Das zweite Jahr: Johnny, be good – der nächste (und gleichzeitig auch letzte) Teil.

2002 – das zweite Jahr der V8STAR: Bewährungsprobe bestanden, es wird nachgeschärft: Eigentlich sind die Aussichten gut, wäre da nicht ein Grundrauschen im Hintergrund …

Rückblende: Für die 25 beteiligten Piloten ist die Premierensaison 2001 im wahrsten Sinne des Wortes eine sportliche Herausforderung. Die Entlüftung der Silhouetten-Tourenwagen ist anfangs noch nicht ganz ausreichend, in den Cockpits bilden sich Hitzestaus.

2002 wird entsprechend nachgeschärft: Außerdem steigt die Leistung der Motoren auf 495 PS – nach offizieller Lesart. In Wirklichkeit sind es mehr als 500 Pferdestärken, doch das wird vorsichtshalber gar erst nicht kommuniziert. Noch immer ist die V8STAR an einem Ausgleich mit der DTM interessiert und geht jeder unmittelbaren Konfrontation aus dem Weg. Dennoch fällt anlässlich der Präsentation im Vorfeld der Saison 2002 im Rathaus der Stadt Essen ein bemerkenswerter Satz. Altfrid Heger unterstreicht auf Nachfrage eines Journalisten: „Wir stehen mit der DTM im Wettbewerb.“ Für viele eine Kernaussage, wird diese unverzüglich weitergereicht – selbst wenn die Informationswege zu dieser Zeit weniger intuitiv sind als heute.

Monate vor diesem Ereignis bietet die Essen Motorshow im Advent 2001 einmal mehr die Plattform, um weitere Entwicklungsschritte in aller Öffentlichkeit zu lancieren: zwei neue, zusätzliche Markenidentitäten mit Ford und Volkswagen sowie Änderungen im sportlichen Ablauf der Qualifikation sind die wesentlichen Botschaften neben der Thematik der angehobenen Motorleistung.

Mit dem unverwechselbaren TV-Kommentatoren Rainer Braun bringt das Deutsche Sportfernsehen ein mediales Schwergewicht in das Gesamtpaket ein – und rückt letztlich noch näher an die DTM heran. Denn der Sportjournalist aus Much ist es, der 1995 zur Symbolfigur und Stimme der DTM – ab 1996 ITC – im Fernsehen wird. Nun wird der überragend vernetzte Rheinländer zum Ankerpunkt einer Strategie, die die Verantwortlichen des Deutschen Tourenwagen Masters, in Kurzform: DTM, nach dem frühen Scheitern des Werkssports in der GT1-Kategorie mehr denn je als eine konkrete Bedrohung wahrnehmen müssen.

Rein sportlich betrachtet, entwickelt sich die erste Hälfte der Saison 2002 mehr als vielversprechend. Johnny Cecotto sieht sich in der Rolle des Titelverteidigers einer ganzen Armada neuer Herausforderer gegenüber. Die Strahlkraft der V8STAR erreicht immer mehr etablierte Branchengrößen. Aus der DTM kommen Hubert Haupt und Pedro Lamy dazu, der Portugiese ist zusammen mit dem Salzburger Robert Lechner die neue Speerspitze bei Zakspeed Racing. Das Traditionsteam tritt 2002 in frischem Grün der Kaufhof-Unternehmensgruppe an, was dem Auftritt der Serie insgesamt zu noch mehr Glanz verhilft.

Doch auch aus der BERU-Top 10, insbesondere aus der Deutschen Tourenwagen-Challenge, kurz: DTC, sind Neuzugänge zu verzeichnen: Ellen Lohr, neben Roland Asch bei PoleVision Racing mit einer der neuen Ford-Mondeo-Karosserie auf Titeljagd, und der Nürburgring-Nordschleifen-Spezialist Dirk Adorf gesellen sich dazu.

Markus Oestreich orientiert sich aus der Truck-Europameisterschaft um, auch er kann auf DTM-Einsatzjahre als Werksfahrer bei BMW und Opel zurückblicken. Schließlich ist da noch Thomas Mutsch, der im Vorjahr bereits zwei erste Plätze eingefahren hat und sich mit der hocheffizienten Fahrweise eines harten Formel-Piloten immer mehr in Szene zu setzen versteht.

Der Titelkampf, soviel zeichnet sich schon früh ab, wird zwischen Johnny Cecotto, Thomas Mutsch und dem neu zusammengestellten Zakspeed-Duo Robert Lechner und Pedro Lamy ausgetragen. Für Thomas Mutsch reicht es trotz der meisten Einzelsiege – vier sind es an der Zahl – zum guten Schluss nur für den dritten Platz.

Bereits beim vorletzten von zehn Saisonrennen darf sich Johnny Cecotto über sein erfolgreich vorgetragenes Projekt „Titel Nummer zwei“ freuen. Mit zwei Siegen in den letzten beiden Punktrunden erkämpft sich Robert Lechner noch die Vizemeisterschaft – die Saison 2002 setzt spannende Akzente in Serie.

Doch im Hintergrund sieht es weniger beschaulich aus. Den Investitionen stehen zu geringe Einnahmen gegenüber – insbesondere für Altfrid Heger keine leichte Aufgabe. Innerhalb der über den Winter 2001/2002 neu strukturierten V8STAR-Organisation erhält er den Titel des Präsidenten. Zudem absolviert er im Vorfeld der zweiten Saison die meisten Testfahrten, um den Motor so fahrbar wie möglich abzustimmen und die beiden neu hinzugekommenen Silhouetten anzupassen. Neben der Außenhaut des Ford Mondeo ist zusätzlich noch die Karosserie des beliebten VW Passat hinzugekommen – im Volkswagen-Kosmos zunächst ein Politikum. Schließlich wird den drei beteiligten Einsatzfahrzeugen sogar die Nutzung des VW-Markenzeichens gestattet – vordergründig der strategische Durchbruch.

Doch die Freude über die gute Nachricht aus Wolfsburg ist trügerisch, wie sich schon bald herausstellen wird. Da ist der vom Finanzamt – nach diskreter Steilvorlage? – erhobene Vorwurf der Liebhaberei nur ein kleiner Mosaikstein …

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