Innovativ durch Forschung: urban clean drive (UCD). Emissionsfreie Fahrt in Umweltzonen für Old- und Youngtimer. Die smarte Symbiose aus Umweltbewusstsein, Erhalt des Charakters klassischer Bestandsfahrzeuge und der Erfüllung gesetzlicher Vorgaben. Automobiles Kulturgut bleibt im Straßenbild erhalten – jederzeit nutzbar und wertstabil. Dynamisch, unauffällig, ohne Eingriff in den klassischen Verbrennungsmotor. Roland Heidl und sein Ingenieursteam haben ein neuartiges Antriebskonzept für Old- und Youngtimer entwickelt – ausgezeichnet durch den Stifterverband. Innovativ durch Forschung.

Dritter Ortstermin in der Porsche-Fachwerkstatt an der Karl-Geusen-Straße 173 in 40231 Düsseldorf-Eller: Die Arbeiten an der “Ölklappe” im Original-Porsche-Farbton Adriablau 50E von Roland Heidl Automobiltechnik sind in die entscheidende Phase eingetreten. Immer mehr Detaillösungen fließen in den ersten – nach drei Entwicklungsjahren demnächst fahrbereiten – Prototypen ein. Sie fügen sich zu einem großen Ganzen zusammen. Carsten Krome berichtet.

Minimal invasiv und doch bis ins kleinste Detail durchdacht: Es bleibt spannend an der Karl-Geusen-Straße 173 in Düsseldorf-Eller – bis zur ersten Probefahrt.

Freitag, 6. November 2020. Ein wenig versonnen wirkt Roland Heidl, als er auf dem Fahrersitz seines Prototypen Platz genommen hat. “Allmählich freue ich mich auf die ersten Kilometer – und wie das hier nach frischem Leder duftet!” Zumindest im Wageninneren sieht die frisch restaurierte “Ölklappe” des Modelljahrgangs 1972 schon wohnlich aus. Die zeitgenössischen Sitze sind mit weichem, tiefschwarzem Glattleder bezogen, der gleichfarbige Dachhimmel ist fein perforiert, der Armaturenträger ist mit Radio und Instrumenten bestückt. Dort, wo eigentlich der Aschenbecher sitzen müsste, verbirgt sich etwas anderes: ein Steuermodul. Drei runde Tasten sollen später den elektrischen Antrieb steuern. Das System ist verblüffend einfach gehalten. Die wichtigste Funktion ist in der Mitte angeordnet: ein kleiner Buchstabe, der den Elektromotor aktiviert. Dieser bezieht seine Energie durch ein Hochvolt-Lademodul, das im “Plug-In”-Verfahren über das Stromnetz mit elektrischer Energie versorgt wird. Zwei Richtungspfeile links und rechts geben die Vorwärts- und die Rückwärtsfahrt vor. Mehr ist nicht notwendig, um emissionsfrei mit Old- und Youngtimern in Umweltzonen fahren zu können – mit nur einer Fahrstufe. Roland Heidl, der “Spiritus Rector”, erläutert: “Wir behalten natürlich die originale Motor-Getriebe-Einheit bei. Greift der zusätzliche Elektromotor in das Antriebssystem ein, wird auf die dritte Fahrstufe des Original-Fünfgang-Getriebes zugegriffen. Unser Elektromotor ist mit 90 kW leistungsstark genug, um das Anfahren auch im dritten Gang zu ermöglichen.” Die Konsequenz: entspanntes, emissionsfreies Fahren in den Umweltzonen der Innenstädte. Wird im Steuermodul die “E-Taste” betätigt, blockiert ein spezieller Mechanismus den Schalthebel – dieser wird im rein elektrischen Fahrbetrieb nicht benötigt. Dasselbe Grundprinzip greift beim Gaspedal, das im “E-Modus” mit nur wenigen Millimetern Pedalweg auskommt. Das für den Betrieb des Verbrenners im Heck des Porsche 911 E erforderliche Gasgestänge wird dabei außer Kraft gesetzt. Die Betätigung beider Mechanismen wird mit ein- und demselben Knopfdruck automatisch ausgelöst.

Was genial einfach erscheint, ist in Wirklichkeit das Ergebnis jahrelanger universitärer Forschung. Ein Testaufbau, der eine Tischplatte mittleren Ausmaßes ausfüllt, simuliert zum Bespiel die später einmal deutlich größenreduzierte Relaisplatte, die im Vorderwagen angeordnet sein wird. Gleichsam unter der Fronthaube, genauer gesagt in der bisherigen Reserveradmulde, wird das zentrale Batteriemodul untergebracht werden. Und auch Form und Ausführung der Plug-In-Ladeeinheit, die mit Netzstrom versorgt wird, stehen inzwischen fest. Trotzdem ist es noch ein weiter Weg, bis das System zur ersten Versuchsfahrt bereitsteht. Die einzelnen Entwicklungsschritte wollen sorgsam gesetzt werden. Roland Heidl sieht trotz aller Detailarbeit die ersten Kilometer näher auf sich zukommen – und er verspürt wachsende Vorfreude. “Mir war bewusst, dass es ein langer Weg über mehrere Jahre werden würde”, stellt er fest. “Andererseits ist mir der seit 2017 entstandene Erfahrungsvorsprung nicht mehr so leicht zu nehmen – das Projekt Urban Clean Drive ist weit gediehen.” Wie weit, das zeigt ein Blick vorbei am rechten Vorderrad in die Spitze des Radhauses. Dort, wo bei den Porsche 911 der legendären F-Serie der Batteriekasten zu finden war, sitzt nun eine schwarz lackierte Verschlussklappe an vier gelbgold verzinkten Knebelschrauben. Inmitten der rechwinkligen Klappe gibt ein gelb unterlegter Blitz einen entscheidenden Hinweis: “Dieser Porsche steht demnächst unter Spannung” – und das ist auch gut so! Denn mit ausreichend Ladestrom für 70 emissionsfreie Kilometer in der Stadt bietet das minimal invasive Hybrid-Upgrade einen sinnvollen Beitrag zur Bestandspflege bei veränderten energie- und umweltpolitischen Rahmenbedingungen. Mögliches Motto: Es geht voran. Immer.

Verantwortlich für Fotografie und Inhalt: Carsten Krome Netzwerkeins

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© Carsten Krome Netzwerkeins

Playlist – Roland Heidl Automobiltechnik Düsseldorf, Entwicklungsprojekt Urban Clean Drive, Add On E-Engine.

https://www.netzwerkeins.com/2018/03/04/wo-alles-begann-begegnungen-mit-dem-porsche-boxster-typ-986-b996-7-by-heidl/

 

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