rennsport revue®: established October '87rennsport revue®: established October ’87

Der Ford-Spezialist Volker Schneider will zur Saison 2021 mit drei Sierra Cosworth in die Rennsportserie Tourenwagen Legenden einsteigen und damit an einen Rennstall aus Butzbach im hessischen Wetteraukreis erinnern, der einst von Bernd Ringshausen geführt worden ist. Mit Klaus Niedzwiedz, der kürzlich erst seinen 70. Geburtstag feierte, kehrt denn auch ein ehemaliger Ford-Werkspilot ins Cockpit eines der mehr als 400 PS leistenden Vierzylinder-Turbo-Boliden zurück.

Volker Schneider war zarte 22 Jahre jung, als er 1986 alles auf eine Karte setzte und seine gesamten Ersparnisse in einen gebrauchten Ford Mustang GT 5.0 Gruppe A aus der Deutschen Produktionswagen-Meisterschaft steckte. Der Ford-Händler Roland Asch aus Ammerbuch hatte das US-Coupé im Jahr zuvor im Rennstall von Bernd Ringshausen mit Erfolg pilotiert. Damit wollte Volker Schneider in der Deutschen Tourenwagen-Meisterschaft, kurz: DTM, glänzen. Doch nach zwei Einsätzen zerriss es den Motor – und dem jungen Nachwuchspiloten fast das Herz: Er hatte kein Geld, um den Achtzylinder-Treibsatz reparieren zu lassen. Erst 1989 konnte er den Mustang zurück auf die Rennstrecke bringen. Doch in der DTM war der Zug für ihn zu diesem Zeitpunkt abgefahren. Stattdessen gaben Volker Schneider und sein Bruder Fred ein Gastspiel in der Spezial Tourenwagen Trophy (STT). Einige Jahre später übernahm Roland Asch sein ehemaliges, inzwischen grün lackiertes Einsatzauto und versetzte es in jenen Urzustand zurück, in dem es 1985 an den Start gegangen war. Inzwischen steht es in den Originalfarben von ABR Ringshausen im Ausstellungsraum seines Ford-Autohauses zuhause im Schwabenland. Mögliches Motto: Alte Liebe rostet nicht.

Das gilt auch für Volker Schneider, der zunächst seinem Sohn Michael den Weg in den Kurzstrecken-Rennsport in den Niederlanden ebnete. Mit einem VW Polo der ersten Serie räumte der Filius im Nachbarland mächtig ab. Und irgendwann kreuzte ein ganz normales Ford Sierra Coupé mit Straßenzulassung den Weg des hessischen Vater-und-Sohn-Duos. Zufällig ergab es sich zu dieser Zeit, dass Volker Schneider die gesamten Restteile-Bestände des zwischenzeitlich aufgelösten Ringshausen-Rennstalls kaufen konnte – was er schließlich auch tat. Mehr noch: Er brachte seinen Gebrauchtwagen mit einigen dieser Altteile zusammen und baute für sich selbst einen veritablen Sierra Cosworth mit bärenstarkem Vierzylinder-Turbomotor auf. Parallel kam aus Beständen von Wolf Racing, Neuenstein, noch ein zweiter Ford Sierra Cosworth im Gruppe-N-Trimm ins Haus. So gerüstet, zogen Volker, Michael und auch Fred Schneider wieder zu den klassischen Rennstrecken los. Prominente Mitfahrer wie zum Beispiel Sebastian Asch, Alexander Burgstaller, Marc Hessel oder zuletzt Armin Hahne setzten in den beiden Schneider-Ford immer wieder Akzente.

Volker Schneider war zarte 22 Jahre jung, als er 1986 alles auf eine Karte setzte und seine gesamten Ersparnisse in einen gebrauchten Ford Mustang GT 5.0 Gruppe A aus der Deutschen Produktionswagen-Meisterschaft steckte. © Carsten Krome Netzwerkeins 1989

Volker Schneider war zarte 22 Jahre jung, als er 1986 alles auf eine Karte setzte und seine gesamten Ersparnisse in einen gebrauchten Ford Mustang GT 5.0 Gruppe A aus der Deutschen Produktionswagen-Meisterschaft steckte. © Carsten Krome Netzwerkeins 1989

Für das Motorsportjahr 2021 hat sich Volker Schneider für einen anderen Ex-DTM-Profi entschieden – und für die Rennsportserie Tourenwagen Legenden. „Ich lasse unseren weißen ‚Cossie‘ in einem Retro-Design antreten, das an das ehemalige ABR-Team Ringshausen Motorsport erinnert – mit Klaus Niedzwiedz als Stammpiloten“. Der ehemalige Ford-Werkspilot aus Unna bei Dortmund feierte kürzlich erst seinen 70- Geburtstag und ist nicht zuletzt dank seiner Präsenz als Fernsehmoderator einer der bekanntesten Rennfahrer der guten, alten Zeit. „Niedze“ gilt als umsichtiger, sehr auf das Material bedachter Kopfarbeiter, der mit dem besonders an der Hinterachse diffizil zu beherrschenden Ford-Coupé umzugehen weiß. Mit 437 PS bei 1.5 bar Ladedruck auf dem Leistungsprüfstand ist er bestens ausstaffiert, um im Vorderfeld ein gewichtiges Wörtchen mitzureden. Volker Schneider flankiert den Einsatz mit seinem roten Sierra Cosworth Coupé, mit dem die Rückkehr in den Tourenwagen-Rennsport ihren Anfang nahm.

Schneiders Entscheidung zugunsten der Tourenwagen Legenden fiel im September des vergangenen Jahres auf dem Nürburgring. „Das hat sich ganz einfach so wie früher angefühlt, als wir 1987 mit unserem Freund Tibor Molnar und einem orangen Ford Escort RS 2000 lustige Abende im Fahrerlager verbracht haben, uns Geschichten erzählten und einfach glücklich waren, dieses schöne Hobby zu haben“, erzählt der Experte für Hochpräzisions-Drehteile im Motorsport. „Genau diese bodenständige Atmosphäre fanden wir bei einem Besuch der Tourenwagen Legenden wieder – da gefiel es uns, da wollten wir hin!“ Gesagt, getan – 2021 werden drei Ford Sierra und ein neu formiertes Fahrerteam den „maßgeschneiderten“ Auftritt noch erweitern. Robert Bugar und Motorenbauer Franz Straub teilen sich das Cockpit des dritten Exemplars. Trotzdem verzichten die Ford-Freunde vorerst auf einen Sattelauflieger als Renntransporter. Lieber bringen sie ihre Fahrzeugflotte wie zu ihren Anfangszeiten in den achtziger Jahren mit zwei Ford Transit als Zugfahrzeuge auf dem Anhänger zu den Rennen. „Das passt besser zu uns“, findet Volker Schneider und verweist auf die demnächst anstehende Saisonvorbereitung. „Wenn wir nach Hockenheim kommen, um Robert und Franz ihre Trainingsrunden drehen zu lassen, wollen wir uns nicht mit einem 18-Meter-Auflieger neben all die Anhänger der anderen stellen – Mensch und Maschine wollen gut vorbereitet sein, nur darauf kommt es uns an!“

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