Wenn einer eine Reise tut, so heißt es, dann kann er was erzählen. Und: Wenn einer einen Straßenklassiker kauft, kann er das natürlich auch. Zumindest dann, wenn vorne an der Haubenspitze das vielgeliebte Porsche-Wappen prangt. Diese Erfahrung machte ein 52-jähriger Unternehmer aus dem Münsterland. Er legte sich einen 1984 in die Vereinigten Staaten exportierten Porsche 911 Carrera targa 3.2 zu – mit erst 75.000 Meilen Laufleistung eine gute Empfehlung. Dieser Eindruck bestätigte sich – und dennoch: Zum guten Schluss gab es so manches zu tun. Und auch zu erzählen. Natürlich.

Äußerlich ist Swen Wolke ein Unternehmer, wie man ihn sich vorstellt: geradliniges Auftreten, fester Händedruck, kein unnötiges Wort. Der 52-jährige Kaufmann aus Everswinkel im Münsterland erfüllte sich einen Traum. Er legte sich einen 32 Jahre alten Porsche zu, den ersten und – so hat er es zumundest geplant – auch einzigen. Als sein 911 Carrera targa 3.2, ein US-Reimport mit 217 Katalysator-PS, am 1. Juli 1984 die Zulassung für den Straßenverkehr erhielt, war er gerade einmal 20. Nun könnte man annehmen, dieses Zahlenspiel habe eine Bedeutung für ihn, einen tieferen Sinn. Doch weit gefehlt: Sein Straßenklassiker, gekauft im gleichnamigen Fachgeschäft in Hiltrup, einem Stadtteil von Münster, war letztlich eine Kompromisslösung.

Gesucht hatte Swen Wolke ein 1982 ausgeliefertes Gefährt, dieses Ursprungsjahr wäre nämlich mit dem Erwerb des Führerscheins einhergegangen. Es ging ihm um eine Zeit-Reise. Er hätte dann aber einem hochverdichteten 911 SC mit 204 PS den Vorzug geben müssen. Den Dreiliter-Elfern haftet der Ruf an, einen eingebauten Revisionsbedarf in sich tragen. Die Standfestigkeit der Motoren ist mit denen des Nachfolgemodells nicht zu vergleichen. Der Carrera 3.2 kam nach den Werksferien 1983 auf den Markt – ein fast schon kugelsicherer Serien-Sportwagen, der Laufleistungen von weit über 400.000 Kilometer ohne tiefgreifende Maßnahmen möglich werden ließ. Und weil ein solcher Carrera 3.2 in targa-Ausführung für relativ günstige 36.000 Euro zu haben war, sah Swen Wolke über das nicht ganz passende Baujahr hinweg und schritt zur Tat.

Er beauftragte einen Experten aus Warendorf mit der technischen Durchsicht. Christian Heitgreß, Jahrgang 1969, führt seit Januar 2014 in der Stadt des Pferdesports einen Sportwagen-Servicebetrieb. Der Kontakt zu Swen Wolke baute sich über einen gemeinsamen Bekannten, einem GTÜ-Prüfer, auf. Heitgreß, ein Kraftfahrzeug-Mechanikermeister mit jahrzehntelanger Erfahrung, erkannte: Bei diesem US-Reimport stimmte das Preis-Leistungsverhältnis. Er wusste natürlich auch, dass 30 Betriebsjahre in den Vereinigten Staaten stets für eine Überraschung gut sind. Das Grundverständnis der Amerikaner ist schon ein wenig anders als bei uns, wenn es um den Verbau von Originalteilen geht. So wunderte er sich über die hydraulisch betätigte Kupplung, denn zum Modelljahr 1984 passt sie eigentlich nicht.

