2002 erfand Ingo Rübener den Clubday der Porschefreunde auf der Trabrennbahn Dinslaken. Auf Anhieb kamen 400 Sportwagen-Enthusiasten an den Niederrhein. Sechs Jahre später – am 1. Mai 2008 – war mit 2.300 Fahrzeugen der Marke Porsche ein absoluter Höchststand erreicht. Im werk1-Interview analysiert der aktive Sportfahrer auf 911 Carrera RS M001 (Typ 964) die bisherigen Erfolgsjahre, die besondere Momente mit sich brachten. Das Gespräch führte Rübeners Weggefährte Carsten Krome, der bereits bei der ersten Veranstaltung an der Bärenkampallee automobilen Artenreichtum erlebte.

werk1: „Ingo Rübener – inzwischen ist Ihr Name und der Ihrer Frau Sonja überall in Europa bekannt und wahrscheinlich sogar darüber hinaus. Sie veranstalten – zumindest bei uns in Deutschland – das bedeutendste Treffen für die Freunde und Besitzer von Porsche-Fahrzeugen. In den Tagen vor dem 1. Mai 2002 – in der Vorbereitung auf den allerersten Clubday der Porschefreunde am 1. Mai 2002 – war das naturgemäß anders. Können Sie sich an die spannende Schlussphase vor der Event-Premiere vor mehr als zwölf Jahren erinnern?“

Ingo Rübener: „Aber sicher! Wir haben nicht im Traum daran gedacht, welche Dimensionen unsere Idee innerhalb weniger Jahre annehmen würde. Wir leben in unmittelbarer Nähe der Trabrennbahn Dinslaken, fahren einen Carrera RS M001, den uns Michael Starke vom Porsche Zentrum Osnabrück mit 40.000 Kilometern Laufleistung noch zu D-Mark-Zeiten verkaufte. 2002 hatten wir mitbekommen, dass es in England Marken-spezifische Treffen in Parkanlagen gab, mehr oder weniger Picknicks mit hochwertigen Automobilen. So etwas fehlte uns in Deutschland zu dieser Zeit. Wir wollten etwas in dieser Art miterleben, mit 30 oder 40 Gleichgesinnten. Also sprachen wir den Geschäftsführer der Trabrennbahn auf unser Vorhaben an. Wir sind sehr freundlich aufgenommen worden und haben eine Zusage für den 1. Mai 2002 erhalten. Da wir – wie bereits erwähnt – von 30 bis 40 Personen ausgegangen sind, haben wir nicht einmal die Toilettenanlagen aufschließen lassen. Wozu denn auch bei dieser überschaubaren, allerdings theoretischen Teilnehmerzahl?“

werk1: „Grau ist alle Theorie – es kam ein wenig anders…!“

Ingo Rübener: „Das kann man laut sagen! Auf einmal standen nicht 40 Porsche-Besitzer da, sondern mehr als 400! Sonja und ich kannten vielleicht 20 von ihnen persönlich. Wir stemmten die ganze organisatorische Arbeit zu zweit, wir hatten keine Helfer vor Ort, nur Mut zur Lücke und überhaupt keine Angst vor Chaos. Alles in allem war es eine beherrschbare Situation, wir kannten uns mit der Eigendynamik großer Veranstaltungen bestens aus.“

werk1: „Warum – in welcher Branche verdienten Sie vor dem 1. Mai 2002 das Geld für Ihren Porsche?“

Ingo Rübener: „Wir sind Porsche- und Motorrad-verrückt. Unser Gewerbe haben Sonja und ich auf die Planung, Organisation und Durchführung spezieller Motorrad-Messen und -Touren im gesamten Bundesgebiet auf den Namen Marathon Motorsport angemeldet. Enthusiastisch, wie wir nun einmal sind, haben wir uns vom ersten richtigen Geld, das wir jemals verdient haben, einen Carrera 3.2 in ‚Preußischblau-metallic‘ gekauift. Dem folgte der heutige Carrera RS, der lange vor unserer Zeit einen Werksumbau zur N/GT-Sportversion erhielt.“

werk1: „Was waren – bei aller Euphorie nach dem zehnfachen Teilnehmeransturm gegenüber unserer ersten Einschätzung – die ersten Erkenntnisse, die der Überraschungserfolg am 1. Mai 2002 mit sich brachte?“

