Es muss ja nicht immer Los Angeles sein. Davon ist auch Christian Heitgreß überzeugt. Für einen Stammkunden verwirklicht der Betreiber einer Performance-orientierten Fachwerkstatt aus Warendorf derzeit ein aufwändiges Backdating-Projekt im Stil der Singer-Porsche, die Rob Dickinson seit 2011 baut.

Der ehemalige Rocksänger und Cousin des Iron-Maiden-Frontmanns Bruce Dickinson hat die weltweite Backdating-Welle vor neun Jahren ausgelöst. Nun hat sie das urwestfälische Zentrum des Pferdesports erreicht. Dort, wo einst Hans Günter Winkler zu einer der erfolgreichsten deutschen Olympia-Karrieren aufbrach, entsteht derzeit ein Rückbau des Porsche 911 Carrera der Generation 964 in ein Zitat des F-Modells der frühen siebziger Jahre. Die Vorgabe des Klienten: Nicht eine alte Schraube durfte weiterverwendet werden. Aber nicht nur das: Verschiedene Protagonisten der deutschen Tuner- und Restomod-Szene brachten sich in das Projekt ein. Carsten Krome berichtet von einer ersten Bestandsaufnahme am 10. Januar 2020 im Gewerbegebiet an der Waterstroate.

Singer, Songwriter. Jetzt also auch im östlichen Münsterland. Und schon bald auch vor der einzigartigen Palettenlandschaft im Holz- und Sägewerk Lüffe-Baak am Ortsausgang von Greffen, 14 Kilometer von Warendorf entfernt. Denn der Porsche, den Christian Heitgreß für einen Stammkunden dort entstehen lässt, ist schon jetzt – in Phase eins des Zusammenbaus – spektakulär: ein Backdating-Projekt auf der Grundlage eines japanischen Tiptronic-Porsche 911 Carrera der Generation 964. Ein Traumcoupé aus den frühen neunziger Jahren, inzwischen als ein serienmäßiger Gebraucht-Sportwagen weit oberhalb der 60.000 EUR gehandelt, sauber, ohne erkennbare Blessuren. Das 1991er-Baujahr besaß anfangs noch ein Stahl-Schiebedach, das sollte sich allerdings im weiteren Verlauf der Arbeiten nachhaltig ändern. Dennoch ordnete der Auftraggeber an: „Ich möchte später, sollte ich die Räder einmal herunternehmen wollen oder müssen, nicht eine alte Schraube sehen!“ Das Resultat: ein umfassender Neuaufbau auf der Original-Rohkarosse. Diese erhielt einen kompletten Retro-Breitbau von Roger Kaege aus Stetten in der Rheinpfalz – jenem Mann, der vor vier Jahren mit seiner eigenen Backdating-Interpretation von sich reden machte. Zunächst realisierte der Karosseriebau-Spezialist seine Vorstellung von der Antwort auf den US-amerikanischen Singer-Porsche 911 anhand eines Neunelfers der Generation 993. Inzwischen nimmt er sich nun auch des Vorgängermodells mit der werksinternen Typenbezeichnung 964 an und passte sämtliche Baugruppen entsprechend an. Einschließlich beider Stoßfänger sind die Kaege-Komponenten aus höchstwertigem Karbon gefertigt.

Christian Heitgreß steuerte eine stählerne Dachhaut ohne Luke – und ohne ein Schwitzwasser-Ablaufrohr – dazu bei. Auf diese Weise konnten am höchsten Punkt des Retro-Neunelfers einige weitere Kilogramm Gewicht eingespart werden. Der Verarbeitungsstandard und die am Standort Warendorf erfolgte Lackierung sind von absoluter Top-Qualität. Das gilt auch für alle weiteren Gewerke von den neuen Leichtmetall-Schräglenkern des Porsche 911 turbo II der Modellgeneration 964 über die nachträglich verbreiterte Vorderachse, die darauf abgestimmten, roten Bremssattel-Gehäuse und das KW-Gewinde-Sportfahrwerk bis hin zu den Sonderrädern im legendären Fuchs-Design. Das Schwergewicht schlechthin ist freilich der Motor, den Heitgreß eigenhändig auf 3,8 Liter Hubraum modifizierte und somit eine Hommage an das RSR 3.8 Coupé schuf. Das Allgäuer Brüderpaar Reinhold und Gerhard Schmirler nahm sich des fertig zusammengebauten Treibsatzes an und führte eine Feinabstimmung auf dem Leistungsprüfstand durch. 338 PS sollen im Straßen-Trimm abrufbar sein. Die Kraft geht über an ein manuelles Schaltgetriebe, das die vorhandene Tiptronic ersetzte.

Mehr als 1.000 Mechaniker-Stunden flossen bisher in den perfektionistischen Porsche ein, darüber hinaus galt weiterer Aufwand der speziell gefertigten Innenraum-Ausstattung aus dunkelbraunem Leder. Im Sinne eines stimmigen Gesamtbildes ist ein Überrollschutz nicht vorgesehen. Schon im Frühjahr 2020 soll der erste Restomod-Porsche 911 aus der urwestfälischen Stadt des Pferdesports fertiggestellt sein – eine Anregung für weitere Kunden-Projekte made in Warendorf? Christian Heitgreß schließt das nicht aus: „Meine Mitarbeiter und ich haben die Herausforderung angenommen!“, berichtet der Betreiber einer Performance-orientierten Fachwerkstatt. „Unser Know-How bringen wir sehr gerne wieder ein, wenn dieser (Groß-)Auftrag schließlich abgearbeitet sein wird.“

Die werk1-Redaktion hält Sie über den weiteren Projektverlauf auf dem Laufenden – sowohl online als auch in der kommenden Druckausgabe, die zurzeit parallel entsteht.

Verantwortlich für den Inhalt: Carsten Krome Netzwerkeins

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