Die ersten Carrera 3.2 lieferte Porsche mit dem altbekannten Getriebetyp 915 aus – ohne die Kupplungshydraulik. Ein Schaden an der Kupplung und der anschließende Ausbau förderten einen kreativen Eigenbau zu Tage. Heitgreß identifizierte eine auf der Drehbank speziell gefertigte Druckplatte, Komponenten des späteren Getriebetyps G50 sowie Teile aus dem 930 turbo 3.3 mit Fünfgang-Schaltung. Er schickte die Druckplatte zu Fichtel + Sachs, dort fand sich aber keine passende Schwungscheibe. Folglich musste die US-Druckplatte in einer Münsterländer Dreherei präzise feinbearbeitet und gewuchtet werden. Sie sollte schließlich ruckelfrei funktionieren. Diesem Anspruch wurde das Ensemble schließlich gerecht, und so berichtet Swen Wolke von Touren bis an den Kaiserstuhl. „Ich will fahren, fahren, und nochmals fahren!“, stellt er fest, „und das kann ich mit gutem Gewissen – mein Porsche und ich sind in den besten Händen!“

Christian Heitgreß, der seit der Werkstattgründung vor annähernd drei Jahren nicht weniger als zwölf Porsche-Motoren eigenhändig revidierte, fügt hinzu: „Man muss sich immer vor Augen halten, dass ein 30 Jahre alter Sportwagen nicht in allen Punkten perfekt sein kann. Irgendetwas fällt immer an. Das ist, ganz nüchtern betrachtet, ein technischer Gegenstand mit drei Jahrzehnten auf dem Buckel. Gemessen daran, ist so ein alter Porsche erstaunlich langlebig.“ Dass beide Vorderreifen erneuert werden mussten, lag im Normbereich. Auch der Haarriss im OT-Sensor, der Feuchtigkeit eintreten ließ, war zu verschmerzen. Die Steinschläge im Vorderwagen ließen den Lackierbetrieb Taflan tätig werden. Der ist wie Heitgreß an der Waterstroate im Industriegebiet Katzheide vor den Toren von Warendorf ansässig.

Als Perfektionist geschätzt, versetzte er nicht nur die Wagenfront in einen akzeptablen Zustand, sondern gleichsam den Motorraum. Vorher waren Recherchearbeiten zu erledigen. Die Vorbesitzerin im US-Bundesstaat South Carolina wusste anhand der Fahrzeugpapiere zu bestätigen, dass die Werks-Auslieferungsfarbe tatsächlich „Chiffonweiß“ gewesen ist. So konnte ein ansprechendes Äußeres erzielt werden, ohne den Charakter durch Überrestauration zu zerstören. Während die langen Blinkerelemente im vorderen Stoßfänger beibehalten werden konnten, mussten hinten die typischen US-Prallelemente, „Bumper“ genannt, weichen. Die Hauptscheinwerfer kommen ohne die „Sealed Beam“-Lampenringe aus, die ansonsten so manchen Rückläufer aus Amerika zieren.

Im Wageninneren konnte Holger Knauth in Aktion treten. Der Finishing- und Detailing-Profi aus dem westfälischen Hamm ist in einer Arbeitsgemeinschaft mit Christian Heitgreß unter derselben Adresse tätig. Er nahm sich der Original-Ausstattung an, nivellierte so manchen Riss, putzte das weinrote Leder heraus – und konnte den ebenfalls ledernen Lenkkranz des Volants nicht retten. Das Lenkrad erhielt einen neuen Bezug, während das Armaturenbrett vertretbar war. Natürlich musste da und dort ein durchhängendes Riemchen ausgetauscht werden, im Großen und Ganzen war die Substanz jedoch völlig in Ordnung. Und dennoch: Seit der Inbetriebnahme im Oktober 2014 waren es Kleinigkeiten, die das Porsche-Hobby niemals langweilig werden ließen. Mögliches Motto: keine besonderen Vorkommnisse.

Swen Wolke, ein bekennender Geschäftswagenfahrer im Alltag, gibt seine professionelle Distanz am Ende doch noch auf, als er zu schwärmen beginnt: „Mir geht es nicht um die Wertentwicklung dieses Autos. Jedesmal, wenn ich nach einem Ausflug wieder aussteige, habe ich ein Lächeln im Gesicht.“ Viel zu schnell erinnert ihn der Blick auf die Uhr daran, dass die Pflicht ruft: „Sie müssen entschuldigen, ich habe noch einen Termin!“ Den steuert er mit dem Volvo an, der Porsche hat Feierabend – bis auf weiteres. Denn fahrbereit ist er ohne jede Einschränkung.

Verantwortlich für Inhalt und Fotografie: Carsten Krome Netzwerkeins

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