37 Jahre nach dem Kremer-Porsche 935 K3, dem Siegerwagen der 24 Stunden von Le Mans 1979, lanciert Kremer Racing, Köln, ein sensationelles Straßen- und Rennprojekt auf der Grundlage eines Porsche 911 (997) GT3 Cup mit Saugmotor, sequenzieller Schaltung und modernem ABS.

1979 triumphierten Klaus Ludwig (29) aus Roisdorf sowie die US-amerikanischen Kunden Don und Bill Whittington bei den 24 Stunden von Le Mans. Ihr Siegerwagen: ein Kremer-Porsche 935 K3, grundsätzlich auf dem Serien-Chassis des Porsche 911 SC basierend und dennoch weitreichend modifiziert. Anschließend vertrieben die Kölner Gebrüder Erwin und Manfred Kremer nach drei eigenen Fahrgestellen zunächst dreizehn weitere Einheiten ihres „Wunderautos“ zu Stückpreisen von bis zu 350.000 D-Mark. Es folgten mindestens sieben Umrüstkits und 1980/81 nochmals drei weiterentwickelte K3a – in Summe 26. Die Legende der kantig gezeichneten Kevlar-Karosserie verblasste auch nach dem Ende der Gruppe 5 nie. Dessen besinnt sich nun Eberhard Baunach (51), der am 11. August 2010 das Erbe der Gründer von Kremer Racing antrat und den Betrieb übernahm. Für die Gruppe H in den VLN- und RCN-Wettbewerben auf der Nürburgring-Nordschleife macht er 37 Jahre nach dem Kremer-Porsche 935 K3 mit einer historisch motivierten Neuauflage von sich reden. Die Basis: der Porsche 911 GT3 Cup der Generation 997 mit Saugmotor, sequenzieller Schaltung und ABS.

1979 ging der Roisdorfer Fernsehtechniker Klaus Ludwig (29) ein Vertragsverhältnis mit dem Kölner Brüderpaar Erwin und Manfred Kremer ein. Ludwig, nach einer menschlich schwierigen Saison im Rennstall des Immobilien-Tycoons Georg Loos in Höchstform, war in der Deutschen Automobil-Rennsportmeisterschaft nicht zu halten. Zehn von elf Läufen gewann er mit dem Kremer-Porsche 935 K3 (Chassisnummer 009 0002), der ihm auf den Leib geschneidert zu sein schien. Als er darüber hinaus mit zwei US-amerikanischen Kunden, den Gebrüdern Don und Bill Whittington, beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans 1979 mit einem zweiten neuen Kremer-935 K3 (Chassisnummer 009 00015) triumphierte, kam das geflügelte Wort vom „Wunderauto“ auf. Nie zuvor war einem modifizierten Produktionswagen ein Erfolg an der Sarthe vergönnt gewesen, sondern stets nur den Prototypen. Das war die Story schlechthin, und Klaus Ludwig erhielt eine Woche danach eine Einladung ins Aktuelle Sportstudio des Zweiten Deutschen Fernsehens – Motorsport im TV war zur damaligen Zeit eine absolute Seltenheit. Der Rheinländer wusste: Würde in dieser Situation ein Werk an seine Tür klopfen und ihm ein entsprechendes Salär bieten, wären seine Tage im mittelständischen, unabhängig finanzierten Rennstall gezählt. Im Herbst 1979 kam seine Chance. Für den Ford-Sportchef Michael Kranefuß war er, Klaus Ludwig, der geeignete Mann, um mit dem Zakspeed-Ford Capri Turbo in der „großen“ DRM-Division 1 Jagd auf die PS-gewaltigen Porsche 935 zu machen. Der amtierende Deutsche Automobil-Rennsportmeister sagte zu und wechselte innerhalb Kölns – er zog vom Stadtteil Bilderstöckchen nach Niehl und Merkenich um – den Arbeitsplatz.