Ingo Rübener: „Wir beschlossen, es einfach laufen zu lassen. Wobei uns Fachleute – befreundete Journalisten zum Beispiel – (kichert vergnügt) wichtige Hinweise und Anregungen gaben.“

werk1: „Welche Hinweise und Anregungen waren das?“

Ingo Rübener: „Wir hatten ja von Anfang an nicht nur die Elfer dabei, sondern auch die Diesel-Schlepper – die inzwischen bei den Sammlern sehr beliebten Traktoren. Dann war der Carsten Krome zu Besuch – und der sagte, wir sollten die 924, 944 und 968 auf keinen Fall vernachlässigen. Wir haben uns das sehr zu Herzen genommen, und heute sind wir überzeugt, dass gerade diese Öffnung nach vielen Seiten ein wichtiger Erfolgsfaktor gewesen ist. Wir waren offen für solch eine strategische Unterstützung auf unserem Weg zum großen Ganzen.“

werk1: „Am 1. Mai 2003 jährte sich der Überraschungserfolg von Dinslaken zum ersten Mal. Damals war von einem kleinen Picknick mit 30 bis 40 Teilnehmern kaum noch auszugehen. Mit der steigenden Besuchererwartung stiegen naturgemäß auch der Aufwand und die Kosten. Welche neue Zielsetzung musste erfüllt werden, um den Clubday der Porschefreunde nicht zum wirtschaftlichen Desaster werden zu lassen?“

Ingo Rübener: „2003 erschienen rund 800 Teilnehmer mit ihren Fahrzeugen, was einer Verdoppelung unserer Zahlen entsprach. Zu dieser Zeit nahmen wir gegenüber der Geschäftsleitung der Trabrennbahn noch einen gewissen Welpenschutz in Anspruch. Später zogen die fixen Kosten deutlich an, und wir benötigten 1.000 Teilnehmerfahrzeuge, um nicht ins Minus zu geraten.“

werk1: „Die weitere Entwicklung des Maifeiertags in Dinslaken hat nicht nur allgemeines Erstaunen hervorgerufen, sondern ein Heer mehr oder weniger talentierter Nachahmer inspiriert – von außen betrachtet, sah alles so einfach aus!“

Ingo Rübener: „Nach den ersten Veranstaltungen erreichten wir Kultstatus. Für immer mehr Enthusiasten der Marke Porsche wurde es zum Brauch, jeweils am 1. Mai den Saisonbeginn mit uns auf der Trabrennbahn zu feiern. Warum das so ist, lässt sich mit wenigen Sätzen nur sehr schwer erklären. Wir waren doch selbst fasziniert von dieser Entwicklung, die 2008 zu einem absoluten Rekord führte – 2.300 Teilnehmer und ein paar Gequetschte, ich weiß es selbst nicht mehr so genau.“

werk1: „Markiert dieses Jahr 2008 auch einen schleichenden Umkehrpunkt in der Massenhaftigkeit der Porsche-Fankultur?“

Ingo Rübener: „Aktuell haben wir uns plusminus bei rund 2.000 Porsche-Fahrzeugen am 1. Mai in Dinslaken eingependelt. Vom Überschreiten eines Höhepunktes kann aber nicht unbedingt die Rede sein. Es gab andere Einschnitte nach dem Erreichen der bisherigen Bestmarke.“

werk1: „Welche?“

Ingo Rübener: „Wenige Tage vor dem 1. Mai 2010 erlitt ich einen Schlaganfall und fiel erst einmal aus. Meine Frau Sonja hat zusammen mit unseren bewährten Helfern den Event alleine gestemmt. Wieder einmal wurde es ein schönes Treffen, und zwölf Monate später stand ich wieder an der Einfahrt – gottlob, muss ich sagen!“

werk1: „Ein Schlaganfall während der heißen Phase kurz vor einem Event lässt auf das Erreichen einer Belastungsgrenze schließen. Welche Lehren haben Sie damals für sich selbst gezogen?“

