Vom 964 Carrera Cup M001 sind im Modelljahr 1992 112 Exemplare produziert worden. Damals stand der Porsche-Markenpokal in voller Blüte. 49 Rennfahrer nahmen an der Preisgeldwertung teil, die der 25-jährige Uwe Alzen mit 71.100 D-Mark anführte. Der Betzdorfer setzte alles auf eine Karte, führte den Einsatz auf eigenes Risiko durch, gewann fünf von zehn Rennen – und die Meisterschaft. Im Interview-Klassiker mit Carsten Krome erinnerte er sich im Frühjahr 2009 an die Begleiterscheinungen eines entscheidenden Kapitels im professionellen Motorsport.

Überlegener Auftaktsieg mit dem Neuwagen: Uwe Alzen 1992 beim Bergischen Löwen von Zolder mit der Fahrgestellnummer WPO ZZZ 92 ZNS 49 8031; Original-Archivbild: Carsten Krome Netzwerkeins

Carsten Krome: „1992 holte Michael Schumacher in Spa-Francorchamps seinen ersten Sieg in einem Formel-1-Grand-Prix. Den Carrera-Cup-Lauf im Rahmenprogramm gewann ein gewisser Uwe Alzen mit 0,2 Sekunden Vorsprung auf Marc Duez, den belgischen Lokalmatador. Es war der fünfte von insgesamt zehn möglichen Saisonsiegen – und gleichzeitig auch der internationale Durchbruch?“

Uwe Alzen: „Es war der neunte von zehn Läufen – im Carrera Cup ging es mir ganz klar um den Titel und nicht um Einzelerfolge. Als ich in Spa-Francorchamps gewann, hatte ich ja noch das Finale in Hockenheim vor mir. Dort wurde ich Zweiter und sicherte mir den für mich so wichtigen Titel.“

Carsten Krome.: „1991 war der Gewinn der VLN-Junior-Trophäe im Veedol-Langstreckenpokal auf der Nürburgring-Nordschleife ein erster zählbarer Erfolg. Was machte den Titel im Carrera-Cup umso bedeutender?

Uwe Alzen: „Mein erklärtes Ziel war ein bezahltes DTM-Engagement. Ohne Referenzen auf Profi-Level war das unmöglich. Ich hatte nicht das Geld im Rücken, um mir ein Cockpit zu erkaufen und musste mit Leistung überzeugen. Im Carrera-Cup war das zu vertretbaren Konditionen möglich – ein neues Auto kostete die Hälfte eines gebrauchten DTM-BMW oder Mercedes.“

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S-Express: Beim VLN-Saisonfinale im Oktober 1991 stieg Uwe Alzen vom angestammten Porsche 944 turbo in den Cup-Carrera um – um ihn 1992 gegen einen selbst finanzierten Neuwagen auszutauschen; Original-Archivbild: Carsten Krome Netzwerkeins

Carsten Krome.: „1991 waren das immerhin 133.000 D-Mark inklusive Mehrwertsteuer. Gab es Rennstallbesitzer, die einem 24-jährigen Jungtalent aus dem Veedol-Langstreckenpokal einen Neuwagen zur Verfügung gestellt hätten?“

Uwe Alzen: „Ich nahm einen größeren Geldbetrag bei der Bank auf und bestellte für die Saison 1992 im Werk einen neuen Cup-Carrera. Für mich gab es keine Alternative. 1991 besaß ich bereits einen anderen Cup-Carrera, der parallel zu einem 944 turbo im Veedol-Langstreckenpokal lief und am Jahresende verkauft wurde.“

Carsten Krome: „Wäre es – gerade aus Kostengründen – nicht sinnvoll gewesen, mit dem Gebrauchtwagen in den Carrera Cup einzusteigen?“

Uwe Alzen: „In den Markenpokalen ist ein Vorjahreswagen manchmal zwei oder drei Zehntelsekunden pro Runde langsamer als ein neues Modell. Das ist heute so, und das war in den neunziger Jahren nicht anders. Diese Differenz kann darüber entscheiden, ob man Erster oder Zehnter wird. Mir blieb dadurch keine andere Möglichkeit, als die 91er Version zu verkaufen und ein 92er Modell zu bestellen. Es gab auch einige technische Änderungen, zum Beispiel 18-Zoll-Räder.“

