Bereits beim zweiten Renneinsatz des neu aufgebauten BMW 320iS erreichte die Mannschaft von 2.0 Automotive, Düsseldorf, ein wichtiges Etappenziel. Bei der DTM Classic im belgischen Zolder kam der neu aufgebaute Renntourenwagen in beiden Wertungsläufen über jeweils 30 Minuten ins Ziel. Mehr noch: „dä Schmal“, wie der Neuzugang im Expertenteam von der Grafenberger Allee 100 scherzhaft genannt wird, schaffte zwei Resultate unter den ersten Zehn des Gesamtklassements. Dafür als Steuer-Mann im BMW-Cockpit verantwortlich: Marc Hessel. Der ehemalige DTM-Pilot setzte den noch nicht zu 100 Prozent durchentwickelten, unverbreiterten BMW nachdrücklich in Szene.

Die Schlagzeilen:

Talentprobe: Rang fünf im Freien Training zeigt das große Potenzial des top-exklusiven BMW-Renntourenwagens auf.

Lernprozess: Intensive Abstimmungsarbeit an Fahrwerk und Bremsen trägt Früchte – zwei Zielankünfte unter den ersten Zehn.

Klassentreffen: Stammfahrer Marc Hessel tummelt sich bei der DTM Classic mit fünf anderen Zeitzeugen der klassischen DTM.

So liefen Training und Qualifying.

Die Vorgeschichte: Im Qualifying der DTM Classic am 24. Juli 2021 auf dem Lausitzring platzierte Marc Hessel den BMW 320 iS der legendären Baureihe E30 auf dem achten Gesamtrang. Damit lag der gebürtige Bonner, der heute im bayerischen Hohenschäfflarn lebt, im selbst gesteckten Fahrplan. Denn der 1988 in England für die dortige Tourenwagen-Meisterschaft projektierte, unverbreiterte Renntourenwagen war zuvor erst einige wenige Meter gerollt. Die Grundabstimmung des in dieser besonderen Form nie zuvor komplettierten Entwicklungsträgers musste aus Erfahrungswerten erfolgen. Kurz vor dem Ende des Abschlusstrainings rollte Marc Hessel nach guter Vorstellung jedoch vorzeitig aus. Der Öldruck war gefallen, das Resultat war absehbar: Motorschaden. Zwölf Reparaturtage verblieben bis zur Reise ins belgische Zolder. Dort, wo 1984 die Historie der Deutschen Produktionswagen-Meisterschaft – der 1986 die DTM folgte – begann, stand der zweite Lauf der DTM Classic auf dem Programm. Trotz des denkbar knappen Zeitfensters baute die Mannschaft von 2.0 Automotive ein neues Aggregat auf und schaffte es pünktlich zum Anreisetag an den Omloop Terlamen in Zolder.

Die Aufgabenstellung dort: weitere Erfahrungswerte sammeln, das Auto über die Renndistanz von zweimal 30 Minuten bringen und an die gute Performance auf dem Lausitzring anknüpfen. Mit 21 Startern im freien Training am Freitag war es wiederum eine Herausforderung, einen Platz unter den ersten Zehn in der Gesamtwertung zu erreichen. Marc Hessel, der 1987 auf dem knapp 4.000 Meter langen Traditionskurs in der belgischen Provinz Limburg seinen ersten DTM-Sieg feiern konnte, war zuversichtlich, dies zu erreichen. Mit dem starken fünften Gesamtrang steigerte er seine auf dem Lausitzring gezeigte Leistung sogar. „Das Fahrverhalten ist doch noch etwas gewöhnungsbedürftig“, kommentierte der Routinier, „wir werden uns intensiver mit der Abstimmungsarbeit befassen müssen. Aber der neu aufgebaute Motor läuft, das Konzept passt, und nun müssen wir uns konsequent die weiteren Fortschritte erarbeiten!“

