen über 60 V bis 1,5 kV betrieben werden. Eine „Hochvoltbatterie“ oder eben auch „Hochvoltspeicher“ ist eine elektrische Energiequelle für mobile und stationäre Anwendungen. Beim Einsatz in Fahrzeugen wird sie auch als Antriebsbatterie oder als Traktionsbatterie bezeichnet.

Systeme, mit Wechselspannungen im Fahrzeugbereich bis einschließlich 30 V oder Gleichspannungen bis einschließlich 60 V betrieben werden, werden als Niedervoltsysteme oder auch als Niedervolt (kurz: NV) bezeichnet, sie finden vor allem im Bordnetz von Fahrzeugen Anwendung. Die Unterscheidung ist insbesondere bedeutend für Fahrzeuge mit elektrischem Antrieb wie Hybridfahrzeuge, Fahrzeuge mit Brennstoffzellen oder Akkumulatoren.

Der Begriff Hochvolt ist nicht mit dem Begriff Hochspannung aus der elektrischen Energietechnik zu verwechseln. Die Unterscheidung in Hoch- und Niedervolt in der Fahrzeugtechnik soll dem Laien das erhöhte Gefahrenpotential verdeutlichen.

Ein Hochvoltspeicher oder eine Hochvoltbatterie (kurz: HV-Batterie) ist eine elektrische Energiequelle für mobile und stationäre Anwendungen. Sie findet vorzugsweise Verwendung in elektrifizierten Kraftfahrzeugen oder auch als stationärer Speicher, zum Beispiel für Solar-Anwendungen. Eine Hochvoltbatterie besteht aus einzelnen Batteriemodulen, die durch Reihenschaltung eine Spannung von mehreren hundert Volt liefern.

Leitungen und Verbindungskomponenten des HV-Systems werden nach ISO 6469-3 und ECE-R 100 in orange gekennzeichnet (umgangssprachlich: „Hochvolt-Orange“). In der Nähe des elektrischen Energiespeichers ist ein dreieckiges gelbes Warnsymbol mit schwarzem Blitz und Rahmen (ähnlich wie DIN 4844-2) als Gefahrenkennzeichnung anzubringen.

Vorläufiges Fazit: Es bleibt spannend an der Karl-Geusen-Straße 173 in Düsseldorf-Eller – mehr dazu in Kürze … (to be continued)

Verantwortlich für Fotografie und Inhalt: Carsten Krome Netzwerkeins