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Mit dem „Music Monster“ am Limit auf der Nürburgring-Nordschleife: 2009 trat Uwe Alzen Automotive als Einsatzteam nachhaltig in Erscheinung, Mit dem 420-PS-Cup-Porsche lautete die Devise: Zurück zu den Wurzeln! Original-Archivbild: Carsten Krome Netzwerkeins

Carsten Krome: „Mit der gewonnenen Langstreckenpokal-Junior-Trophäe in der Tasche ließen sich einige Sponsoren finden. Reichten die Einkünfte, um alle Einsatz- und Finanzierungskosten zu stemmen?“

Uwe Alzen: „Erfolge und Preisgeld waren wichtig für meine Kalkulation. Es hat sich gerade so getragen, ich bin niemandem etwas schuldig geblieben – bis heute nicht. In dieser Beziehung denke ich konservativ. Das Porsche Zentrum Koblenz übernahm die Reifen, HJS gab mir 80.000 D-Mark Sponsorgeld. Ich habe mich um alles selbst gekümmert, die Vorbereitung, die Transporte zu den Rennen – einfach alles. Mann, ich könnte ein Buch schreiben über diese Jahre!“

Carsten Krome: „Und wie könnte der Buchtitel heißen?“

Uwe Alzen: „Alter Schwede, war das ´ne harte Zeit!“

Podium beim Porsche Supercup 1993 in Spa-Francorchamps: Altfrid Heger (links) unterliegt Uwe Alzen (Mitte, mit Lokalmatador Eric van de Poele, rechts), die Revanche lässt allerdings nicht allzu lange auf sich warten… Fotografie: Carsten Krome Netzwerkeins

Carsten Krome: „Der Sieg beim Saisonauftakt 1992 in Zolder muss unter diesen Voraussetzungen doch wie ein Befreiungsschlag gewesen sein!“

Uwe Alzen: „Nicht unbedingt – ich schlug 1990 den Weg des Berufsrennfahrers ein. Damals war ich 22 und bin sofort bei zwei Carrera-Cup-Läufen im Team von Horst Derkum gefahren. Diese Mannschaft war erste Wahl, weil dort Olaf Manthey um den Titel fuhr. Er war der erste Carrera-Cup-Gewinner der Geschichte.“

Carsten Krome: „Nach dem Titelgewinn im Carrera Cup 1992 erfolgte ein Jahr später der ersehnte DTM-Einstieg mit Mercedes. Ein Jahrzehnt später – 2003, nach einer längeren Dienstzeit bei Opel und der Rückkehr zu Mercedes – kam es zum überraschenden DTM-Ausstieg. Wie war es möglich, 2007 – 15 Jahre nach dem ersten Titelgewinn – noch einmal den Carrera-Cup zu holen?“

Uwe Alzen: „Ich habe immer viel für meine Fitness getan. Zuhause in Betzdorf habe ich mir ein eigenes Studio eingerichtet, in dem ich oft trainiere. Darüber hinaus betreibe ich Ausdauersportarten wie Mountainbiking. So bin ich auf der Höhe geblieben.“

Mit dem „Music Monster“ am Limit auf der Nürburgring-Nordschleife: 2009 trat Uwe Alzen Automotive als
Einsatzteam nachhaltig in Erscheinung, Mit dem 420-PS-Cup-Porsche lautete die Devise: Zurück zu den Wurzeln! Original-Archivbild: Carsten Krome Netzwerkeins

Carsten Krome: „Heinrich Botz von www.elferpool.de hat uns die Information zukommen lassen, das 92er Cup-Meisterauto laufe zurzeit als Breitversion in seiner Kundschaft und solle in den ursprünglichen Zustand zurückversetzt werden. Wäre es auch heute noch eine fahrerische Herausforderung?“

Uwe Alzen: „Ich weiß nur, dass ich mein 92er Meisterauto verkauft habe, um für den Supercup 1993 einen Neuwagen bestellen zu können. Grundsätzlich waren das tolle, agile Autos, die hart über die Randsteine gescheucht werden mussten. Nur so war man wirklich schnell. Die DTM mit ihren Klasse-1-Tourenwagen verlangte ab 1993 nichts anderes – eine klare, schnörkellose Linie.“

Das Gespräch führte Carsten Krome am 3. März 2009 im Porsche Zentrum Siegen, Neuveröffentlichung im Sinne eines Leistungsnachweises mit Original-Archivaufnahmen des Autoren.