Auch im Qualifying bestätigte „dä Schmal“, wie der schlanke, auf maximale Effizienz ausgelegte BMW 320iS in Düsseldorf genannt wird, sein durchdachtes Gesamtkonzept: Gegenüber dem freien Training verlor er nur einen Platz und etablierte sich in der dritten Startreihe auf dem sechsten Startplatz. Obwohl Fahrzeugleiter Sebastian Henkel und sein Mechanikerteam den Höhenstand bereits um zehn Millimeter reduziert und darüber hinaus Korrekturen am Nachlauf vorgenommen hatten, regte Marc Hessel zu weiteren Einstellarbeiten am Fahrwerk an. „Wir müssen den Michelin-Reifen in den Kurven auf der gesamten Auflagefläche nutzen können“, forderte er, „das ist momentan noch nicht zu einhundert Prozent der Fall.“ Bis zum ersten Rennen über 30 Minuten am Samstagnachmittag verblieb nicht genügend Zeit für eine umfassende Änderung am Set-Up, dies musste von Samstag auf Sonntag erfolgen. Die Ausgangslage vor dem Rennen Nummer eins lautete, mit einem nicht immer leicht beherrschbaren Handling zu leben und den Neuwagen vor allem über die Distanz zu bringen.

So lief das erste Rennen: Zielankunft und ein erster Punktgewinn.

Im ersten Durchgang der DTM Classic in Zolder ging Marc Hessel zusammen mit fünf weiteren Zeitzeugen der Deutschen Tourenwagen-Meisterschaft in ihrer klassischen Form an den Start. Darüber hinaus war er von mehreren Allrad-Fahrzeugen umgeben, die auf dem winkligen Old-School-Kurs mit seinen engen Schikanen naturgemäß im Vorteil waren. Nach starkem Start musste der Wahl-Bayer aus dem Rheinland vor allem sein Bremspedal „managen“, wie er es später selbst beschrieb. „In Zolder ist man gut beraten, über die Randsteine abzukürzen“, berichtete er, „dabei geben die Radträger allerdings einen Schlag auf die Bremssattel-Gehäuse weiter, in denen die Reibbeläge sitzen. Diese werden dann zurück in Richtung Bremskolben gedrückt. Die Folge ist ein ungewohnt langer Pedalweg – zuerst glaubt man, die Bremse habe überhitzt und werde weich, in Wirklichkeit ist dem aber gar nicht so. Ich habe mich drei Runden vor Schluss gedanklich auf das Phänomen eingestellt und wieder entschiedener reingetreten. Das zahlte sich aus, ich bin sicher über die Distanz gekommen.“ Das Ergebnis der ersten Zielankunft des BMW 320iS: ein guter achter Rang in der Gesamtwertung und der vierte Platz in der hart umkämpften Wertung der Klasse 2. Die Ausgangslage vor dem zweiten Rennen: siehe weiter oben – ein umfassender Umbau der Fahrwerkseinstellung.

So lief das zweite Rennen: erneute Zielankunft, zweiter Platz in Klasse 2.

Die Neujustierung nach dem ersten Renndurchgang zahlte sich aus. Im zweiten Lauf am Sonntag zeigte sich Marc Hessel kurz nach der Startfreigabe in der Spitzengruppe und machte schon auf den ersten Metern Positionen gut. Doch so mancher Gegner erholte sich im Verlauf der 18 Runden auch wieder und konnte verlorenes Terrain gutmachen. So verbesserte sich der BMW 320iS aus Düsseldorf gegenüber dem Vortag um immerhin einen Platz und kam an siebter Stelle über die Distanz – die zweite Ankunft im Ziel. Mehr noch: Mit dem zweiten Rang in Klasse 2 ging die Rechnung von Sebastian Küppers, dem Teamchef von 2.0 Automotive, erstmals voll auf. Zufrieden fasste er zusammen: „Es war ein schönes Rennwochenende, dass uns viele neue Erkenntnisse, zwei Zielankünfte und ein zählbares Ergebnis beschert hat – darauf können wir in zwei Wochen auf dem Nürburgring aufbauen.“

Verantwortlich für den Inhalt: Carsten Krome, netzwerkeins GmbH

Fotografie: © Farid Wagner, pitwall media

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Benzingespräche by 2.0 Automotive – @DTM Classic – Zolder/Belgien – Marc Hessel – Sebastian Küppers.