Nicht zu halten: Als Klaus Ludwig mit zwei US-amerikanischen Kunden, den Gebrüdern Don und Bill Whittington, beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans 1979 mit einem zweiten neuen Kremer-935 K3 (Chassisnummer 009 00015)
triumphierte, kam das geflügelte Wort vom „Wunderauto“ auf.

1980 verkaufte Kremer zunächst dreizehn Kunden-Porsche 935 K3 zu Stückpreisen um 350.000 D-Mark in alle Welt, dazu mindestens sieben Teile-Kits zur Umrüstung bestehender Modelle mit dem technisch überholten Luft-Wasser-Wärmetauscher. Der 935 K3 hingegen besaß das effektivere Luft-Luft-System. 1982 führte der Automobilsport-Weltverband FIA ein grundlegend verändertes Reglement ein. Anstelle der bisherigen Spezial-Produktionswagen der Gruppe 5 standen auf einmal die geschlossenen Prototypen der Gruppe C im Fokus. Was blieb, war die Erinnerung an eine „Geile Zeit“ (Buchtitel der Autoren Gustav Büsing und Uwe Mahla), die sich als ebensosowenig reproduzierbar erwies wie die (Fahrzeug-)Typen, die sie prägten. Dasselbe galt für gestalterische Elemente. Beim Kremer-Porsche 935 K3 waren dies zwei unterhalb der Radnabenmitte angeordnete Hauptscheinwerfer hinter dreieckig zugeschnittenen Abdeckgläsern aus dem Polykarbonat Makrolon®. Sie waren das Erkennungsmerkmal Nummer eins, vom Designer Ekkehard Zimmermann erschaffen. Die Frontpartie fiel nach vorn ab. Die den Porsche 911 kennzeichnenden „Torpedorohr-Scheinwerfer“ fielen der Umgestaltung zum Opfer. Statt dessen erwies sich die „Flachschnauzer“-Kontur bei hohen Geschwindigkeiten als weniger Seitenwind-empfindlich. Im Frühjahr 1983 verlieh das Kraftfahrt-Bundesamt, kurz KBA, dem Haus- und Hoflieferanten der Porsche-Rennställe Kremer sowie Joest Racing den Status eines Automobil-Herstellers. Seine Söhne Holger und Patrick traten Mitte der neunziger Jahre auf den Plan. Während Patrick Zimmermann allmählich in den Fußstapfen seines Vaters Ekkehard wandelte und die Leitung der Firma dp Motorsport übernahm, gründete Holger Zimmermann 2001 einen eigenen Betrieb, der zunächst im Osten Deutschlands unter dem Namen ZIM Composites startete.

 

37 Jahre nach dem Kremer-Porsche 935 K3, dem Siegerwagen der 24 Stunden von Le Mans 1979, lancierte Kremer Racing, Köln, ein sensationelles Straßen- und Rennprojekt auf der Grundlage eines Porsche 911 (997) GT3 Cup mit Saugmotor, sequenzieller Schaltung und modernem ABS.

