V8STAR, Saison 2/2002, Racing Weekend 1/10, Oschersleben | Samstag, 27. April 2002
Neues Jahr, alte Überflieger: Auf dem Podium im Motopark nur bekannte Gesichter – trotz aller Veränderungen.
Nach der Premierensaison dreht sich das Karussell der Teams und Fahrer. So geht Thomas Mutsch bei Ulrich Mönninghoff an Bord. Der Kölner Unternehmer aus der Kosmetik-Branche setzt wie schon im Vorjahr auf die elegante Außenhaut des Audi A6. Den Wechsel des Salzburgers Robert Lechner zu Zakspeed kompensiert er mit dem schnellen Eifeler Spediteurssohn Mutsch, der ihm auch nach dem unerwarteten Ende der V8STAR die Treue halten und im Langstreckensport weitermachen wird.
Das ganz große Ausrufezeichen vor und hinter den Kulissen setzt freilich Kris Nissen, der den Bestand seines 1st Choice Racing Teams auf nunmehr zwei Fahrzeuge erweitert, aus dem Volkswagen New Beetle Cup den Titelgewinner Patrick Michels aufsteigen lässt und mutig auf die neue Karosserie des VW Passat setzt. Einen weiteren Passat setzt Timo Rumpfkeil unter dem Label seiner Motopark Academy mit Dennis Rostek als Fahrer und der Bielefelder Verlagsgruppe Delius Klasing als dessen Sponsorpartner ein. Rumpfkeil, im vorangegangenen Jahr noch als Fahrer bei Armin Knüpfing aktiv – der sich wiederum zurückzieht und somit auch die Silhouette des BMW 540i vorerst verschwinden lässt – wechselt zumindest in der V8STAR auf die Seite des Teamchefs. Damit der Rochaden noch lange nicht genug, denn Jürgen Gröner füllt in seinem GAG Racing Team den freigewordenen Platz von Thomas Mutsch mit DTM-Abgänger Hubert Haupt. Steffen Widmann räumt das zweite GAG-Cockpit für Dirk Adorf, der seit seinem verunglückten Einstieg in die Deutsche Supertourenwagen-Meisterschaft 1995 auf eine faire Karrierechance hofft.
Im Qualifying schlägt ihnen allen ein ehemaliger Sieger der Deutschen Formel Renault ein Schnippchen: Ralf “Drucki” Druckenmüller beschert Rennbesitzer Karsten Molitor die erste Pole-Position des noch jungen Jahres vor Steffen Widmann, der seinerseits das Volant von Sascha Bert bei Jakub Andreas Grajewski und dessen J.A.G Racing übernommen hat.
Im Rennen geben jedoch altbekannte Namen und Gesichter das Tempo vor. Johnny Cecotto ist auch zum Auftakt der zweiten Saison der V8STAR das Maß der Dinge. Der frühere Motorrad-Weltmeister und Formel-1-Pilot aus Venezuela gewinnt am Samstag, dem 27. April 2002, unter widrigen Bedingungen in Oschersleben den ersten von nunmehr zehn Läufen der mit insgesamt 2.3 Millionen Euro bestens dotierten Serie. Der Südamerikaner wiederholt somit seinen Vorjahreserfolg. “Ein perfekter Einstand. Ich habe dort weitergemacht, wo ich im vergangenen Jahr aufgehört habe”, erklärt der 46 Jahre alte Titelverteidiger, der mit dem Triumph einen überaus guten Start in seine 30. Saison im internationalen Motorsport erwischt.
Im Motopark stellt er mit dem Irmscher-Opel Omega seine ganze Klasse unter Beweis. Von Startplatz sechs zunächst auf den elften Rang zurückgefallen, benötigt er nur 13 Runden, bis er die Führung übernimmt. Platz eins verteidigt er bei abtrocknender Piste clever gegen den nachrückenden Thomas Mutsch. Der MIS-Audi-Pilot geht mit lediglich einer Zehntelsekunde Rückstand auf Johnny Cecotto in die letzte Runde, macht dann aber bei seinem Schlussangriff auf den Routinier einen kleinen Fehler.
Am Ende kommt der junge Herausforderer mit 1,3 Sekunden Rückstand auf den zweiten Rang vor Roland Asch (Ammerbuch/PoleVision Racing). Ford-Händler Roland Asch, der nach dem Jahr im Jaguar S-Type endlich mit der für ihn „passenderen“ Form des Ford Mondeo antreten darf, bildet mit Ellen Lohr ein Zweiwagen-Team. Wie Roland Asch eine langjährige Werkfahrerin in Mercedes-Benz-Diensten in der DTM, feiert sie indes einen glücklosen Einstand. Sie gehört zu den fünf Ausfällen des Rennens – genau wie Markus Oestreich, Hubert Haupt und Harald Becker. Wie Ellen Lohr sind sie allesamt ehemalige DTM-Akteure, die sich in der allem Anschein nach dünnen Luft der V8STAR akklimatisieren müssen.
“Ich hatte heute ein bisschen Glück und von den Fehlern meiner Konkurrenten profitiert”, resümiert Cecotto. Der Titelverteidiger führt mit 32 Punkten die Gesamtwertung vor Mutsch (30) und Asch (29) an. Insgesamt stehen in diesem Jahr für das Fahrerkollegium der V8STAR zehn Rennen im Rahmen der “BERU Top Ten” im Kalender. Der zweite Lauf findet am 11. Mai auf dem Hockenheimring statt, das Saisonfinale steigt am 13. Oktober 2022 – abermals im Motopark Oschersleben.
Das neu formierte Zakspeed-Doppel in Kaufhof-Grün startet solide in die Saison: Pedro Lamy, Volanteur mit aktiver Vergangenheit in der Formel 1, wird Vierter. Stallkollege Robert Lechner folgt einen Rang dahinter an fünfter Stelle. Fazit: Die V8STAR präsentiert sich in ihrem zweiten Jahr als eine hochkarätige Profi-Liga, worüber sich Motorsport-Deutschland doch eigentlich freuen sollte. Wäre da nicht ein unheilvolles Grundrauschen hinter den Kulissen …











