Wenn heute um 15.35 Uhr 23 Tourenwagen-Klassiker aus dem ersten Lebensabschnitt der Deutschen Tourenwagen-Meisterschaft, kurz DTM, auf dem Norisring ins Rennen gehen werden, sind mit Marc Hessel und Frank Schmickler zwei Zeitzeugen mit von der Partie. Die beiden Rheinländer starten mit dem BMW M3 E30 2.3 Liter Gruppe A von 2.0 Automotive aus Düsseldorf vom achten Gesamtplatz aus ins Saison-Highlight über 40 Minuten. Innerhalb der Klassenwertung haben sich beide nach einer Glanzleistung im Abschlusstraining heute, am frühen Sonntagmorgen, sogar auf dem zweiten Rang hinter einem Ford Sierra Cosworth mit einem ungleich stärkeren Vierzylinder-Turbomotor etablieren können. Um Haaresbreite erreichte Marc Hessel seine 1987 – zur Urzeit des BMW M3 – vorgelegte Rundenbestzeit von 58.330 Sekunden. Teamkollege Frank Schmickler bremste unterdessen ein stillstehendes Vorderrad in den berühmt-berüchtigten Bodenwellen der Grundig-Kehre.

„Das war schon verdammt nah dran an meiner damaligen Runde“, analysierte Marc Hessel seine Rundenbestzeit von 59.188 Sekunden am frühen Sonntagmorgen im Abschlusstraining auf dem Norisring, die ihn bis auf weniger als neun Zehntelsekunden an seine eigene, 32 Jahre zurückliegende Vorgabe heranbrachte. Damals kämpfte der gebürtige Bonner als 22-jähriger BMW-Junior auf Anhieb um den Titel in der DTM, der Deutschen Tourenwagen-Meisterschaft. „Natürlich haben wir uns mit einem Werksmotor in den langen Vollgaspassagen gut und gerne 500 Kurbelwellen-Umdrehungen mehr genehmigen dürfen“ erinnert er sich, „das macht, auf die komplette Runde gerechnet, schon etwas aus!“ Dennoch zeigte er sich hochzufrieden mit dem bisherigen Verlauf der Zeittrainings auf dem traditionsreichen Stadtkurs in den Straßen Nürnbergs. „Vor uns in der Klasse liegt einzig ein Ford Sierra Cosworth mit einem Reihen-Vierzylinder-Turbomotor. Natürlich kann der sich auf den Geraden etwas von uns lösen, zumal Armin Hahne dieses Auto fährt!“ Der gebürtige Moeser griff erst im Verlauf der DTM-Saison 1987 mit dem Ford Sierra RS 500 Cosworth des schwäbischen Tuner-Urgesteins Walter Wolf ins Geschehen ein und leistete auf dem Hochgeschwindigkeitskurs auf der Berliner Avus Führungsarbeit.

„Armin ist ein Guter!“, bestätigt denn auch Frank „Schmicki“ Schmickler, der gemeinsam mit Marc Hessel ins 40-Minuten-Rennen der Tourenwagen-Klassiker auf dem Nürnberger Norisring gehen wird. Der Kölner folgte Marc Hessel 1988 als BMW-Junior in der DTM und kehrte 1990 nach einem Abstecher in die Deutsche Formel-3-Meisterschaft mit dem MM-Diebels-Team vom Günter Murmann in die Tourenwagen-Bundesliga zurück. Beiden Rheinländern steht ein BMW M3 E30 2.3 Liter Gruppe A zur Verfügung, dessen technische Bauausführung mit 285 PS bewusst dem Homologationsstand der Jahre 1987/1988 entspricht. „Für uns ist gerade das eine Philosophiefrage“, beschreibt Sebastian Küppers die Ausgangslage. Mit seinem Team 2.0 Automotive, das in Düsseldorf an der Grafenberger Allee 100 zuhause ist, stellt er den vollkommen neu aufgebauten Original-Renntourenwagen zur Verfügung. „Nach wie vor sind wir das einzige Team im Feld, das auf keine ProAm-Konstellation wie in der heutigen FIA-GT3-Szene setzt, sondern auf eine reine Profi-Mannschaft, formiert aus aktiven Zeitzeugen. Wir sind auch stolz darauf, Frank Schmickler nun schon zum dritten Mal bei uns im Team zu haben!“ Noch vor 14 Tagen belegte der Langstrecken-Spezialist auf einem Audi R8 beim 24-Stunden-Rennen auf der Nürburgring-Nordschleife Rang 20 in der Gesamtwertung.

Auf dem Norisring haderte er im Abschlusstraining am frühen Sonntagmorgen mit den berühmt-berüchtigten Bodenwellen in der Anfahrt zur Grundig-Kehre, einem 180-Grad-Bogen nach der Start-und-Zielgeraden. Nach nächtlichen Regenfällen stand in den Vertiefungen noch Restfeuchtigkeit. Die Konsequenz: ein stillstehendes rechtes Vorderrad beim Anbremsen – mit frisch montierten Reifen! „Das Ganze passierte auf meiner zweiten Runde“, gab Frank Schmickler zu Protokoll. „Mir war sofort klar, dass ich abbrechen musste. Die Reifen hatten ihren Peak zwar noch nicht erreicht, der rechte vordere Pneu hatte nun aber einen Bremsplatten und musste sofort ausgetauscht werden. Also bin ich an die Box gefahren – auch, um Marc zu seinen Pflichtrunden kommen zu lassen und darauf zu hoffen, dass der Reifensatz trotz des Teilaustauschs vorne rechts noch einmal für eine schnelle Runde reichen würde!“ Diese auf jahrzehntelanger Rennerfahrung beruhende Taktik ging auf: Nach dem Reifen- und Fahrerwechsel setzte Marc Hessel seine Bestzeit und etablierte das Team 2.0 Automotive unter den ersten Zehn in der Gesamtwertung. Dabei ließ er auch seinen Bonner Ex-Nachbarn Olaf Manthey – beide lebten einst auf Pützchens Chaussee – mit dem BMW 635 CSi Coupé von Peter Schumann auf Gesamtplatz zwölf hinter sich.

1987 war die Reihenfolge zwischen Olaf Manthey und Marc Hessel am Norisring genau umgekehrt: Der neun Jahre ältere Driftkönig mit dem Zwirbelbart gewann, sein junger Herausforderer mit dem „Mecki“-Haarschnitt kam auf Rang zwei. „Das wird auf jeden Fall unterhaltsam im Rennen!“, orakelt Marc Hessel, der den ersten Teil der Distanz unter die Räder nehmen wird. Frank Schmickler wird im Wechselfenster zur Rennmitte übernehmen, er freut sich „einfach auf klassisches, handwerkliches Racing mit Schalten, Zwischengas und Hacke-Spitze – das ist einfach so, als würdest Du nach Hause kommen!“ Sebastian Küppers fügt hinzu: „Ich freue mich mit meinem gesamten Team, unseren Freunden, Sponsoren, Förderern und Partnern auf ein tolles Saisonhighlight im fränkischen Monte Carlo.“ Das Startsignal wird um 13.35 Uhr gegeben.

Verantwortlich für den Inhalt: Carsten Krome Netzwerkeins

Fotografie: Verena Schwarz, VVisions

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