Ingo Rübener: „Es war nicht allein der Stress, der war aus all den Jahren zuvor bekannt und beherrschbar. Es ging vielmehr um künstlich erzeugten Stress, der von einem Mitspieler aus dem süddeutschen Raum ausging.“

werk1: „Details, bitte!“

Ingo Rübener: „Nein danke – nur soviel: Wir sind immer darauf angesprochen worden, die Dinslaken-Strategie auf andere Orte zu übertragen, zum Teil sogar im benachbarten Ausland. Das mag andere Veranstalter dazu veranlasst haben, in uns einen unmittelbaren Konkurrenten aus der Nachbarschaft zu sehen. Dabei sind wir fest in Dinslaken verwurzelt, wir bleiben hier und gehen mit unserem Konzept nirgendwo anders hin – Dinslaken bleibt Dinslaken! Wir sind einmalig, nicht beliebig zu kopieren und originell wie die Langstrecken-Meisterschaft Nürburgring, kurz VLN. Stellen Sie sich doch nur einmal vor, die VLN würde nicht mehr in der ‚Grünen Hölle‘ abgehalten – das wäre doch nicht mehr dasselbe!“

werk1: „Dieses Statement lässt eine Liebe zum Motorsport auf dem klassischen Eifelkurs erkennen!“

Ingo Rübener: „Bestimmt! Von den rund 80.000 Kilometern, die wir mit dem Carrera RS zwischenzeitlich zurückgelegt haben, entfällt ein größerer Anteil auf die Nürburgring-Nordschleife. Auch unsere beiden Söhne dürfen den Porsche nutzen, um ihre Streckenkenntnis zu vertiefen. Anfangs stand ihnen ein 924er zur Verfügung, den wir inzwischen verkauft haben.“

werk1: „Wollen die Söhne in den aktiven Motorsport einsteigen oder langfristig doch eher in die Organisation des Clubdays am 1. Mai?“

Ingo Rübener: „Das wird man sehen. Die Jungs haben jetzt erst einmal fleißig auf der Nordschleife geübt. Alles weitere findet sich.“

werk1: „Kommen wir zum Schluss noch einmal auf den vorhin angesprochenen Aspekt zurück, die Dinslaken-Strategie werde auf keinen Fall auf andere Standorte übertragen. Was sind dennoch Zukunftsperspektiven – es kann ja nicht unbedingt sinnvoll sein, einen einmal erreichten Stand nur zu verwalten. Aufgrund einer solchen Haltung war – insbesondere auf dem Sportwagen-Sektor – in jüngerer Vergangenheit so manche Bruchlandung zu beobachten!“

Ingo Rübener: „Wir erkennen in Dinslaken einen zunehmenden Trend zur Internationalisierung. Ausländische Clubs treten mit uns in Kontakt und melden sich immer frühzeitiger an. Wir sind über die Grenzen des deutschsprachigen Raums zu einer festen Größe, zu einer Institution, geworden. Manchmal kommt uns in den Sinn, dass wir vor zwölf Jahren als Idealisten begonnen haben. Inzwischen begrüßen wir am 1. Mai Stammgäste aus England, Russland und Norwegen – und selbstverständlich auch aus Österreich, der Schweiz, den Niederlanden, Luxembourg und Belgien.“

werk1: „Auf ein Wort – wie fällt Ihr Fazit nach den bisherigen Maifeiertagen auf der Trabrennbahn Dinslaken aus?“

Ingo Rübener: „Die Leute sind froh und dankbar, dass es uns gibt!“

werk1: „Dem ist nichts hinzuzufügen – viel Erfolg weiterhin, auch an Protagonisten wie den Stadionsprecher Volker Küster, und auf ein Wiedersehen am 1. Mai!“

Ingo Rübener: „Ich habe zu danken!“

Verantwortlich für den Inhalt: Carsten Krome Netzwerkeins