Holger Zimmermann war nun auch an einem Projekt beteiligt, das im Spätherbst 2014 seinen Lauf nahm und von Eberhard Baunach auf den Weg gebracht worden ist. Der heute 51-Jährige, der Porsche Kremer Racing am 11. August 2010 übernahm, wollte die Legende des 935 K3 auf unkonventionelle Weise aufleben lassen – auf der Grundlage des 911 GT3 Cup 3.6 (Typ 997). Dabei hatte er die Ansprüche vieler heutiger Aktiver auf der Nürburgring-Nordschleife im Visier. Er selbst gehört dieser Gruppe an, seit 2010 nimmt er am 24-Stunden-Rennen in der Grünen Hölle auf Aston Martin und seit 2011 auf Porsche 911 teil. ABS und sequenzielle Schaltung haben sich genauso durchgesetzt wie gut fahrbare Saugmotoren. An diese Standards fühlte er sich gebunden, als er seinen existierenden 911 (997) KR SP7 in den Formenbau entsandte. Während sich die Designlinie so eng wie möglich an den Ur-K3 anlehnen sollte und bald sichtbar wurde, erwies sich die sportpolitische Vorgehensweise als eine knifflige Aufgabe. Innerhalb der Langstrecken-Meisterschaft Nürburgring (VLN) existieren zwar die Kategorien SP-X und SP PRO, doch in beiden sollte es nicht möglich sein, den Retro-Porsche von Kremer zuzulassen. Obendrein fielen beide VLN-Klassen Ende 2015 dem Rotstift zum Opfer. Nur in der Gruppe H für Fahrzeuge älteren Datums öffnete sich eine Tür. So erfuhr das Projekt nach zwischenzeitlicher Unterbrechung eine Wiederaufnahme, und die Konturen erhielten nach dem Abschluss der VLN-Saison 2015 ihren endgültigen Schliff. Aufgrund der VLN-Regularien in der Gruppe H war der Einsatz eines 3,8-Liter-Cup-Motors mit 450 PS nicht gestattet, wohl aber die Verwendung des älteren 3.6-Liter-Motors mit 400 PS. Alle übrigen technischen Features durften jedoch verwendet werden – in der VLN. In der RCN gilt eine stringentere, noch konsequenter auf Privatfahrer zugeschnittene Baujahres-Beschränkung. Die Konsequenz: Dort sind nur 911 GT3 Cup der Generation 996 startberechtigt. Diese sind älteren Datums, lange Zeit waren sie zu günstigeren Preisen zu erstehen.

Nach 3.31,52 Stunden endete die bravouröse VLN-Premiere eines Retro-Rennwagens, der die Herzen der Rennsport-Fans binnen kürzester Zeit im Sturm eroberte. Der Kremer-Porsche 997 K3, eine Hommage an den Siegerwagen der 24 Stunden von Le Mans 1979, ließ bei der 62. ADAC-Westfalenfahrt am 2. April 2016 nicht nur die älteren Zuschauer an der Nürburgring-Nordschleife in Erinnerungen schwelgen. Fotografie: Carsten Krome Netzwerkeins

Am letzten Tag im Februar 2016 unterzog Kremer-Vertragspilot Wolfgang Kaufmann das Ergebnis der bisherigen Projektarbeit einem ersten Funktionstest. Aufgrund der winterlichen Wetterverhältnisse auf dem Hockenheimring waren detailliertere Aussagen zum Fahrverhalten des Breitbaus im Gruppe-5-Look nicht möglich. Es gilt jedoch als ausgemacht, dass Kremer Racing das rot-weiße Nullserien-Exemplar in der VLN an den Start bringen wird, und allein diese Meldung verbreitete sich in Fan- und Interessentenkreisen wie ein Lauffeuer. Es wird sich zeigen, ob die Aerodynamik des außergewöhnlichen Retro-Renners wie einst beim 935 K3 das Zünglein an der Waage sein kann. Auf der Basis einer Sonderbeantragung besteht noch eine gewisse Restchance, den Flachschnauzer beim 24-Stunden-Rennen Nürburgring in Aktion zu erleben – dort wird die Gruppe H seit 1989 eigentlich nicht mehr ausgeschrieben. Dennoch dürfen Gruppe-H-Fahrzeuge wie der Opel Manta oder die Chrysler Viper seit Jahren schon antreten, um dem Kultstatus der Veranstaltung auch im Zeitalter der FIA-GT3 zu bewahren. Neben den reinrassigen Rennausführungen für die VLN und die RCN wird es ebenfalls möglich sein, eine Straßenzulassung zu erhalten. So war es bereits Ende der siebziger Jahre, als Ekkehard Zimmermann den Superreichen dieser Erde den 935 K3 street widmete. Beachtung verdient eine weitere Parallele: Als Klaus Ludwig Ende Februar 1979 den Original-K3 mit der Fahrgestellnummer 009 0002 in Hockenheim in Betrieb nahm, war das Wetter ähnlich winterlich – ein gutes Omen?

Verantwortlich für den Inhalt, Fotografie und Anzeigen-Konzeption: Carsten Krome Netzwerkeins

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